Prozesse im Überblick
out of the box: gPS
Mehr ist mehr
Über den Punkt Action / Details... gibt gps ausführlichere Informationen zum gewählten Prozess (Abbildung 3). Diese Informationen holt sich das Programm aus dem proc-Dateisystem, das auch Kommandos wie ps und top als Datenquelle dient.
Weitere Informationen liefert der Menüpunkt Action / Watch Process:half second polling im Hauptfenster. (Das Action-Menü in der Baumansicht kennt nicht alle der dort verzeichneten Unterpunkte.) Dieser zeichnet ein horizontal scrollendes Diagramm der aktuellen Speicher- und Prozessorauslastung für den gewählten Prozess. Auslastungsdaten für das gesamte System liefern die Menüpunkte View / CPU and memory usage... und View / CPU and memory usage per user.... Letzterer zeigt ein Stapeldiagramm, das visualisiert, wieviel Prozent des Speichers (Memory) und der Rechenleistung (CPU) einzelne Benutzer und Benutzergruppen verbrauchen.
Mittels Filter / Set filter... reduziert man die Listendarstellung auf Prozesse, die einem einstellbaren Kriterium genügen. Mit dem Filter aus Abbildung 4 zeigt gps nur noch Prozesse an, die mehr als 20 Prozent der Rechenleistung des Prozessors für sich beanspruchen. Leider lassen sich mehrere Kriterien nicht kombinieren. Über Filter / Clear filter schalten Sie die Filterung wieder aus.
Fern sehen
Anders als top oder ps kann gPS Prozesse von entfernten Rechnern zusammen mit den lokal laufenden anzeigen. Dazu bedient es sich des mitgelieferten Servers rgpsp. Zu dessen Installation wechseln Sie in einer Shell mit root-Rechten nochmal ins Quellverzeichnis gps-1.1.0 und geben dort make install_net_all ein. Neben dem eigentlichen Server-Programm landen das Init-Skript /etc/rc.d/init.d/rgpsp und die Konfigurationsdatei /etc/rgpsp.conf auf Ihrem System. Für Benutzer von Red-Hat-, Mandrake- und SuSE-Installationen sollte das genügen.
Debianer verschieben das Skript nachträglich mit dem Kommando mv /etc/rc.d/init.d/rgpsp /etc/init.d/rgpsp an die richtige Stelle. Nun gilt es, den Default-Runlevel Ihres Systems herauszufinden, um über das zugehörige Verzeichnis den rgpsp-Dienst automatisch beim Booten zu starten. Diesen entnehmen Sie der Zeile initdefault in der Datei /etc/inittab. Debian nutzt üblicherweise den Default-Runlevel 2; hier legen Sie also im Verzeichnis /etc/rc2.d einen symbolischen Link an. Beim Herunterfahren soll sich der Dienst ordentlich beenden, deshalb gehören entsprechende Links in die Verzeichnisse /etc/rc0.d und /etc/rc6.d:
cd /etc/rc2.d ln -s ../init.d/rgpsp S90rgpsp cd /etc/rc0.d ln -s ../init.d/rgpsp K10rgpsp cd /etc/rc6.d ln -s ../init.d/rgpsp K10rgpsp
Durch die Konfigurationsdatei /etc/rgpsp.conf regeln Sie den Netzzugriff auf den Server. In dieser Datei legen Sie die IP-Adressen der zugriffsberechtigten Rechner ab, eine Adresse pro Zeile. Alternativ erlauben Sie allen Rechnern den Zugriff, indem Sie eine mit einem einzelnen Stern @L: * gefüllte Zeile hinein schreiben – eine aus Sicherheitsgründen nicht empfehlenswerte Einstellung.
Um derart mit rgpsp ausgestattete Rechner fernzuüberwachen, wählen Sie im gps-Hauptfenster den Menüpunkt Network / Network watch.... Im daraufhin erscheinenden Fenster Network Watch Setup (Abbildung 5) erstellen Sie nun eine Liste der abzufragenden Rechner. Im Ergebnis zeigt gps wie in Abbildung 1 Prozesse des lokalen Rechners camera und des entfernten Rechners organizer gemeinsam an.
Über letztere fragen Sie Detailinformationen genau so ab wie über lokale Prozesse. Einzig Signale dürfen an sie aus Sicherheitsgründen nicht gesendet werden.
Wer es mit der Sicherheit richtig ernst nimmt, modifiziert im übrigen das Init-Skript dahingehend, dass der rgpsp-Server nicht mit root-Rechten startet. Dazu ersetzt man die Zeile $RGPSP durch su nobody -c $RGPSP.
Glossar
Rastergrafik
Auch Bitmap genannt: Oberbegriff für Grafikformate wie TIFF, JPG, PNG oder GIF, bei denen Informationen zu einzelnen Bildpunkten (Pixeln) abgelegt werden. Im Gegensatz dazu stehen Vektorgrafiken, die mathematische Beschreibungen geometrischer Formen enthalten und sich daher verlustfrei skalieren lassen.
Bibliothek
Dateien, die eine Sammlung nützlicher C- oder C++-Funktionen für bestimmte Zwecke enthalten. So gibt es etwa die libm, die mathematische Funktionen bereit stellt, oder die libXt, die Funktionen zur Programmierung des X-Fenstersystems enthält. Oft nutzen mehrere Programme eine Bibliothek gemeinsam ("shared").
Shell
Einer der wichtigsten Bestandteile jedes Unix-Systems – die kommandozeilengesteuerte Benutzerschnittstelle. Die Shell kann auch Textdateien mit darin verzeichneten Shell-Kommandos, so genannte Skripte, ausführen.
PID
Um auf einem Linux-System laufende Programme unterscheiden zu können, bekommt jeder Prozess eine eindeutige Identifikationsnummer zugewiesen, seine "Process ID".
Signale
Signale veranlassen Prozesse dazu, bestimmte Aktionen durchzuführen – allerdings nur dann, wenn dafür eine Signalbehandlungsroutine (ein Handler) existiert. So lesen viele Dienstprogramme ihre Konfiguration neu ein, wenn ihnen das Hangup-Signal SIGHUP geschickt wird. Signale zum Beenden von Prozessen sind SIGINT, SIGTERM und SIGKILL, wobei letzteres zum sofortigen Abbruch des Prozesses durch den Kernel führt.
Init-Skript
Ein Shell-Skript, das einen Dienst beim Booten bzw. beim Herunterfahren des Systems (genaugenommen beim Wechsel des Runlevels) startet oder stoppt. Mehr Informationen zu Runlevels und dem Systemstart bietet [1].
Runlevel
Ein Runlevel beschreibt einen Systemzustand, in dem vorher festgelegte Dienste laufen. Übliche Runlevels sind 2 bis 5 (normaler Multiuser-Betrieb mit oder ohne X), S oder 1 (Singleuser-Betrieb für Reparaturzwecke), 0 (System anhalten) und 6 (System neustarten).
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Zwei Punkte symbolisieren in der Shell das jeweils übergeordnete Verzeichnis.
Infos
[1] Marc André Selig: "Wie Linux sich die Stiefel anzieht", LinuxUser 12/2002, S. 26 ff.



