Saurier in freier Wildbahn
Mit dem Sharp Zaurus ins Internet
Sparsam: Mit dem USB-Kabel
Am günstigsten für den Geldbeutel erweist es sich, die mitgelieferte Hardware für die Netzwerkanbindung zu benutzen. Sharp sieht diese Möglichkeit sogar direkt vor, denn schon die Synchronisation des PDAs mit dem PC funktioniert über eine TCP/IP-Vernetzung.
Als Protokoll wird dabei Ethernetverwendet, das über die USB-Verbindung sozusagen getunnelt wird. Leider sind die Linux-Treiber hierfür noch nicht im Standard-Kernel 2.4.18 enthalten, so dass Sie einen Kernel-Patcheinspielen und Ihren Kernel selbst kompilieren müssen, um diese Möglichkeit zu nutzen. Wo Sie diesen Patch finden und was Sie dann noch tun müssen, ist unter [6] genauer beschrieben.
Alternativ weichen Sie auf eine einfachere Variante aus, die keine Änderungen an PC oder Zaurus nötig macht. Über das USB-Kabel lässt sich eine serielle Verbindung bereitstellen, auf der dann eine PPP-Verbindung aufgebaut wird [7]. Auf dem Zaurus geben Sie zunächst in der Konsole
/etc/usbcontrol serial
ein. Damit stellen Sie den Modus der USB-Verbindung von Ethernet auf seriell um. Um das wieder rückgängig zu machen, ist das Kommando /etc/usbcontrol net nötig. Auf dem PC teilen Sie Ihrem Linux-System als Benutzer root mit, dass für den Zaurus der usbserial-Treiber benutzt werden soll. Dies tun Sie, indem sie das entsprechende Kernel-Modulmit den richtigen "magischen" Parametern laden:
insmod usbserial vendor=0x4dd product=0x8002
Nun starten Sie möglichst zeitgleich auf beiden Seiten den PPP-Daemon. Auf dem PC kommt dabei der Befehl
pppd /dev/ttyUSB0 noauth 192.168.129.200:192.168.129.201 ms-dns DNS_IP passive
zum Einsatz. Wenn man es auseinandernimmt, ist dieses Monster nur halb so schlimm wie es aussieht: pppd lautet der Name des PPP-Daemons. Als Erstes bekommt er übergeben, auf welches Device er zugreifen soll; noauth stellt jegliche Authentifizierungsversuche ab (schließlich sehen Sie ja in der Realität, dass der Rechner mit dem richtigen Zaurus Kontakt aufnimmt). Mit Doppelpunkten getrennt folgen nun die IP-Adressen des Desktop-Rechners und des Zaurus; letztere ist diejenige, die standardmäßig auch in den Synchronisationseinstellungen verwendet wird. Mit der nächsten Option ms-dns teilt man dem Zaurus einen Nameservermit; ersetzen Sie DNS_IP durch die IP-Adresse eines für Sie erreichbaren DNS-Servers. Die letzte Option passive schließlich verhindert, dass der PPP-Daemon sich beendet, wenn er nicht sofort einen Partner auf der Gegenseite findet.
Auf dem Zaurus starten Sie den PPP-Dienst wie folgt:
pppd /dev/ttyUSB0 defaultroute usepeerdns
Wieder bekommt das pppd-Programm zunächst das Device mitgeteilt, auf dem es laufen soll. Dank der Option defaultroute teilt der Daemon dem Kernel mit, dass alle Pakete ins Internet über die neuaufgebaute Verbindung gehen sollen – deshalb kann der PDA auch mit anderen Rechnern als dem PC kommunizieren. Die Option usepeerdns bewirkt schließlich, dass der Zaurus die auf dem PC angegebene Nameserver-Adresse übernimmt.
