Fetchmail und Getmail im Vergleich

Besserer Postbote

Als Standardprogramm fürs Abholen von E-Mail auf der Kommandozeile gilt bislang Fetchmail. Mittlerweile tritt das Tool Getmail als Konkurrent an, der das Original in vielen Punkten schlägt.

Mehrere Email-Accounts bequem zu nutzen, ist auch mit grafischen E-Mail-Clients kaum möglich. Zwar lassen sich dort für jede Adresse "Konten" einrichten, die der Benutzer aber meist von Hand durchsehen muss. Viele Anwender greifen deshalb zum Programm Fetchmail [1], das Mails von einem oder mehreren Servern abholt und sie ins lokale Mailsystem einspeist. Meistens landen sie dann in /var/spool/mail/Username, wo Mailprogramme wie Mutt, KMail oder Evolution sie ohne weiteres finden.

Kommandozeile oder Konfigurationsdatei

Die meisten Distributionen installieren Fetchmail standardmäßig. Fehlt es doch einmal, lässt sich das Programm mit dem Paketmanager leicht nachträglich einrichten. In der einfachsten Variante starten Sie das Programm nur mit einem Server als Parameter: fetchmail pop.gmail.com. Der Benutzername auf diesem Server ist dann identisch mit dem aktuellen Login, das Passwort fragt Fetchmail interaktiv ab.

Das Mail-Tool lässt sich mit einer Reihe von Parametern auf den eigenen Bedarf abstimmen. So werden die meisten Benutzer wohl E-Mail-Accounts besitzen, die anders lauten, als der Account auf dem heimischen Rechner. Da hilft die Option -u, hinter welcher der E-Mail-Benutzername folgt.

Der Parameter -p gibt das Mailprotokoll an, mit dem Fetchmail den Server kontaktiert, also IMAP oder POP3. Fehlt er, probiert das Tool die Protokolle selbst aus, was aber nicht immer funktioniert. Besser geben Sie hinter der Option -p selbst das richtige Protokoll an.

Folgende Zeile holt über POP3 vom Server pop.gmail.com E-Mail mit dem Benutzernamen otto ab. Zusätzlich sorgt --ssl für eine verschlüsselte Verbindung, die der Gmail-Zugang voraussetzt.

fetchmail -p POP3 -c --ssl -u↩
 otto pop.gmail.com

Bei der Fehlersuche weist -v Fetchmail an, alle Aktionen im Detail zu protokollieren. Mit --syslog gelangen alle Ausgaben in die systemweite Logdatei. Alternativ gibt -L ein beliebiges anderes Logfile an. Auch -c ist praktisch, denn damit sieht das Tool nur nach neuer Mail, ohne sie gleich herunterzuladen.

Test und Logging

Mit der Option -k belässt Fetchmail alle Mails auf dem Server, wenn Sie über POP3 darauf zugreifen. Andernfalls löscht Fetchmail auf dem Server alle abgeholten Mails. Sinnvoll ist diese Variante natürlich auch, wenn Sie häufig an unterschiedlichen Orten arbeiten und und deshalb alle Mails auf dem Server behalten möchten. IMAP-Benutzer geben mit -r das Mailfach an, das Fetchmail überprüft. Mehrere Mailfolder werden dabei durch Kommata getrennt.

Haben Sie alle Einstellungen beisammen, können Sie sie in die Konfigurationsdatei ~/.fetchmailrc schreiben, die das Programm beim Start liest. Leider heißen die entsprechenden Schlüsselwörter für die Datei anders als die Kommandozeilenoptionen. Zum Beispiel steht dort proto für den Parameter -p. Eine Datei, die dem obigen Beispiel entspricht, sieht so aus:

poll pop.gmail.com
with protocol POP3
with ssl
with keep
username otto

Damit Fetchmail die Datei auch benutzt, müssen die Rechte stimmen, die Sie mit chmod go-rwx .fetchmailrc anpassen. Fetchmail hilft dabei, die Konfigurationsdatei zu schreiben: Dazu rufen Sie das Tool mit --configdump zusätzlich zu den korrekten Parametern auf. Das resultierende File lässt sich allerdings nicht direkt verwenden, sondern nur mit dem Editor fetchmailconf, der in den meisten Installationen fehlt.

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    Clipboard-Verwalter CopyQ 2.4.5, Datenbank-Manager LazSQLX 4.0.1.1232, schlanker Bildbetrachter Lumee 0.3, Konsolen-Mailclient Mpop 1.2.2
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    Das Programm fetchmail holt Post von Mail-Accounts ab und sortiert die Mails in Postfächer auf dem eigenen Rechner oder gibt sie an den lokalen Mail-Server weiter. Es "spricht" u. a. POP3 und IMAP und kann dabei auch noch mit Verschlüsselung per SSL oder ssh umgehen.
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