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Profischnitt

Professioneller Videoschnitt mit Cinelerra und MainActor

01.08.2003 Sommerzeit ist Urlaubszeit. Immer mehr Reisende nutzen moderne Videokameras, um die schönsten Stunden des Jahres fest zu halten. Die Videoschnittprogramme Cinelerra und MainActor geben dem Film die professionelle Note.

Programme für professionellen digitalen Videoschnitt sind unter Linux immer noch rar. Die Marktführer in diesem Segment, Adobe und Ulead, ignorieren Linux dabei völlig - hier besteht nur die Wahl zwischen dem aus Broadcast 2000 hervorgegangenen Cinelerra und dem kommerziellen MainActor. Auch wenn Cinelerra eine so genannte Renderfarm unterstützt, also die Videodaten zur Zeitersparnis gleichzeitig auf mehreren Rechnern bearbeiten kann, handelt es sich bei beiden Programmen nicht um echte Profi-Lösungen. Gegenüber einfachen Schnittprogrammen wie Kino bieten sie dennoch wesentlich bessere Bearbeitungsfunktionen – das bezahlt der Benutzer leider mit einem höheren Einarbeitungsaufwand.

In SuSE Linux Professional 8.2 ist eine Vollversion von MainActor 3.7 enthalten. Die aktuelle Version 5 können Sie zum Testen von der Homepage des Herstellers MainConcept [2] ziehen.

Cinelerra von Heroine Virtual, Ltd. [1] steht unter der GPL und ist kostenlos erhältlich. Im Kern basiert es auf dem Programm Broadcast 2000 des gleichen Herstellers, das nicht mehr weiter entwickelt wird. Der wesentliche Unterschied besteht in einer überarbeiteten Benutzeroberfläche, die nun eher der von herkömmlichen Videoschnittprogrammen entspricht.

Die Entscheidung für oder gegen eines der beiden Programme hängt vom Geschmack und vom Geldbeutel ab. Trotz vergleichbarer Funktionen ist der Videoschnitt mit Cinelerra etwas umständlicher als bei seinem kommerziellen Kollegen.

Download und Installation

Die Installation von MainActor ist mit SuSEs Yast2 einfach – Cinelerra verlangt etwas mehr Mühe: Auf der Homepage [1] klicken Sie sich zur Download-Seite durch. Wählen Sie im Abschnitt Binaries den Punkt Cinelerra for i386 oder – je nach CPU – Cinelerra for Athlon. Bestätigen Sie die Lizenz, dann startet der Download des ca. 8 MB großen RPM-Archivs, das Sie mit jedem Paketmanager einspielen können. Klappt das nicht, installieren Sie das Paket als root mit dem Befehl rpm -i --force --nodeps <name>. <name> steht hier für den Dateinamen des Archivs. In den Cinelerra-Paketen ist keine Dokumentation enthalten, aber unter [1] liegt im Bereich Documentation ein umfangreiches Online-Handbuch mit dem Titel Secrets of Cinelerra.

Abbildung 1: Cinelerras Fenster nach dem Start

Sie starten MainActors Hauptkomponente, den Sequenzer, entweder über das Startmenü oder in einem Terminal-Fenster mit maseq. Für Cinelerra heißt das Kommando entsprechend cinelerra. In beiden Fällen öffnen sich die Arbeitsfenster, eines bei MainActor und gleich mehrere bei Cinelerra. Im Eingangsbildschirm von MainActor wählen Sie Digital Video (DV-PAL). Wie die Abbildungen 1 und 6a zeigen, finden sich ähnliche Elemente in beiden Programmen an verschiedenen Stellen wieder. Das Hauptfenster von Cinelerra befindet sich links unten und enthält die Zeitleiste Program, die in MainActor Timeline heißt.

Rein in den Rechner

Beide Programme sind zwar gut beim Schnitt, jedoch fehlerträchtig, wenn Videomaterial von einem Digital-Camcorder eingespielt werden soll.

Cinelerra kann digitales Video via FireWire einlesen, kennt aber leider nicht das AVI-DV-Format, das schon fast zum Standard avanciert ist (vgl. Kasten Formatsachen). Das freie Schnittprogramm setzt auf Apples Quicktime, das wiederum die Programme Kino und MainActor nicht ohne weiteres verarbeiten können.

Bevor die Aufnahme unter Cinelerra beginnen kann, sollten Sie die Einstellungen unter Settings/Preferences... im Bereich Recording anpassen: Unter Record Driver wählen Sie sowohl für Audio als auch für Video IEEE1394 aus der Liste. Die Größe des Videobildes stellen Sie unter Size of captured frame auf die Daten des deutschen PAL-Systems von 720 x 576 bei einer Bildwiederholrate (Frame rate for recording) von 25. Unter Sample rate for Recording belassen Sie den voreingestellten Wert 48000 Hz.

Abbildung 2: Die Aufnahmekomponente von Cinelerra. Rechts das Vorschaufenster

File/Record stellt die Aufnahmekomponente von Cinelerra ein. Im Fenster legen Sie den Dateinamen für das überspielte Video fest. Wählen Sie anschließend unter File Format das Dateiformat aus. Unsere Empfehlung lautet Quicktime for Linux, das Cinelerra-Standardformat. Über die beiden Knöpfe mit dem Schraubenschlüssel stellen Sie das Aufzeichnungsformat fein ein. Stellen Sie sicher, dass sowohl bei Audio: als auch bei Video: ein Haken vor Record audio tracks bzw. Record video tracks gesetzt ist, da die entsprechenden Daten sonst nicht mit aufgezeichnet werden. Nun öffnen sich zwei Fenster: ein Vorschaumonitor und eine Steuerkonsole.

Bei MainActor gelangen Sie in das korrespondierende Aufnahmefenster, indem Sie auf das Symbol mit der Kamera und dem kleinen "DV" aus der obersten Symbolleiste klicken. Den Dateinamen für das Videomaterial legen Sie über den Punkt File/File name fest.

Cinelerra kann die Kamera nicht ansteuern, deswegen müssen Sie die Wiedergabe manuell starten. Der Schalter mit dem roten Punkt startet bei beiden Programmen die Aufzeichnung. Zum Beenden der Aufnahme klicken Sie unter Cinelerra auf das schwarze Rechteck, unter MainActor auf stop. Cinelerra bietet neben der manuellen Aufnahme weitere Möglichkeiten wie das Speichern von Standbildern oder eine zeitgesteuerte Aufnahme – nähere Details beschreibt die ausführliche Online-Dokumentation.

Zeigen Sie Cinelerra zum Schluss noch, wie der neue Clip in das bestehende Projekt eingefügt werden soll (Insertion Strategy, vgl. Kasten Einfügestrategien). Nach einem Klick auf close erscheint die Aufnahme im Hauptfenster.

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter www.tim-schuermann.de.


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LinuxUser 03/2012

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