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Die Meuterei auf der Windows

Volkers Editorial

01.11.2001 Wer hat das nicht auch schon mal erlebt? Der Computer scheint zu meutern. Egal, wie gut man es denn nun mit ihm meint. Gutes Zureden oder auch drastische Drohungen machen ihn nicht gefügig. Ob es bei einer Meuterei tatsächlich immer an den Usern liegt, mag mal so dahin gestellt bleiben…

Die Meuterei auf der Bounty. Wem fällt dabei nicht sofort der leckere Schokoladenriegel ein, mit dieser Werbung, bei der eine junge Dame ein Buch in ihrer Hand aufschlägt und sich plötzlich in einer Traumwelt wiederfindet, in der ein langhaariger Eingeborener mit Ganzkörpertätowierung in die Fluten der Malediven springt. Tröt! Da meldet dieser Gedankengang auch schon Alarm. War die Bounty nicht unterwegs nach Tahiti? Was macht Tahiti bei den Malediven? Richtig, gar nichts. Warscheinlich war der Gedanke an den Schokoladenriegel doch eine zu süße Versuchung, und wir sollten uns lieber auf den Holzweg begeben. Denn sie wird hauptsächlich aus Holz gemacht, die "tolle macht-so-viel-so-einfach Rolle". Und zwar wird behauptet, dass dies das Holz von Pinien und Fichten sei, das hierfür verarbeitet wird. Das wollen wir doch mal hoffen, denn schließlich möchte ich nicht, dass hier wertvolle Südseepalmen für Küchenpapier geopfert werden… Aber wie komme ich jetzt auf Küchenpapier? Ganz einfach. Beim Stöbern im Internet habe ich diese Produktpräsentation [1] gefunden und dort eigentlich keine FAQs erwartet, aber sie waren da…

Abbildung 1: Bounty im Internet

Was wir daraus lernen können, ist, dass FAQs ("Frequently Asked Questions", also häufig gestellte Fragen) uns das Leben manchmal sehr erleichtern können. Wenn es um Installationshilfen geht oder auch einmal einen Insider-Tipp. FAQs gibt es in Hülle und Fülle im Internet, und wer ernsthaft sucht, der sollte dabei auch für sein spezielles Problem - wenn es nicht allzu außergewöhlich ist - eine Lösung finden. Damit lässt sich so manche Meuterei des Computers gut in den Griff kriegen.

Doch es gibt nicht nur FAQs, sondern auch noch zwei andere wichtige Typen von Hilfedateien. Das sind die HowTo- und die README-Dateien. READMEs sind in der Regel einfache Textdateien, die auch so heißen - mit einigen Varianten: ReadMe oder LiesMich ist auch schon mal zu finden. Die HOWTOs liegen bei den meisten Linux-Derivaten in einem eigenen Verzeichnis, welches z. B. /usr/doc/howto/, /usr/share/doc/HOWTO/ oder ähnlich heißen kann. Suchen Sie mit dem Befehl

locate -i howto

nach dem tatsächlichen Ort. Manche Distributionen installieren die HOWTOs im gzip-komprimierten ASCII-Format, andere als HTML. Das Betrachten von (komprimierten) Text-Dateien ist denkbar einfach, da der less-Befehl häufig in der Lage ist, die in der Regel gepackten Dateien sauber anzuzeigen. In richtigen Verzeichnis gibt mir daher ein

less DE-Sound-HOWTO.txt.gz

sorgfältig Auskunft darüber, wie Soundkarten in Betrieb zu nehmen sind. Manche less-Versionen kommen nicht mit komprimierten Daten klar, der richtige Befehl wäre dann

zcat DE-Sound-HOWTO.txt.gz | less

Doch war da nicht noch etwas mit Bounty? Ja, die Meuterei. Das Packendste an der Geschichte um die Meuterei auf der Bounty wird sein, dass sie völlig wahr ist. Und ich nehme die Gelegenheit wahr, sie kurz und knapp neu zu erzählen.

"Sturm peitschte seit Wochen die kalte Gischt über die Planken der MS Windows, welche von ihrer königlichen Majestäts Admiralität unter das Kommando von Kapitän Bill gestellt wurde. Am Vortage des heiligen Abend 1787 drehte der Wind endlich, und die Windows konnte auslaufen und ihre Reise antreten. Der heilige Abend selbst wurde natürlich mit viel Rum gefeiert, und so manch einer blieb auf der Strecke… Der Auftrag klang recht einfach: Es sollten Brotfruchtsätzlinge von der wunderbaren kleinen Südseeinsel Linux in die westindischen Kolonien des britischen Empires überführt werden, die dort fortan ein wichtiger Teil der Nahrungsquellen für die dortigen Kolonisten werden sollte. Kapitän Bill war von der schon zur damaligen Zeit nussschalenkleinen Bounty sicherlich nicht begeistert, zumal er schon unter Cook bedeutendere Reisen unternommen hatte. Auch insgesamt war er sicher verbittert, und sein strenger Führungsstil stieß besonders auf den Widerstand von Fletcher Christian, der später auch die Meuterei anführen sollte. Richtig zu schaffen machte der Mannschaft der Versuch, Kap Horn zu umschiffen. Es war die erste richtige Probe für die Mannschaft. Tosende Naturgewalten und Orkane hielten die Windows über etliche Wochen fest, ohne dass das Schiff auch nur eine Seemeile vorangekommen wäre, worauf Kapitän Bill schließlich die Order gab, einmal um die halbe Welt zu segeln und den weniger beschwerlichen aber dafür umso weiteren Weg nach Osten zu nehmen. Auf Linux angekommen wurden die Erwartungen der Matrosen an die Südseeinsel mit ihren Palmstränden und traumhaften Stränden nicht enttäuscht, und so legte die Windows an der Insel an. Die Mannschaft wurde von den netten Einheimischen begrüßt, und schon sehr schnell hatte jeder unter den Eingeborenen seinen Tao, seinen Freund, gefunden. Nach einem halben Jahr verließ das Schiff die Insel wieder, und am 28. April 1789 kam es zu der berühmten Meuterei auf der Windows. Kapitän Bill wurde mit 18 Mann in ein 7-Meter-Beiboot ausgesetzt, mit dem er über 3500 Seemeilen zurücklegte, ohne einen Mann zu verlieren. Die Meuterer flüchteten auf die Südseeinsel Pitcairn, auf der noch heute ihre Nachkommen leben."

Den Interessierten empfehle ich [2] oder [3], von wo aus man sich weiter durch diese wahre Geschichte klicken kann.

Glossar

README

Readme-Dateien werden in der Regel zusammen mit Pakten geliefert; sie enthalten wichtige Installationshinweise, die bei der Einrichtung Schritt für Schritt oft eine große Hilfe sein können.

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LinuxUser 03/2012

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