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Schweizer Messer des Videoschnitts

Workshop Kino

01.08.2003 Kino ist ein kleines, einfach zu bedienendes Schnittprogramm für den nicht-linearen, digitalen Videoschnitt. Ganz nebenbei bringt es noch ein paar pfiffige Zusatzfunktionen mit.

Am ehesten ist Kino mit dem unter Windows sehr beliebten Programm VirtualDub vergleichbar: Das kleine Programm kann nicht nur Filme von einer digitalen Videokamera aufnehmen, sondern auch gleich noch beschneiden, mit einfachen Effekten versehen, zu einem neuen Film anordnen und in verschiedene Dateiformate exportieren, bzw. in die Kamera zurück spielen. Als Bonbon unterstützt Kino sogar einige Jog-Shuttle-USB-Controller.

Abbildung 1: Der Startbildschirm von Kino

Kino finden Sie kostenlos unter http://kino.schirmacher.de. SuSE Linux 8.2 liegt es standardmäßig bei und kann dort bequem über YaST 2 installiert werden. Das Übersetzen von Kino aus dem Quellcode ist nicht ganz einfach, da verschiedene Abhängigkeiten berücksichtigt werden und mehrere Bibliotheken vorhanden sein müssen. Weitere Informationen hierzu finden Sie in der zugehörigen README-Datei, sowie auf der Kino-Homepage.

Im folgenden Workshop soll ein kleiner Urlaubsfilm von einem Digital-Camcorder eingelesen werden, dann neu geschnitten und schließlich mit einem Überblendungseffekt versehen werden.

Und los

Starten Sie Kino über das Startmenü oder durch die Eingabe von kino in einem Terminal-Fenster. Das Hauptfenster ist in drei Bereiche unterteilt (Abbildung 1). Am linken Rand finden Sie die so genannte Szenenliste, in der die einzelnen Filmschnipsel zu einem kompletten Video arrangiert werden. Im rechten Teil gibt es mehrere Registerkarten, über die Sie zu den einzelnen Hauptfunktionen gelangen. So verbergen sich hinter Capture z. B. alle Aufnahmefunktionen. Im unteren Bereich sind die Steuerelemente angeordnet. Wie bei einem Videorecorder lässt sich mit ihnen der zu bearbeitende Film starten, stoppen oder vorspulen.

Bevor Sie zum ersten Mal einen Film aufnehmen, sollten Sie zunächst die Einstellungen über Datei/Vorlieben... (File/Preferences...) kontrollieren. Stellen Sie auf dem ersten Kartenreiter von oben nach unten die Werte PAL, 48khz Stereo und 4:3 ein. Dies sind die Digitalvideo-konformen Grundeinstellungen, auf die später einige Effekte zurück greifen werden. Wechseln Sie weiter zum Reiter Capture. Hier können Sie die Datei angeben, in der das aufgenommene Video standardmäßig abgelegt werden soll. Interessant ist auch die Option Auto Split Files. Ist sie aktiviert, versucht Kino selbständig, einen Szenenwechsel zu erkennen. Die identifizierte Szene wird anschließend in einer neuen Datei gespeichert, wobei an den Dateinamen eine fortlaufende Nummer angehängt wird. Belassen Sie alle anderen Einstellungen auf ihren Vorgaben und klicken Sie auf Ok.

Nun können Sie sich der Videoaufnahme zuwenden. Wählen Sie dazu im Hauptfenster das Register Capture. Überprüfen Sie dort noch einmal den aus den Voreinstellungen übernommenen Dateinamen. Schalten Sie Ihre Kamera in eine Betriebsart, in der sie auf Steuerungssignale reagiert – meist ist das der Wiedergabemodus. Über die Bedienelemente im unteren rechten Teil des Hauptfensters sollten Sie nun die Kamera steuern können. Ist dies nicht der Fall, klicken Sie auf den Knopf AV/C: Mit ihm wird das Steuerungsprotokoll aktiviert, mit dem die meisten Kameras für den Massenmarkt arbeiten. Wenn alles korrekt erkannt wurde, zeigt Kino das übertragene Videobild als Vorschau an. Spulen Sie zu der Stelle, ab der die Aufzeichnung beginnen soll, und klicken Sie anschließend auf Capture (mit dem roten Aufnahmesymbol). Kino startet jetzt die Aufnahme, die Sie mit Stop jederzeit beenden können. Alle auf diese Weise aufgezeichneten Film-Clips werden automatisch der Szenenliste am linken Bildschirmrand hinzugefügt.

In Reih' und Glied

Die eingespielten Videos sollen nun in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Dies geschieht am einfachsten per Drag & Drop. Wählen Sie zunächst den Kartenreiter Edit an. Über die Steuerelemente am unteren Bildschirmrand lässt sich im aktuell zusammengestellten Film navigieren. Die Filme in der Szenenliste werden von oben nach unten abgespielt. Um die Reihenfolge zu ändern, klicken Sie den zu verschiebenden Film an, halten die Maustaste gedrückt und fahren mit der Maus an die neue Position innerhalb der Szenenliste. Sobald Sie die Maustaste loslassen, erscheint der Clip an der gewünschten Stelle.

Abbildung 2: Der Edit-Modus von Kino. Das in der Szenenliste am linken Rand markierte Video wird gerade in der Vorschau angezeigt

Sie können einen Film auch in zwei einzelne Szenen aufteilen oder zwei Szenen zu einer neuen verschmelzen. Dazu markieren Sie zunächst den Film innerhalb der Szenenliste, der geteilt oder mit der darunter liegenden Szene verschmolzen werden soll. Für das Verbinden genügt nun der Menüpunkt Commands/Join Scenes. Bei einer Teilung müssen Sie zuvor noch mit der Steuerleiste das Bild anfahren, bei dem die Trennung erfolgen soll. Der Menüpunkt Commands/Split Scene erzeugt dann zwei Szenen. Das Ausgangsmaterial bleibt bei beiden Aktionen unangetastet.

Sofern Sie bereits weitere Filme auf der Festplatte vorliegen haben, können Sie diese über den Menüpunkt Commands/Insert Movie... an der aktuellen Vorschauposition einfügen. Commands/Append Movie... reiht sie stattdessen hinter dem aktuellen Bild ein. Sofern notwendig, wird die Szene automatisch geteilt. Bei Arbeiten auf dem Register Edit sollten Sie Ihr Projekt häufig über Datei/Save As SMIL... speichern, da bei unseren Tests mehrfach sporadische Abstürze aufgetreten sind.

Kino bietet neben dem Anordnen von Szenen auch Bearbeitungsfunktionen, die sich auf die einzelnen Bilder beziehen. Sie finden sie unter dem Menüpunkt Bearbeiten. Die dortigen Befehle Cut (ausschneiden), Copy (kopieren) und Paste (einfügen) arbeiten analog zu anderen Anwendungen, wobei mit "frame" ein Einzelbild gemeint ist.

Abbildung 3: Einen Überblick über die einzelnen Bilder einer Szene verschafft das Register Timeline

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter www.tim-schuermann.de.


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LinuxUser 03/2012

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