Sehen Sie auf dem PC in der Ausgabe des Kommandos ifconfig einen Eintrag mit ppp0, hat alles geklappt! Funktioniert das nicht auf Anhieb, schauen Sie in die System-Logs. Wo sich die passende Log-Datei verbirgt, unterscheidet sich von Distribution zu Distribution: SuSE verwendet /var/log/messages, die anderen meist /var/log/syslog. Wenn Sie sie als root mit less oder tailanschauen, finden Sie hoffentlich immer, sobald Sie den Zaurus in seinen Cradle stecken, einen Eintrag der Art
usbserial.c: Generic converter now attached to ttyUSB0
In obigem Beispiel ist ttyUSB0 die Datei, die beim Aufruf des PPP-Daemons auf dem PC angegeben wird. Falls stattdessen eine Fehlermeldung auftritt, die besagt, dass kein Treiber für das gefundene Gerät vorhanden ist, hat das Laden des Kernel-Moduls nicht funktioniert – überprüfen Sie mit lsmod, ob es vorhanden ist, versuchen Sie es mit rmmod zu entfernen und mit den richtigen Optionen neu zu laden. Bei letzterer Aktion müsste in den System-Logs eine Erfolgsmeldung à la usb.c: registered new driver serial auftauchen. Ebenfalls problematisch ist es, wenn das Kommandos usbcontrol auf dem Zaurus nicht funktioniert hat: Dann meldet sich das Gerät mit einer anderen Device-ID an.
Damit der PDA mit dem Internet kommunizieren kann, muss der PC als maskierender Router (wie in [4] beschrieben) konfiguriert werden. Falls Sie einen Kernel der 2.4-er Serie nutzen und dieser entsprechend kompiliert wurde, reichen dazu die Kommandos
echo 1 > /proc/sys/net/ipv4/ip_forward iptables -t nat -I POSTROUTING -s 192.168.129.201 -j MASQUERADE
aus.
Außer dem komplexen Verbindungsaufbau hat diese Methode den Nachteil, dass der Zaurus in seinem Cradle ziemlich eingesperrt ist (Abbildung 6). Insbesondere wird das Aufschieben der Tastatur verhindert – die Texteingabe wird so viel unkomfortabler.
Andere Wege ins Netz
Für den CompactFlash-Slot des Zaurus gibt es noch weitere Karten, mit denen sich eine Internet-Anbindung realisieren lässt. Sehr ähnlich der WaveLAN-Variante verhalten sich Ethernet-Karten mit RJ45-Buchse, die natürlich ein Kabel voraussetzen. Sie benötigen zudem einen Switch oder Hub und einen Router ins Internet.
Es gibt auch CompactFlash-Modemkarten. Diese verhalten sich ähnlich der Handy-Variante, nur dass sie eine herkömmliche Telefonleitung benötigen und Sie im Internet-Wizard nicht IR sondern Modem auswählen müssen.
Bei moderner drahtloser Kommunikation denkt man heute an Bluetooth – tatsächlich gibt es bereits für beide Erweiterungssteckplätze des Zaurus solche Karten. Unglücklicherweise kann der PDA im SD-Card-Steckplatz nur mit Speicherkarten umgehen. Das ist nicht nur ein Treiberproblem, sondern liegt auch daran, dass nur die dafür nötigen Verbindungen vom Steckplatz in den Zaurus geführt wurden. CompactFlash-Bluetooth-Karten dagegen funktionieren, allerdings sind die Treiber noch nicht ganz ausgereift und müssen zur Zeit separat installiert werden [8].
Bleibt die Hoffnung auf die USB-Schnittstelle – damit sollte man eigentlich USB-Peripheriegeräte wie Modems, Netzwerkkarten oder auch Tastaturen am Zaurus betreiben können. Leider ist das allem Anschein nach nicht möglich: Der PDA verhält sich im Cradle selber wie ein USB-Gerät, und ein Controller-Chip für den Betrieb als Host ist wohl nicht eingebaut.
Glossar
Zaurus
Der Name dieses PDAs leitet sich laut Sharp von "Dinosaurus" ab und soll mit weichem S ausgesprochen werden. Wir haben ihn in [1] vorgestellt.
Ethernet
Ein weitverbreitetes Netzwerkprotokoll, das die Kommunikation eine Stufe "unter" TCP/IP regelt. Es gibt verschiedene Arten von Ethernets für unterschiedliche Arten von Medien, etwa über Koaxialkabel, Kupferkabel oder auch Luft.
