Seitenstrickmaschinen
HTML-Editoren
NVU 1.0PR
Auf der Basis von Composer entwickelte der Linux-Distributor Linspire den eigenständigen HTML-Editor NVU. Nach dem absehbaren Tod für Mozilla wird es in Zukunft der wohl einzige ernsthafte WYSIWYG-Editor unter Linux sein. Zum Redaktionsschluss aktuell war das Preview auf die kommende Version 1.0, mit dessen Erscheinen die in SuSE Linux 9.3 enthaltene Version 0.80 obsolet wird. Ein Update ist jedoch denkbar einfach: Laden Sie das passende Archiv für Linux herunter, entpacken es und starten das Programm nvu.
Dem Hauptfenster merkt man seine Herkunft noch deutlich an - es wirkt wie ein aufgebohrter Composer. So verwundert es nicht, dass NVU ebenfalls die vier Ansichten kennt. Diese haben jedoch einiges dazu gelernt. Beispielsweise versteht sich der Quelltexteditor nun auf Syntax-Highlighting, während alle anderen Ansichten die aktuellen Maße der Seite am linken und oberen Rand einblenden. Die meisten Dialogfenster wurden erweitert und teilweise sogar komplett umgestaltet. So kann man nun eine Tabelle schnell durch entsprechendes Aufziehen mit der Maus einfügen. Darüber hinaus spendierten die Entwickler einen CSS-Editor, der ähnlich komfortabel wie der von Quanta arbeitet.
Neben der Validierung kann NVU den Quelltext säubern. Dabei wird die Seite auf kosmetische Probleme überprüft. Auf diese Weise wandern beispielsweise überflüssige <br> Anweisungen ins Nirvana. Dies ist insbesondere dann nützlich, wenn man einer bereits bestehende Seite den letzten Schliff verpassen möchte.
Die Projektverwaltung lässt in NVU noch zu wünschen übrig. Lediglich am linken Rand gibt es eine so genannte Seitenverwaltung, die jedoch mehr einem erweiterten Dateimanager gleicht.
Analog zu Firefox lässt sich NVU durch Erweiterungen und Themes aufbohren (Abbildung 16). Sie stehen auf der Seite http://nvuext.mozdev.org bereit. Dort gibt es auch zusätzliche Wörterbücher für die integrierte Rechtschreibprüfung.
Die Hilfe ist sehr ausführlich, vollständig in Deutsch und zählt zu den Besten im Testfeld.
Amaya 0.91
Der vom W3C betreute (X)HTML-Editor Amaya ist in der aktuellen Version vollständig auf XHTML und XML ausgerichtet, versteht aber auch noch die alten Standards. Einigen Distributionen liegt er von Haus aus bei, was unter SuSE Linux seit neustem jedoch nicht mehr der Fall ist. Beim Download ist Vorsicht geboten, da das fertige RPM-Paket nur unter Red Hat, bzw. Fedora arbeitet. Im Gegensatz zur Konkurrenz hält sich Amaya penibel an die W3C-Standards, was vielleicht auch dazu führte, dass unsere LinuxUser-Homepage etwas zerpflückt dargestellt wurde.
Die Bedienung der Oberfläche geriet etwas eigenwillig. So öffnet Amaya beispielsweise für jede angeforderte Ansicht ein eigenes Fenster. Dabei existieren neben der WYSIWYG-Ansicht noch je eine für den Quelltext und die Seitenstruktur, eine alternative Textbrowser-Darstellung (nützlich bei einer Überprüfung der Seite auf Barrierefreiheit) und abschließend noch eine Liste aller Links. Dabei werden die Ansichten nicht immer automatisch aktualisiert. Erst ein Klick auf Synchronise stopft dann den aktuellen Fensterinhalt in die anderen.
Interessant ist, dass man per Mausklick ein Dokument in einen anderen XHTML-Standard überführen kann. Amaya passt dann selbstständig die Syntax im Hintergrund an. Ob das visuelle Ergebnis stimmt, muss man aber noch selbst prüfen.
Gegenüber anderen Editoren versteht sich Amaya auf die Behandlung von Annotationen. Das sind Anmerkungen, die Elementen oder Textstellen angefügt und später im Browser über den Klick auf ein entsprechendes Symbol angezeigt werden.



