Grafische Anwendungen, etwa Office-Pakete oder Zeichenprogramme wie Gimp, bieten dem Anwender zum Ausdruck eines Dokumentes unterschiedlich ausführliche und komfortable Druckdialoge. Hier kann kurz vor dem Ausdruck noch allerlei eingestellt werden, etwa eine Skalierung der Druckseiten, die Reihenfolge mehrerer Seiten, oder eine "2-auf-1"-Funktion. Unabhängig davon, mit welcher Anwendung Sie arbeiten, landen aber schließlich alle Druckausgaben beim Hilfsprogramm lpr (traditionell: Line Printer), welches je nach Konfiguration verschiedene Filter auf die übergebenen Druckdaten anwendet und schließlich einen neuen Eintrag in der gewünschten Drucker-Warteschlangeerzeugt.
Jeder dieser Einträge hat in der Regel seinen Weg durch das Drucksystem als PostScript-Datei begonnen, die von der Anwendung erzeugt wurde - es ist dann Aufgabe des Drucksystems, diese PostScript-Daten in ein Format zu konvertieren, das der angeschlossene Drucker versteht (sofern er nicht eh PostScript beherrscht).
Über die grundsätzlichen Techniken, welche die verschiedenen Drucksysteme (LPRng, CUPS etc.) einsetzen, haben Sie sich schon in den Artikeln ab Seite 38 informieren können - hier geht es nun ausschließlich um die Kommandozeilen-Programme
- lpr (Eintrag in die Druckerwarteschlange aufnehmen),
- lpq (Warteschlange anzeigen),
- lprm (Eintrag aus Warteschlange löschen) und
- lpc (Drucker anhalten, Warteschlange suspendieren etc.).
Häufig ist es sinnvoll, die Druckausgabe eines Programmes zunächst in eine PostScript-Datei zu schreiben und dann weiter zu verarbeiten: Eine Anwendung dafür finden Sie etwa im "Zu Befehl" ab S. 60. Somit lohnt es sich, die Syntax von lpr & Co. kennen zu lernen.
lpr liest stdin
Das sicher wichtigste Programm ist lpr: Es nimmt die neuen Druckaufträge entgegen und sorgt für ihren korrekten Eintrag in die Warteschlange. Prinzipiell kann lpr auf zwei Arten aufgerufen werden:
[esser@dual lpr]$ lpr datei.ps
wird die Datei datei.ps auf dem Standard-Drucker ausdrucken. Welcher Drucker das ist (falls Sie mehrere angeschlossen haben oder über das Netzwerk erreichen können), erfahren Sie weiter unten. Es können hier auch mehrere Dateinamen übergeben werden, und je nach Konfiguration des Drucksystems dürfen dies auch Dateien unterschiedlichster Formate sein: Ist Ihr System ordentlich eingerichtet, sollte auch ein
[esser@dual lpr]$ lpr *.jpg test.ps README /var/log/messages
möglich sein. Die zweite und häufig interessantere Anwendungsmöglichkeit ist die, bei der lpr die Standardeingabe stdin liest: So kann lpr das letzte Element einer Shell-Pipe-Kette sein. Ein Beispiel dafür wäre
[esser@dual lpr]$ dvips test.dvi | psselect 1-10 | psnup -2 | lpr
Ein typischeres Beispiel ergibt sich aus der Zusammenarbeit mit einem Office-Paket: Haben Sie (wie oben beschrieben) die Druckausgabe eines Dokumentes in eine Datei (etwa /tmp/out.ps) umgeleitet, so können Sie diverse PostScript-Konverter auf diese Datei anwenden, bevor Sie sie endgültig drucken; am typischsten ist dabei vermutlich die (verkleinerte) Plazierung von zwei Seiten auf einer:
[esser@dual lpr]$ psnup -2 /tmp/out.ps | lpr
In beiden Fällen erwartet lpr keine weiteren Parameter. Die man-page des Tools liefert zwar eine ganze Reihe von Parametern zurück, welche aber größtenteils unwichtig sind - lpr ist noch heute kompatibel zu seinen ersten Unix-Varianten, die sich hauptsächlich mit dem Ausdruck von ASCII-Dateien auf Matrix- oder Typenraddruckern beschäftigten… Wichtig ist aber häufig die Option "-P", über die die Warteschlange ausgewählt werden kann.
Warteschlangen
lpr & Co. erwarten prinzipiell, dass Sie angeben, welche Warteschlange Sie bearbeiten möchten, da Sie unter Linux natürlich mehrere Drucker verwalten können; tatsächlich kann es auch mehrere Warteschlangen für einen einzigen Drucker geben, um etwa in unterschiedlicher Qualität zu drucken oder beim Profi-Bürodrucker zwischen Simplex- und Duplex-Druck zu wählen.



