Zeichen optimieren

Der Beispielfont veranschaulicht eines von vielen möglichen Problemen beim Schriftdesign: Er verwendet zu viele Kontrollpunkte für die Kontur. Allgemein sollte man eher wenige Punkte setzen, da sich durch die mathematischen Kurven auch komplizierte Verläufe einfach festlegen lassen.

Fontforge hilft auch in diesem Fall, indem es einen Umriss analysiert und überflüssige Punkte entfernt. Das passende Menü findet sich unter ElementSimplify. Wenn Sie die ersten Option Simplify wählen, reduziert Fontforge die Anzahl der Punkte erheblich (Abbildung 5).

Abbildung 5: Zuviele Kontrollpunkte verderben die Schrift (links). Fontforge reduziert ihre Anzahl auf das Nötige und vereinfacht damit die Zeichen (rechts).

Gefallen Ihnen die einzelnen Zeichen, können Sie je nach Anspruch noch das Kerning einstellen, um damit das Aussehen bestimmter Zeichenpaare zu verbessern. Dazu markieren Sie in der Tabelle mit Mausklick und Umschalt-Taste die beiden Zeichen und öffnen über das Menü DateiMetrics Window das passende Fenster (Abbildung 6).

Abbildung 6: Das Metrics-Fenster zur Anpassung der Laufweite (Kerning).

Das rechte Zeichen des Paars verschieben Sie durch Anklicken innerhalb seines eigenen Rasters. Der Menüpunkt MetricsCenter in Width zentriert das sichtbare Zeichen innerhalb der zur Verfügung stehenden Breite. Mit der grünen Linie passen Sie die Laufweite des Zeichens (Kern) an. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden, schließen Sie das Fenster wieder.

Manuelle Anpassungen erfordern Schriften normalerweise, damit Sie auch stark verkleinert ansprechend aussehen. Dem Gesagten zum Trotz löst nämlich auch die Repräsentation der Fonts als mathematische Kurven nicht alle optischen Probleme: die verkleinerten Zeichen sind zwar theoretisch korrekt verkleinert, erscheinen aber hässlich und unausgewogen.

Um die Gestalt eines Zeichens zu erhalten, ist es oft besser, seine Bestandteile ungleichmäßig zu verkleinern, also zum Beispiel dickere größere Elemente mehr als kleine dünne. Für solche Fälle kennen die Font-Formate so genannte Hints (Hinweise), die dem Font-Renderer spezielle Anweisungen zur Verkleinerung geben, die von der Regel abweichen. Fontforge unterstützt den Schriftenautor durch eine Autohinting-Funktion (HintsAutoHint), die zwar nicht in allen Fällen fehlerfrei funktioniert, aber einiges an Handarbeit abnimmt. Bleibt nur noch, die generierten Hints zu überprüfen und an einigen Stellen von Hand nachzubessern. Die Fontforge-Dokumentation gibt einige Tipps [5] zu diesem komplexen Gebiet.

Für alle Schriftwünsche

Existierende Schriften zu verändern oder sogar eigene zu entwerfen, ist mit Fontforge kein Problem: Sein Funktionsumfang ist immens. Leider erscheinen durch die halbfertige Lokalisierung viele Menüpunkte in einem Gemisch aus Deutsch und Englisch. Davon abgesehen ermöglicht Fontforge selbst Einsteigern die Gestaltung individueller und interessanter Schriften.

Profis können mit Fontforge durchaus qualitativ hochwertige Schriften erzeugen, auch wenn es zum Beispiel das TrueType-Hinting nicht perfekt beherrscht. Das nötige, tiefgehende Wissen über Schriftgestaltung sowie die technischen Details von Fonts kann einem die Software jedoch nicht vermitteln. Die Link-Sammlung [6] leistet hier Starthilfe.

Infos

[1] Fontforge: http://fontforge.sourceforge.net

[2] Freie Fonts: http://www.acidfonts.com

[3] The ISO 8859 Alphabet Soup: http://czyborra.com/charsets/iso8859.html

[4] In fremden Zungen, Einführung in Unicode, Linux-Magazin 10/04, S. 118

[5] Truetype-Hinting: http://fontforge.sourceforge.net/ttinstrs.html

[6] Gute Sammlung von Typographie-Links: http://cgm.cs.mcgill.ca/~luc/fonts.html

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