Die wichtigsten Frontends

Um xine benutzen zu können, brauchen Sie ein Frontend. Hier gibt es inzwischen ein reiches Angebot auf der Projekt-Homepage. Ein Urgestein ist xine-ui. Es wurde gemeinsam mit der Bibliothek entwickelt und ist heute noch das Standard-Frontend zur xine-lib.

Seit sich die Schnittstelle der xine-Bibliothek nicht mehr ständig ändert, entwickeln Programmierer viele andere Frontends – alle mit ihren Vor- und Nachteilen. Um Ihnen die Wahl zu erleichtern, seien hier die wichtigsten vorgestellt:

Abbildung 1: Als eines der ältesten Frontends steht dem Anwender xine-ui zur Verfügung.

Xine-ui (Abbildung 1) rufen Sie auf der Kommandozeile mit xine auf. Es läuft unter allen Betriebssystemen und Hardware-Architekturen, die die xine-Bibliothek unterstützt. Xine-ui arbeitet mit Skins und ermöglich Zugriff auf alle Features der Bibliothek.

Die Software ist nicht abhängig von Gui-Toolkits wie Gtk oder Qt, sondern setzt direkt auf Xlib auf. Das Frontend sichert seine Konfiguration in der Datei ~/.xine/config und merkt sich so beispielsweise den zuletzt benutzten Grafiktreiber.

Eine Alternative zu xine-ui ist gxine (Abbildung 2). Dieses Frontend benutzt Gtk 2 und fügt sich daher sehr gut in den GNOME-Desktop ein. Es ist intuitiv zu bedienen und bringt ein Mozilla-Plugin mit, um Streams aus dem Internet zu öffnen. Mediamarks, Playlisten sowie die Xine-Konfiguration sind unter ~/.gxine zu finden. Zur Zeit arbeiten die Entwickler an der Unterstützung von Windows-Media-Player-Skins.

Abbildung 2: gxine in Aktion

Das Programm Totem geht bei der GNOME-Integration noch einen Schritt weiter: Es integriert sich in den Datei-Browser Nautilus mit einem Menüpunkt und erweitert Nautilus um eine Thumbnail-Vorschaufunktion für Videodateien. Dazu benötigt dieses Frontend neben Gtk auch noch andere GNOME-2.2-Bibliotheken.

Tabelle 1: Die wichtigsten Tastenbelegungen der Frontends

Return Play
Leertaste Pause
Q Beenden
Esc Fullscreen-Modus verlassen
A Videobild-Seitenverhältnis einstellen
I De-Interlacer
Pfeil links 60 sec zurück
Pfeil rechts 60 sec vorwärts
Ctrl+Pfeil links 15 sec zurück
Ctrl+Pfeil rechts 15 sec vorwärts
Pfeil hoch schnellere Wiedergabe
Pfeil runter langsamere Wiedergabe (Zeitlupe)
0 An den Anfang springen
1-9 Nach 10%, 20%, … 90% springen
Page Up zum vorherigen Playlist-Eintrag springen
Page Down zum nächsten Playlist-Eintrag springen
Shift+Z ins Video hinein-zoomen
Z aus dem Video heraus-zoomen
T Snapshot vom Video machen und speichern

Fallstricke

xine spielt inzwischen ohne zusätzliche Plugins unverschlüsselte DVDs ab. Allerdings ist dazu auf manchen Systemen dennoch etwas Vorarbeit nötig. Zunächst sollten Sie einen symbolischen Link /dev/dvd anlegen, der auf die Gerätedatei des DVD-Laufwerks zeigt. Hier ist ein Beispiel für ein als Master am zweiten IDE-Controller angeschlossenes DVD-Laufwerk:

ln -s /dev/hdc /dev/dvd

Oft hilft ein Blick mit dem Programm dmesg in die Kernel-Log-Meldungen, um herauszubekommen, welches Block-Device dem DVD-Laufwerk entspricht:

guenter@wolverine:~$ dmesg | grep -i dvd
hdc: HITACHI DVD-ROM GD-2500, ATAPI CD/DVD-ROM drive
hdc: ATAPI 24X DVD-ROM drive, 512kB Cache, DMA

