Grafische Alternative

Falls Sie zu den notorischen Kommandozeilenmuffeln zählen: Für das Erstellen von Regexen gibt es auch ein grafisches Helferlein gibt, das Erleichterung verspricht. Das Programm heißt kregexpeditor, einen Screenshot sehen Sie in Abbildung 2.

Vorab sei allerdings klargestellt, dass der zu investierende Lernaufwand sich durch kregexpeditor nicht vermindert: Ob Sie nun lernen, dass [...] eine Zeichenklasse ist, oder sich den entsprechenden Knopf im Editor einprägen, macht kaum einen Unterschied. Beide Informationen erfordern ähnlich viel Speicherplatz ihres Gehirns; die Kommandozeilen-Variante stellt zudem die kompatiblere Version dar. Wenn Sie aber auf einen Regulären Ausdruck treffen, den Sie nicht verstehen, hilft das Programm oft weiter: Es kann den Regex grafisch darstellen und macht ihn so wesentlich übersichtlicher.

Abbildung 2: Der KDE Regex-Editor "kregexpeditor".

Ausblick

Ein so kurzer Artikel wie der vorliegende kann das umfangreiche Feld der Regulären Ausdrücke nur am Rand streifen. Er hat Ihnen aber einen ersten Überblick über Reguläre Ausdrücke vermittelt, den Sie mit etwas Übung weiter ausbauen können. Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Metazeichen finden Sie in Tabelle 1.

Tabelle 1: Grundlegende Regex-Metazeichen

[...] beliebiges Zeichen aus der Liste
^ Position am Zeilenanfang
$ Position am Zeilenende
[^...] beliebiges Zeichen nicht aus der Liste
. Irgendein Zeichen
| oder in Alternationen
() geben die Reichweite von | an
* beliebige Anzahl (auch Null)

Erste etwas umfangreichere Suchen mittels egrep sollten nun kein Problem mehr für Sie sein. Falls Sie also schon immer mal herausbekommen wollten, wie viele Verbalinjurien die Programmierer des Linux-Kernels in die Quelldateien geschrieben haben, wissen Sie nun, dass Sie

cd /usr/src/linux
egrep -ir '(fuck|shit)' *

eingeben könnten. Wenn Sie bei der Ausgabe ein asiatischer Hardware-Hersteller stört, wissen Sie, dass Sie noch etwas am Regex feilen müssen.

Die Möglichkeiten der Regexe sind vielleicht nicht unbegrenzt, aber doch ziemlich weitreichend – insbesondere in Verbindung mit einer Programmiersprache. Entsprechende Beschreibungen können ganze Bücher füllen, so etwa auch das hervorragende Werk von Jeffrey Friedl[3]. Sehr gute Einführungen bekommen Sie aber auch in jedem besseren Buch zu Perl. Das könnte allein schon ein Grund sein, mit dem Erlernen dieser mächtigen Sprache anzufangen. Zu den besonders gut lesbaren Büchen zählt dieser Art zählt die Perl-Einführung von Schwartz und Phoenix [4]. Der Perl-Klassiker von Larry Wall [1] fand eingangs bereits Erwähnung. Falls Sie während der Lektüre unserer Einführung in die trockenen Regulären Ausdrücke etwas Begeisterung tanken konnten, w[üe]rden wir uns sehr darüber freuen.

Infos

[1] Larry Wall et al., Programmieren mit Perl (3. Aufl.), O'Reilly, Köln 2001

[2] Informationen zu Egrep: http://regex.info

[3] Jeffrey E. F. Friedl, Reguläre Ausdrücke (2. Aufl.), O'Reilly, Köln 2003

[4] Randal L. Schwarz, Tom Phoenix, Einführung in Perl (3. Aufl.), O'Reilly, Köln 2002

Der Autor

Martin Möller hat in Hamburg Ev. Theologie und klassische Philologie studiert. Mit Linux (Debian) beschäftigt er sich seit Kernel 1.2.13. Seit einigen Jahren verwendet er mit Begeisterung auch FreeBSD.

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