Da können die MP3-Dateien noch so säuberlich in Verzeichnisse sortiert sein, die den passenden Band-Namen tragen, eine Ebene darunter wie die Platten heißen und im Dateinamen den Songtitel preisgeben – wo Menschen von sich aus das Ordnungsprinzip erfassen, streikt die Technik: Die Titelanzeige des MP3-Players bleibt so lange leer, wie er die Informationen nicht direkt und standardisiert aus der MP3-Datei selbst erfährt.
out of the box
Es gibt tausende Tools und Utilities für Linux. "out of the box" pickt sich die Rosinen raus und stellt pro Monat ein Progrämmchen vor, das wir für schlichtweg unentbehrlich oder aber zu Unrecht wenig beachtet halten.
Der Trick dabei nennt sich ID3-Tags. Das sind Zusatzinformationen, die – je nach Version – vor oder nach den Musikdaten in die MP3-Dateien hineingeschrieben werden. Im Verbund mit der Bibliothek id3lib [3] kommt man zu zuverlässigen Helferlein, die diese Aufgabe übernehmen.
Die Bibliothek unterstützt sowohl den älteren Standard ID3v1 als auch die neuere Version ID3v2. Wer selbsterstellten MP3-Dateien [1] mehr Informationen als Interpret, Songname und Albumtitel mitgeben will (Tanzbegeisterte interessiert vielleicht, ob es sich um einen Cha-Cha-Cha oder Wiener Walzer handelt), greift zu den Tags der Version 2. Sie lassen beliebige Daten (Weblinks oder sogar Bilder) zu.
Bei der id3lib legen die Entwickler um den Initiator Dirk Mahoney besonderen Wert auf die genaue Umsetzung der Spezifikationen. Dies fällt im täglichen Einsatz immer wieder positiv auf: Weder an kaputten MP3-Dateien noch an illegalen Tags und anderen Hindernissen scheitert die Software, die der LGPL unterliegt. Ihr Hauptbestandteil, die Bibliothek libid3, kommt auch in anderen Projekten, etwa den beiden Ripper-Programmen grip [1] und der Windows-Software MusicMatch, zum Einsatz.
Zum "Stempeln" der MP3-Dateien dient das mitgelieferte Tool id3tag; id3info zeigt alle gesetzten Tags an, id3convert konvertiert zwischen ID3v1 und ID3v2, und das vierte Zusatzprogramm, id3cp, kopiert die Tags von einer Datei auf eine andere.
Installation kurz und bündig
Benutzer eines aktuellen Red Hat Linux oder der Fedora-Core-Distribution (siehe Seite 28 f.) finden auf der Heft-CD bereits ein vorgefertigtes Binärpaket, das sie mit
rpm -ivh id3lib-3.8.3-1.i386.rpm
als root auf der Kommandozeile installieren. Liefert Ihr Distributor kein id3lib-Paket mit, besteht natürlich die Möglichkeit des Quellcode-Eigenbaus nach Hausmacher Art:
tar xzf id3lib-3.8.3.tar.gz cd id3lib-3.8.3 ./configure make su make install
Zeig Deine Stempel!
Welche ID3-Tags vorhandene MP3-Dateien unter Umständen schon enthalten, verrät id3info. Mit einem oder mehreren Dateinamen aufgerufen gibt das Programm alle gesetzten Tags, deren Inhalte sowie die Bitrate der Aufnahme aus (Abbildung 1). Diese Informationen liefern auch fast alle gängigen MP3-Player. So zeigt xmms mit der Tastenkombination [Strg-3] die gesetzten ID3-Tags an (Abbildung 2).
Wer eine neue, bessere Version einer MP3-Datei erzeugt hat, überträgt die Tags der alten Datei mit
id3cp Datei_alt.mp3 Datei_neu.mp3
auf die neue. Darauf beschränken sich die Anwendungsmöglichkeiten dieses Tools allerdings, denn einzelne Tags (etwa Interpret und Albumtitel) von einem File auf ein anderes zu kopieren, geht nicht.



