Die Schlange macht Karamba
KDE-Hintergrund mit SuperKaramba und Python aufwerten
Die Grenzen des Schlangenreviers
So sehr die Einfachheit begeistert, mit der sich komplexe Aufgaben wie Drag & Drop in SuperKaramba lösen lassen – die Python-API weist neben zahlreichen weiteren Funktionen, die [5] dokumentiert, auch einige Unzulänglichkeiten auf. Das wohl größte Manko: Sensoren (siehe [1]) lassen sich nicht dynamisch erzeugen. Wollten wir in unser Theme ein Feature zum Umschalten zwischen verschiedenen Sensoren einbauen, könnten wir zwar Texte per Mausklick mit neuem Inhalt füllen, die dazugehörige Sensoranzeige jedoch nicht austauschen.
Dabei tritt ein weiteres Problem auf: Python vermag nur auf Elemente zuzugreifen, die auch mit Python erzeugt wurden. Soll ein Textelement als Umschalter dienen, muss es daher mit der Python-Funktion createText() erstellt worden sein. Texte, die die .theme-Datei definiert, kann die Python-API nicht manipulieren.
Kasten 1: Was ist Python?
Wer andere Programmiersprachen bevorzugt, mag sich darüber ärgern, extra für SuperKaramba eine weitere neu lernen zu sollen. Doch für Programmiernovizen hat Python als universell einsetzbare Sprache durchaus seinen Reiz. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Python drei wesentliche Programmierparadigmen in sich vereinigt: Python lässt sich objektorientiert einsetzen wie C++ oder Java, prozedural wie Pascal oder C und ist gleichzeitig eine Skriptsprache wie PHP oder Perl, die auf einen separaten, vom User extra anzustoßenden Kompiliervorgang verzichtet. Sie unterstützt u. a. Mehrfachvererbung, kann mit Datenbanken gekoppelt werden, auf Netz-Protokolle zugreifen und multithreaded programmiert werden.
Ähnlich wie Java wird Python-Quellcode zuerst mittels eines Compilers in sogenannten Bytecode überführt, den man im SuperKaramba-Theme-Verzeichnis in einer automatisch erzeugten Datei mit der Namensendung .pyc vorfindet. Diesen führt eine virtuelle Maschine dann aus. Verglichen mit Java-Bytecode geht das bei Python aber wesentlich schneller.
Wenn man von einer anderen Programmiersprache zu Python wechselt, muss man sich zunächst an eines gewöhnen: an die Definition zusammenhängender Blöcke. Einen solchen Block bilden zum Beispiel Anweisungen, die ausgeführt werden, wenn eine Bedingung erfüllt ist. In C setzt man diese in geschweifte Klammern, bei der Shell-Programmierung mit der Bash endet der Anweisungsblock einer if-then-Anweisung mit fi, und in Pascal kommen die Stichwörter begin und end zum Einsatz. Python nutzt überhaupt nichts davon: an Stelle einer separaten Markierung rückt man zu einem Block gehörende Anweisungen gemeinsam ein.
Zwei aufeinanderfolgende Zeilen mit derselben Einrückungstiefe gehören also zu einem Block; beginnt hingegen die zweite Zeile einige Leerzeichen weiter links als die erste, gehört sie nicht mehr dazu. Eine neue Ebene beginnt jeweils nach einem Doppelpunkt, wie die Listings zeigen: Alle gleich weit eingerückten Anweisungen im Anschluss an eine def-Zeile gehören zur Definition dieser Funktion.
Dummerweise fordert Python wenigstens eine Funktion pro Ebene. Daher steht in der Vorlagedatei an Stelle eines "leeren" Blocks die Funktion pass. Sie macht bei der Ausführung des Programms einfach nichts und dient lediglich als Platzhalter, damit die entsprechende Ebene in der richtigen Einrücktiefe besetzt ist.
