Fehlersuche

Die meisten Rechner erreichen und verlassen den APM-Suspend-Modus problemlos. Ist dem nicht so, kann das an einzelnen Kernel-Modulen liegen. Um das zu erkunden, lassen Sie sich als root mit dem Befehl lsmod alle geladenen Module anzeigen und entfernen Sie sie nach und nach mit rmmod Modulname. Nach jedem entfernten Modul probieren Sie, ob Suspend nun funktioniert.

Benutzer mit weitreichender Erfahrung haben zudem die Option, ihr BIOS zu aktualisieren. Bei Markenherstellern, die baugleiche Laptops über lange Zeit verkaufen, stehen die Chancen gut, hierdurch eine Verbesserung zu erzielen.

Manche Notebooks bieten zudem die Möglichkeit, den APM-Hibernate-Modus (Ruhezustand) an Stelle von Suspend zu verwenden (Kasten 1).

Kasten 1: Hibernate mit APM

Einige IBM Thinkpads, nämlich die mit einem Phoenix NoteBIOS, verfügen über ein besonderes Feature: Hibernate, auch Ruhezustand genannt. APM Hibernate funktioniert ähnlich wie Suspend. Der Unterschied liegt darin, dass das BIOS die Daten aus dem Arbeitsspeicher auf eine spezielle Partition schreibt. Dann schaltet sich das Notebook komplett aus und verbraucht keine Energie mehr, nicht einmal für den RAM. Beim Aufwachen lädt es dann die Daten von der Festplatte wieder in den Speicher.

Dazu benötigt APM Hibernate eine eigene primäre Partition die etwa 30 MByte grösser als der Arbeitsspeicher ist, sowie eine eigene Software. Da ein PC auf einer Festplatte nur vier primäre Partitionen verwenden kann, sollte man darauf schon bei der Installation des Betriebssystems achten. Ansonsten ist Nacharbeit mit einem Partiotionierungswerkzeug wie QtParted [3] nötig.

Haben Sie eine neue primäre Partition erstellt, führen Sie das Programm cfdisk aus. In der Partitionsliste wählen Sie mit den Pfeiltasten die erstellte Partition aus und wählen Sie über den Punkt [ Type ] den Typ 16 (Hidden Fat16). Anschließend schreiben Sie die Änderung mit [ Write ] auf die Festplatte.

Abbildung 3: Der Typ einer Hibernate-Partition ist "Hidden FAT16".

Nach einem Neustart legen Sie auf der neuen Partition ein FAT16-Dateisystem an und mounten Sie die Partition – in unserem Beispiel /dev/hda3.

mkfs.msdos /dev/hda3
mount -t vfat /dev/hda3 /mnt

Zum Erstellen der Hibernate-Datei benötigen Sie das Programm tphdisk [4] von der Heft-CD. Zum Kompilieren benötigen Sie den gcc-Compiler aus dem gleichnamigen Paket Ihrer Distribution. Aus dem Quell-Code erzeugen Sie nun das ausführbare Programm tphdisk:

gcc tphdisk.c -o tphdisk

Mit tphdisk legen Sie jetzt die benötigte Hibernate-Datei /mnt/save2dsk.bin auf der zuvor angelegten Partition an, als Parameter verwenden Sie die Größe der Partition in MByte. Diese erfahren Sie mit dem Befehl df -h.

./tphdisk 398 > /mnt/save2dsk.bin

Weiterhin benötigen Sie das Kernel-Modul thinkpad. Der Linux-Kernel enthält es im Standard zwar nicht, aber Suse und Mandrake liefern einen entsprechend erweiterten Kernel aus.

Unter Debian kompilieren Sie das Modul selbst: Installieren Sie das zu Ihrem Kernel gehörige kernel-headers-Paket sowie das Paket thinkpad-source. Dann wechseln Sie ins neue Verzeichnis /usr/src/kernel-headers-XXX und starten make-kpgk modules. Das generiert ein neues Paket /usr/src/thinkpad-modules-XXX.Custom.deb, installieren Sie es mit dpkg -i /usr/src/thinkpad-modules-XXX.Custom.deb. Der Befehl depmod -a liest die neuen Module ein, damit sie zum Gebrauch bereitstehen.

Suse lädt das Modul dann bei Bedarf automatisch, unter Mandrake und Debian geben Sie dazu den Befehl modprobe thinkpad ein. Um dies beim Start der letzteren beiden Distributionen automatisch zu erledigen, tragen Sie in der Datei /etc/modules in einer neuen Zeile thinkpad ein.

Hibernate nutzen Sie dann mit dem Programm tpctl aus dem gleichnamigen Paket. tpctl --px zeigt die über das Power-Management verfügbaren Informationen an. Mit tpctl -H wechseln Sie, als root ausgeführt, in den Hibernate-Zustand. Denselben Effekt hat die Tastenkombination [Fn+F12].

ACPI – ein Sorgenkind

Der Hauptgrund, dass sich ACPI zum neuen Standard aufgeschwungen hat, sind seine vielfältigen Möglichkeiten. Neben dem Energiesparen ist es zuständig für die Anzeige von Systemdaten wie der Prozessortemperatur und die Konfiguration von Hardware, darunter die automatisierte Steuerung des Lüfters. Mittlerweile haben einige PC-Hersteller APM komplett verbannt, so dass Benutzer nicht mehr die Wahl zwischen den beiden Systemen haben. Manche Laptops verweigern gar die Arbeit mit einem Betriebssystem ohne ACPI-Unterstützung. Dank der besseren Konfigurationsmöglichkeiten verbraucht ein funktionierendes ACPI-System auch weniger Strom. Es bietet also deutliche Vorteile gegenüber APM.

Die größere Funktionsvielfalt von ACPI stellt die Linux-Entwickler jedoch vor Probleme; vor allem weil viele Hersteller die ACPI-Spezifikationen nicht genau einhalten. Dadurch lassen sich auch die unter Linux bereits implementierten ACPI-Funktionen nicht mit jeder Hardware verwenden.

Das ACPI4Linux-Projekt [5] arbeitet seit dem Jahr 2001 an der Unterstützung von ACPI unter Linux. Auf der Homepage des Projekts befinden sich viele Anleitungen und ein Wiki (Abbildung 2) zum Austausch von Erfahrungen mit bestimmter Hardware. Zumdem gibt es auf der Seite eine "Blacklist" gänzlich inkompatibler Laptops.

Abbildung 2: Das ACPI4Linux-Wiki zeigt Fehler- und Erfolgsmeldungen.

Wie APM verfügt auch ACPI über einen Suspend-Modus. Die Spezifikation definiert sogar mehrere verschiedene Energiesparmodi, sie bezeichnet diese als S1 bis S5. Der Zustand S3 entspricht der Methode, alle Daten bis zum Aufwachen im Arbeitsspeicher zu verstauen und die restliche Hardware auszuschalten. S4 speichert wie APM-Hibernate die Daten statt im RAM auf der Festplatte und S5 beschreibt den ausgeschalteten Zustand.

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