IRSSInnig gut
Textbasiert chatten mit Irssi
Nick-Listen
Ein weiteres Feature, dass grafikverwöhnte Chatter vermissen könnten, ist die Leiste mit den Benutzernamen am rechten Fensterrand. Eine Liste der aktuellen Benutzer lässt sich zwar leicht über den IRC-Befehl /name abrufen, doch hält Irssi auch hier eine optische Lösung für Sie parat. Laden Sie das Perlskript nicklist.pl [5] in der aktuellen Version 0.4.6 herunter und installieren Sie es auf die bereits beschriebene Weise. Es ist ratsam, eine Kopie des Skripts in den Ordner ~/.irssi/scripts/autorun zu legen.
Um Irssi nun um die Nickliste am rechten Bildschirmrand zu ergänzen, ist der Konsolenfenster-Manager screen von Nöten – er sollte aber auf allen gängigen Distributionen vorinstalliert sein. Starten Sie Irssi mit dem Befehl screen irssi, laden Sie das Skript mit /script load nicklist.pl und aktivieren Sie es zu guter Letzt noch mit /nicklist screen (Abbildung 3).
Die Breite der Leiste lässt sich mit dem Befehl /set nicklist_width festlegen: Experimentieren Sie mit Zahlen zwischen 10 und 15, und passen Sie den Wert an Ihren Geschmack an. Ein /set nicklist_automode screen sorgt dafür, dass auch beim nächsten Start Irssi eine Nickliste für Sie bereit hält. Einziger Wermutstropfen ist, dass das Skript augenscheinlich nicht den Windows-Split-Modus beherrscht und Irssi rhythmisch flackert, wenn man den Client per remote benutzen möchte.
In manchen Chat-Räume tummeln sich mehr als 100 Benutzer gleichzeitig. Diese schreiben zwar nicht alle wild durcheinander, aber in die Nickliste passen sie dennoch nicht. Abhilfe verspricht hier das Kommando /nicklist scroll, das Sie an ein Tastaturkürzel binden können. Das funktioniert mit den Befehlen:
/bind Taste command nicklist scroll -3 /bind Taste command nicklist scroll +3
Alternativ öffnen Sie mit einem Texteditor Ihrer Wahl die Datei ~/.irssi/config und setzen an deren Ende die Zeilen:
keyboard = (
{ key = "meta2-P"; id = "command"; data = "nicklist scroll -3"; },
{ key = "meta2-Q"; id = "command"; data = "nicklist scroll +3"; }
);Das angeführte Beispiel bindet [F1]und [F2]. Wollen Sie andere Tasten belegen, verrät Ihnen eine Tabelle [6] die korrekten Bezeichnungen für die verschiedenen Funktionstasten.
Tipps & Tricks
Es gibt noch weitere Tricks und Kniffe, um Irssi besser an Ihre Bedürfnisse anzupassen. Eine fast vollständige Liste möglicher Einstellungen hält das deutschsprachige Wikibook zu Irssi bereit [7] (Abbildung 4). Auch ein Durchforsten der Irssi-Skripte [4] lohnt sich. Über sehr nützliche bis hin zu eher verspielten Skripten, werden sie dort zu allen nur erdenklichen Themen fündig.
Sehr hilfreich ist, dass Irssi in einem screen-Fenster läuft. Einmal unter X gestartet, bleibt es auch dann noch im Hintergrund, wenn das Terminalfenster versehentlich oder absichtlich (z.B. durch Beenden von KDE/Gnome) geschlossen wurde. Da sich die Bedienung von screen aber recht umständlich gestaltet, hilft die Zeile
alias irssi='if pgrep irssi;then screen -x irssi;else screen -S irssi irssi;fi'
weiter. Schreiben Sie den so geschaffenen Alias-Befehl am besten in die .bashrc in Ihrem Home-Verzeichnis. Er bewirkt, das Irssi in einem Screen-Fenster gestartet wird und kontrolliert bei erneutem Aufruf von Irssi, ob der Client nicht eventuell schon läuft. Sollte Irssi bereits aktiv sein, wird dadurch die aktuelle Sitzung einfach fortgeführt.
Sehr lange Befehle mit vielen Optionen und Parametern kürzen Sie unter Irssi ab. Man unterscheidet zwei Arten von Befehlen: Solche, die Sie häufig aber unregelmäßig benötigen und Befehle, die Irssi beim Betreten des Servers automatisch ausführt. Letztere lassen sich ohne Probleme mit der Option autosendcmd einrichten. Solch einen Befehl nutzt man beispielsweise, um den eigenen Nickname bei Nickserv (siehe Artikel S. 52) anzumelden. Fügen Sie diese Option mit dem Befehl
/ircnet add -autosendcmd "/^msg nickserv identify Passwort ; wait -freenode 2000" freenode
ein. Der Befehl meldet Sie beim Service Nickserv des Netzwerkes Freenode an.
Anders verhält es sich mit unregelmäßig, aber häufig verwendeten Befehlen: So wird zum Beispiel das Wegschicken oder Zurückholen des ChanServ-Bots – des automatischen Kanalwächters – mit dem Befehl /msg chanserv set <§§i>#Raumname<§§i> guard off für eilige Gemüter zu einer ermüdenden Angelegenheit. Binden Sie solche Befehle über /alias an einen kürzeren Parameter, indem Sie
/alias BOTOFF "msg chanserv set #raumname guard off"
eingeben. Nun sollte ein einfaches /botoff genügen, um sich vom Channel-Wächter zu befreien.