Schwieriger wird es auf Systemen, die die IDE-SCSI-Emulation benutzen (/proc/scsi/ide-scsi vorhanden). In diesem Fall bildet der Kernel die IDE-Devices auf SCSI-Devices /dev/scd@L: * ab, und der Anwender spricht diese an Stelle der IDE-Geräte an. Hier leistet das Programm cdrecord wertvolle Hilfe:

rai23:~# cdrecord -scanbus
Cdrecord 1.10 (i686-pc-linux-gnu) Copyright (C) 1995-2001 Jörg Schilling
Linux sg driver version: 3.1.22
Using libscg version 'schily-0.5'
scsibus0:
        0,0,0     0) 'TOSHIBA ' 'DVD-ROM SD-M1612' '1004' Removable CD-ROM
        0,1,0     1) 'ATAPI   ' 'CD-R/RW 20X10   ' 'H.BK' Removable CD-ROM

Auf diesem Rechner sprechen Sie das DVD-ROM Laufwerk als das erste SCSI-CD-Device an, also /dev/scd0. Entsprechend legen Sie den Link dann mit ln -s /dev/scd0 /dev/dvd an.

Als nächstes prüfen Sie mit hdparm, ob das DVD-Device im DMA-Modus angesprochen wird, und schalten diesen gegebenfalls ein. Andernfalls spielen auch aktuelle Rechner DVDs nicht flüssig ab:

rai23:~# hdparm /dev/hdc
 using_dma    =  0 (off)

In diesem Fall ist der DMA-Modus also nicht aktiviert. Aktivieren Sie ihn mit dem folgenden Kommando:

rai23:~# hdparm -d 1 /dev/hdc
/dev/hda:
 setting using_dma to 1 (on)
 using_dma    =  1 (on)

Wenn auf dem Rechner die IDE-SCSI-Emulation aktiv ist, sollte hdparm trotzdem auf das IDE-Device und nicht etwa auf das SCSI-Device angewendet werden.

Nehmen Sie den Aufruf von hdparm möglichst in ein Init-Skript auf, damit er bei jedem Boot-Vorgang ausgeführt wird. Bei Debian-Systemen bietet sich hierzu beispielsweise das Skript /etc/init.d/hwtools (apt-get install hwtools) an.

Nach dieser Vorarbeit spielt xine unverschlüsselte DVDs ab. Die meisten Frontends bieten dazu einen DVD-Button oder -Menüeintrag an, oder Sie starten das entsprechende Frontend einfach von der Kommandozeile, wie in diesem Beispiel gxine:

gxine dvd://

Der Aufruf kann bei anderen Programmen variieren. Klappt die DVD-Wiedergabe nicht, kann das mehrere Ursachen haben. Am wahrscheinlichsten ist, dass die DVD Region-kodiert und/oder verschlüsselt ist. Xine selbst prüft die Region zwar nicht, aber neuere DVD-Laufwerke (so genannte RPC-2-Laufwerke) unterbinden den Zugriff schon auf Firmware-Level, wenn die Region der DVD nicht mit der im Laufwerk eingestellten Region übereinstimmt.

Abhilfe schafft hier das Regionset-Utility von der Web-Seite http://www.linuxtv.org. Es ist als RPM-Paket beispielsweise unter [3] zu finden. Anwender einer nicht-RPM-basierten Distribution erhalten den Source-Tarball mit alien --to-tgz aus dem Source-RPM. Anschließend packen Sie das Programm mit tar xfvz [Tarball-Name] aus und kompilieren es mit einem einfach make-Aufruf.

Ein weiteres Hindernis sind verschlüsselte DVDs. Aus rechtlichen Gründen kann xine keinen Code zur Dekodierung des dort eingesetzten Content Scrambling System (kurz CSS) enthalten. Ist allerdings die libdvdcss vorhanden, sollten sich beliebige DVDs wiedergeben lassen. Beachten Sie hierbei aber die Lizenz- und Urheberrechtsbestimmungen (siehe auch Artikel zu Ogle). Das Entschlüsseln der DVD-Inhalte ist rechtlich problematisch.

Grundsätzlich können Sie in DVD-Menüs mit Hilfe der Maus, der Tastatur oder auch per Infrarot-Fernbedienung navigieren. Bei den meisten Frontends erfolgt die Navigation per Tastatur über die Tasten im Ziffernblock der Tastatur. Zusätzlich stehen die Funktionstasten [F1] bis [F3] zur Verfügung, um aus dem Film direkt in das DVD-Menü zurückzuspringen.

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