Im Galopp
Auf Performance getrimmte Linux-Distributionen
Nacharbeiten
Underground Linux und Super boten nach der Installation den grafischen Login-Bildschirm des KDE an. Der Desktop macht bei Super einen aufgeräumten Eindruck und weicht nicht von einer Standard-Suse ab. Underground Linux legt zahlreiche Icons auf dem Desktop an, die zum Teil Hilfe für die Konfiguration bieten. Darunter befinden sich aber auch vier Spiele. Als erstes testeten wir den Internet-Zugang. Unter Super funktionierte dieser sofort über den DHCP-Server. Bei Underground Linux ist eine feste IP-Adresse eingestellt. Mit einem Klick auf das Icon Lan Setup auf dem Desktop stellen Sie diese für DHCP ein (Abbildung 3). Auch Für ADSL und Modem-Anschluss finden sich Icons auf dem Underground-Desktop. Schlechter sieht es für ISDN aus. Hier bringt Underground keinen Support mit. Sound und Drucker funktionieren allerdings out-of-the-box.
Bereits vorkonfiguriert ist auch der grafische Paketmanager von Underground Linux: Guzuta (Abbildung 4). Nach dem Start des Programms und einem klick auf Refresh stehen sämtliche Pakete der Arch-Repositories Community, Current, Extra und Testing zur Installation bereit. Fürs Arbeiten auf der Kommandozeile benutzen Sie pacman.
Bei Super ist der Aufwand größer: Hier müssen Sie zunächst die nötigen Apt-Repositories in der Datei /etc/apt/sources.list eintragen. Den entsprechenden Eintrag finden Sie im Kasten "Suse beschleunigen". Seltsamerweise bringt Super keinen grafischen Paketmanager für Apt mit. Sie müssen also zunächst mit
apt-get install kynaptic
den Paketmanager Kynaptic installieren. Danach sollte das Installieren von neuen Paketen selbst für Anfänger kein Problem mehr darstellen.
Vor- und Nachteile
Super und Underground Linux verstehen sich als speziell performante Desktop-Distributionen, wobei sich die Version 020 von Underground klar als Testversion versteht. Dennoch waren wir leicht enttäuscht über die enormen Performance-Probleme von Underground. Es gelang uns nicht, eine DVD oder ein Video ohne Ruckeln anzuschauen. Auch andere Programme starteten nicht wirklich schnell und blieben von Zeit zu Zeit stehen. Wie sich nach einiger Recherche herausstellte, liegt der Fehler wohl bei Reiser4, das beim Synchronisieren des Dateisystems den Rechner für Sekundenbruchteile lahmlegt. Gut zu sehen ist dieser Vorgang am Diagramm des KDE-Tools ksysguard (Abbildung 5). Ein Workaround, der das Problem nicht aus der Welt schafft, aber dem System immerhin zu brauchbarer Performance verhilft ist, in der Datei /etc/fstab für das Wurzelverzeichnis die Mount-Optionen noatime,nodiratime einzutragen. Der Fehler tritt allerdings nicht auf allen Rechnern auf, eine klare Diagnose fehlt noch.
Ansonsten stimmt die Programmauswahl bei Underground Linux: Mplayer und Xine sind mit dabei, auch die Libdvdcss ist bereits installiert. Für sämtliche Aktionen sind Systemklänge eingerichtet und das Abspielen von Audiodateien bereitete keinerlei Probleme. Auch ein Stresstest mit gleichzeitigem CD-Brennen, Kompilieren und Abspielen von MP3s überstand Underground Linux gut. Die Programmauswahl des Grundsystems ist dennoch etwas seltsam: zentrale Pakete wie openssh für den entfernten Zugriff oder hdparm für das Festplatten-Tuning fehlten. Ebenfalls negativ fällt der Bootloader Lilo auf. Gerade auf Rechnern, die mehrere Distributionen beherbergen, stellt Grub die deutlich bessere Alternative dar. Der Entwickler entschied sich wohl wegen Reiser4 zu diesem Schritt. Die Bootzeit von Underground Linux ist mit 35 Sekunden gut – das System blieb aber auch hier unter unseren Erwartungen an Reiser4. Falls bis Version 021 der Bug in Reiser4 gelöst ist, lohnt sich aber ein Blick auf die nächste Version bestimmt.
Tipp
Falls Sie nach der Installation von Underground Linux den Bootmanager Lilo durch Grub ersetzt haben, können Sie vermutlich nicht mehr auf Underground Linux zugreifen, da Grub Reiser4 nicht kennt. Das Rescue System einer Suse 10.0 hilft Ihnen jedoch, Lilo wieder herzustellen. Booten Sie dazu das Rettungssystem und laden Sie anschließend mit modprobe reiser4 das Reiser4-Modul. Hängen Sie nun die Root-Partition von Underground Linux in einem temporären Verzeichnis ein. Für /dev/hda7 lautet der entsprechende Befehl zum Beispiel mount -t reiser4 /dev/hda7 /mnt. Nun legen Sie mit dem Befehl chroot /mnt das Verzeichnis /mnt als neue Wurzel fest und installieren dann Lilo mit dem Befehl lilo neu.
Unter Super/Slick stellten wir keine Performance-Probleme fest. Mit Ext3 als Dateisystem für das Wurzelverzeichnis legte Super mit 29 Sekunden Bootzeit einen neuen Rekord hin. Bei der Belastungsprobe mit gleichzeitigem CD-Brennen, Kompilieren und Abspielen einer DVD ließ sich Super nichts anmerken. Den einzigen Fehler, den wir bei Super fanden: Die Distribution gleicht Suse Linux zu stark, um wirklich cool zu sein. Die Entwickler arbeiten jedoch an einer neuen Version, die ein modifiziertes KDE mitbringt. Bis zum Erscheinen dieses Hefts dürfte diese bereits zum Download bereitstehen.
Infos
[1] Super: http://www.opensuse.org/SUPER
[2] Slick: http://www.opensuse.org/SLICK
[3] ISO-Dowload: ftp://opensuse.linux.co.nz/pub/SUPER/iso/
[4] Underground Linux: http://www.ludos.org/Underground/
[5] Arch CK-Packages: http://iphitus.loudas.com/archck.php