CompactFlash
Ein Standard für Erweiterungskarten kleiner Geräte. Beim Zaurus sitzt der entsprechende Steckplatz oben im PDA.
WEP
Diese Abkürzung steht für "Wired Equivalent Privacy" und bezeichnet das im WaveLAN-Standard definierte – nicht sonderlich sichere – Verschlüsselungsverfahren zwischen mobilem Endgerät und Zugangspunkt.
IrDA-Schnittstelle
Eine von der "Infrared Data Association" standardisierte Infrarotschnittstelle nebst dazugehörigem Protokoll. Sie wird von vielen mobilen Geräten wie Laptops, Handys und PDAs unterstützt. Zwei IrDA-taugliche Geräte können über kurze Distanzen ohne Kabel Verbindungen aufbauen.
AT-Befehle
Ein uralter Standardbefehlssatz für Modems, der schon von den ersten Geräten dieser Art unterstützt wurde. Er definiert, wie ein Computer einem Modem Befehle erteilt. Sie fangen alle mit "AT" (für "Attention") an, daher der Name.
Kernel-Patch
Änderungen am Quelltext des Linux-Kernels, meistens für neue Treiber oder andere Features, die noch nicht im Standard-Kernel enthalten sind.
PPP
Das "Point-to-Point Protocol" wird verwendet, um eine TCP/IP-Verbindung zwischen nur zwei Computern herzustellen. Eventuell kennen Sie es schon von der Einwahl per Modem oder ISDN.
Kernel-Modul
Kernel-Module sind Teile des Betriebssystemkerns, die nicht immer benötigt und deshalb nur bei Bedarf hinzugeladen werden. Typischerweise handelt es sich dabei um Gerätetreiber.
Nameserver
Er ist zuständig für die Auflösung symbolischer Internet-Adressen (etwa www.linux-user.de) in numerische IP-Adressen, die ein Computer verarbeiten kann. Welche Nameserver Ihr Linux-Rechner verwendet, finden Sie heraus, indem Sie sich die Datei /etc/resolv.conf anschauen.
tail
Ein klassisches Unix-Kommandozeilen-Tool, das lediglich die letzten (per Default 10) Zeilen einer Datei ausgibt. Mit der Option -f ("follow", "folgen") eignet es sich besonders gut zum Anschauen der neuesten Einträge in einem Logfile: Wenn sich die Datei verändert, gibt tail -f jeweils das neue Dateiende aus.
RJ45
Bezeichnet eine bestimmte Sorte von Netzwerkkabeln, über die ein Ethernet aufgebaut werden kann. RJ45-Kabel sind heute die verbreitetste Variante und sehen ein bisschen wie breitere Telefonkabel aus.
SD-Card
Die "SecureDigital"-Card ist eine etwa briefmarkengrosse und 1 mm hohe Erweiterungskarte, die sich in den Steckplatz an der linken Gehäuseseite des Zaurus schieben lässt. Auch sogenannte MMC-("MultiMedia Card"-)Karten funktionieren in SD-Card-Steckplätzen.
Infos
[1] Carsten Zerbst: "Zwergpinguin", LinuxUser 02/2002, S. 74 f.
[2] Bezugsquelle für CompactFlash-WaveLAN-Karten: http://www.macinn.de/
[3] Unterstützte WaveLAN-Karten: http://www.zauruszone.com/wiki/index.php?WirelessCardSupport
[4] Marc André Selig: "Private Feuerwände", LinuxUser 05/2002, Kasten 3, S. 35, http://www.linux-user.de/ausgabe/2002/05/030-firewall/firewall-4.html
[5] Unterstützte Handys: http://www.insomniq.com/files/zaurus/IrDA-HOWTO.html
[6] Beschreibung zu Ethernet über USB: http://www.ruault.com/Zaurus/ethernet-over-usb-howto.html
[7] Beschreibung zu PPP über USB: http://www.ruault.com/Zaurus/ppp-usb-howto.html
[8] Bluetooth-Treiber für Linux: http://bluez.sourceforge.net/



