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DVD-Authoring unter Linux

Geschnitten und geröstet

Video-DVDs mit Linux zu schreiben, war lange ein großes Problem. Einige Tools schicken sich nun an, diese Lücke zu schließen. Q-DVD-Author ist dafür ein schon recht brauchbares Frontend.

Endlich geschafft: Das etwas langatmige Video vom letzten Sommerurlaub ist durch wochenlange Arbeit mit der Schnittsoftware zu einem kleinen und unterhaltsamen Film gereift. Aber was nun? Um modernen Ansprüchen gerecht zu werden soll das Werk also auf DVD gebrannt werden, am besten mit Menü, Kapitelanwahl und allem, was eine Video-DVD im Handel mitbringt.

Direkt mit üblichen Brennprogrammen geht das aber nicht, denn die erwarten statt einfacher Filme spezielle Formate für Film und Dateisystem und eine komplexe Menüstruktur. Deshalb braucht man Software für das so genannte DVD-Authoring. Kasten 1 beschreibt für Interessierte etwas detaillierter alles Wissenswerte zum Videoformat von DVDs.

Kasten 1: Video-Format von DVDs

Time Warner, Toshiba, Sony und Philips einigten sich 1995 auf einen gemeinsamen Video-DVD-Standard um die massive Formatstreitereien wie bei Videorekordern zu verhindern. Der Standard schreibt zwar eine feste Struktur vor, läßt aber verschiedene Kombinationen von Ton- und Videoformaten zu.

Als DVD-fähiges Material wird im Normalfall ein MPEG2-Videostrom angesehen. Wichtig ist dabei, dass die Bildwiederholfrequenz, die Auflösung und (wenn eine Audiospur vorhanden) das Tonformat beachtet wird. In Europa herrscht bei der Auflösung und Bildwiederholung das PAL-Verfahren vor, das dem üblichen TV-Standard entspricht. In Japan und den USA ist normalerweise fast ausschließlich das etwas ältere NTSC und das neue HDTV zu finden (siehe Kasten 2). Als Tonformat wird PCM, MPEG2-Audio, DTS und Dolby Digital/AC3 angeboten. Hobbyfilmer nutzen meist einfaches MPEG2-Audio mit Stereoton.

Ein MPEG2-Strom wird durch vier sogenannte Profile definiert, die die Qualität und Art der Bildfolge widerspiegelt. Für eine PAL-DVD wird das MainLevel-Profil verwendet. Dies bestimmt eine Auflösung von maximal 720x576 Bildpunkten, bei einer Bildwiederholungsfrequenz von 25 Vollbildern pro Sekunde. Eine NTSC-DVD verwendet hingegen eine Auflösung von 720x480 Bildpunkten bei einer Frequenz von 29,97 Hz.

Wer nur selbst eine Video-DVD schreiben will, braucht sich um diese Details normalerweise keine Gedanken zu machen. Die gängigen Schnittprogramme wie Kino oder MainActor bieten eine spezielle DVD-Exportfunktion an, die diese Standards einhält (siehe Abbildung 1). Wenn ein Film in einem Format vorliegt, das nicht mehr geschnitten werden muss aber auch nicht den DVD-Normen entspricht, so empfiehlt sich eine Umwandlung mittels Mencoder [1], FFmpeg [2] oder Transcode [3] (siehe auch den Artikel in diesem Heft).

Dateisystem-Struktur

Der Video-DVD-Standard schreibt neben dem Dateisystem (meist UDF-Bridge) auch die Namen und Pfade der verwendeten Dateien vor. Die Filme liegen in so genannten VOB-Dateien (Video Objects). In den VOB-Dateien sind die auszugebenden Inhalte wie Video, Audio und eventuelle Untertitel zusammen vermengt (gemultiplext). Dazu kommen noch IFO-Dateien, die Steuerinformationen wie die Kapitelanwahl enhalten. Zusätzlich sind noch BUP-Dateien (Backup) zur Sicherung der IFO-Inhalte vorhanden, denn DVDs sind wegen der höheren Datendichte wesentlich fehleranfälliger als normale CDs.

Die Dateien VIDEO_TS.VOB und VIDEO_TS.IFO teilen dem DVD-Abspielgerät mit, wo es mit der Wiedergabe beginnen soll. Detailliertere Informationen zur Dateistruktur und zum Aufbau der Files sind online im inoffiziellen "DVD Specification Guide" nachzulesen [4].

DVDauthor

Um von einer einfachen DVD-MPEG2-Datei zu einem vollständigen DVD-Image mit der beschriebenen Struktur zu kommen, gibt es unter Linux das Kommandozeilen-Tool dvdauthor. DVDauthor[5] ist fast immer der Ausgangspunkt, wenn es um das Erzeugen von DVD-Inhalten unter Linux geht. Alle bisher verfügbaren Authoring-Tools sind nur mehr oder weniger ausgereifte Front-Ends dafür. DVDauthor selbst bringt auch alle weiteren Tools zum Mastern mit, zum Beispiel ifogen zum Erstellen der passenden IFO-Dateien. Leider ist der Gebrauch von DVDauthor nicht gerade trivial. Zum Erzeugen der Inhalte benötigt es eine XML-Steuerdatei. Das Beispiel in Listing 1 ist eine einfache Steuerdatei für einen Film mit zwei Kapiteln, ohne Menü, Hintergrund, Direktanwahl und anderen Features.

Listing 1

Einfache DVDauthor Steuerdatei

<dvdauthor>
   <vmgm />
   <titleset>
      <titles>
        <pgc>
          <vob file="video1.mpg" />
          <vob file="video2.mpg" />
        </pgc>
      </titles>
   </titleset>
</dvdauthor>

Eine etwas komplexere Steuerdatei, die ein funktionsreiches Menü mit einigen gängigen Features beschreibt, kann schnell einige Kilobyte groß werden – verständlich, wenn man diese nicht mehr von Hand schreiben möchte. Wer dies dennoch tun will, findet auf der DVDauthor Web-Site die Dokumentation und Control-File-Tutorials [5].

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