Der Trick mit den Einrückungen sorgt einerseits dafür, dass Python-Code immer gut strukturiert aussieht und somit – im Gegensatz zu diversem Code in anderen Programmiersprachen – übersichtlich und leicht lesbar ist. Er kann aber gerade bei den ersten Schritten zu Verzweiflung führen, weil eine Funktion durch falsche Einrückungstiefe plötzlich nicht mehr zum gewünschten Block gehört. Achten Sie daher beim Nachprogrammieren der Beispiele und beim Entwerfen eigener Erweiterungen stets darauf, dass Sie Ihre Anweisungen korrekt einrücken!
Der Autor
Hagen Höpfner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Technische und Betriebliche Informationssysteme der Fakultät für Informatik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Was er dort so alles treibt, kann http://wwwiti.cs.uni-magdeburg.de/~hoepfner/ entnommen werden. In seiner Freizeit spielt der begeisterte Vater Gitarre in der Rockband "Gute Frage" (http://www.gutefrage.de/).
Glossar
API
Eine Anwendungsprogrammschnittstelle (engl.: Application Programming Interface) definiert eine Menge von Funktionen innerhalb einer Software, die von anderen, in einer vorgegebenen Programmiersprache geschriebenen Programmen aufgerufen werden können. In unserem Fall dürfen in Python geschriebene Applikationen Funktionen benutzen, die in SuperKaramba implementiert sind.
stdout
Der Standardausgabe-Kanal legt fest, wo Linux-Applikationen ihre Textausgabe hinsenden. Typischerweise geht die auf dem Bildschirm. Man kann sie aber beispielsweise auch in eine Datei umleiten oder einem Drucker übergeben. Linux bietet neben Stdout noch einen Stderror-Kanal für die Fehlerausgabe, der ebenfalls mit dem Bildschirm gekoppelt ist, und den Stdin-Kanal für die Eingabe, der diese standardmäßig über die Tastatur entgegennimmt.
Widget
Sammelbegriff für alle Bedienelemente einer grafischen Oberfläche. Umfasst u. a. Fenster, Knöpfe, Menüs, Checklisten und Karteireiter.
globalen Variablen
Im objektorientierten Programmierparadigma werden Funktionen und Variablen klassischerweise in Objekten gekapselt. Fasst man beispielsweise die Eigenschaft "Farbe eines Knopfes" als Variable auf, so kann man auf diese Weise recht einfach mehrere Knöpfe mit unterschiedlichen Farben erzeugen, da die Variable direkt im Objekt "Knopf" gespeichert wird. Globale Variablen gelten hingegen programmweit. Legt man die Knopffarbe global mit Grün fest, sind alle anschließend erzeugten Knöpfe grün.
multithreaded
Normalerweise kann ein Programm immer nur eine Aufgabe zur Zeit lösen. Muss es beispielsweise darauf warten, dass eine Datei geöffnet wird, kann es nichts anderes tun. Threads (englisch für "Fäden") erlauben es, mehrere Aufgaben nebeneinander abzuarbeiten. Statt auf die zu öffnende Datei tatenlos zu warten, arbeitet multithreaded programmierte Software in der Zeit an einem anderen Thread weiter.
Infos
[1] SuperKaramba-Einführung: Hagen Höpfner, "Karamba auf dem Desktop", Linux User 12/2003, S. 56 ff., http://www.linux-user.de/ausgabe/2003/12/056-superkaramba/
[2] SuperKaramba: http://netdragon.sourceforge.net/
[3] Erste Schritte mit Python: http://www.python.org/doc/Intros.html
[4] Beispiel-Theme: http://wwwiti.cs.uni-magdeburg.de/~hoepfner/download.html
[5] SuperKaramba-Python-API-Dokumentation: http://netdragon.sourceforge.net/api.html
[6] SuperKaramba-Python-Vorlage: http://netdragon.sourceforge.net/template.py
[7] Deutsche SuperKaramba-Python-Vorlage: http://wwwiti.cs.uni-magdeburg.de/~hoepfner/download/template_deutsch.py
[8] Python-Funktionen zur Bearbeitung von Zeichenketten: http://www.python.org/doc/2.3.3/lib/module-string.html
[9] Schleifen und Bedingungen in Python: http://www.python.org/doc/2.3.3/ref/compound.html
[10] Python Library Reference: http://www.python.org/doc/2.3.3/lib/lib.html



