Magische Filter

Oft sollen Dateien gedruckt werden, die in einem Grafikformat (wie TIFF, GIF, JPEG, PDF, PNM, PNG, Sun Raster usw.) vorliegen. Nun gibt es zwar zahlreiche Tools und "Filter", die daraus PostScript erzeugen können und sich per Kommandozeile bedienen lassen. Doch anschließend muss weiter konvertiert werden, nämlich mit einem Ghostscript-Filter ins Drucker-Format.

Da der manuelle Gebrauch von Ghostscript (und der Vor-Filter zum Erzeugen von PostScript) selbst vielen Kommandozeilen-Freaks bei Weitem zu umständlich ist, versuchen verschiedene Ansätze, diese Aufgabe zu vereinfachen. Am erfolgreichsten sind dabei die beiden Filterskripte apsfilter und magicfilter [7]. Diese führen zahllose Tools "unter einem Dach" zusammen. Sie erkennen automatisch das Format der Input-Datei, erzeugen daraus mit einem passenden Vor-Filter PostScript und generieren mit Hilfe von Ghostscript das Rasterformat für den Zieldrucker. Bei SuSE übernimmt APSfilter diese Koordinationsaufgabe, bei neueren Red-Hat-Ausgaben Magicfilter (früher rhs-printfilter). Auch Debian setzt auf Magicfilter.

Diese Filterkette funktioniert in der Regel sehr zuverlässig. Allerdings lässt sie den Anwender bei der Selektion gerätespezifischer Optionen (angefangen von der allereinfachsten Papierfachanwahl, gar nicht zu reden vom Lochen und Heften des Outputs) völlig im Stich.

Spulen und Drucken

Damit die konvertierten Druckdaten nicht mit anderen Druckjobs ins Gehege kommen, werden sie nicht etwa direkt an den Drucker, sondern an ein Druck- und Spool-System geschickt. Das ist verantwortlich für die geregelte Abwicklung aller Druckaufträge auf dem System.

Die dazu am häufigsten verwendete Software ist nach wie vor der BSD-Line-Printer-Daemon lpd (bei SuSE im Paket lprold enthalten). Ihm zugrunde liegt das rund 30 Jahre alte Protokoll LPR/LPD ("Line Printer Remote/Line Printer Daemon") für das Drucken im Netzwerk.

Zeilendrucker waren Stand der Technik, als LPD zum Übertragungs- und Handhabungsprogramm für Druckdaten entwickelt wurde. Obwohl sich die zugrundeliegende Druck-Technik und auch der Umfang der Vernetzung gewaltig entwickelt hat, blieb das Basisprotokoll für Netzwerkdruck jahrzehntelang auf dem technischen Stand der Line-Printer-Ära stehen. Es leidet u. a. an mangelnden Authentifizierungsmöglichkeiten für die Nutzer, fehlender Verschlüsselung der Druckdaten und ungenügenden Übergabemöglichkeiten für Druckparameter.

Manche seiner Schwächen werden durch das neuere LPRng gemildert (bei SuSE eine Alternative, bei Red Hat Vorgabe), viele erst durch das moderne CUPS auf der Basis des IPP ("Internet Printing Protocol").

Die Druckerdefinitionen beim klassischen LPR/LPD-Ansatz verstecken sich in einer Datei namens /etc/printcap. Dort schaut der LPD bei jedem neuen Print-Job nach, wie er ihn behandeln soll. Obwohl man sie wie jede ASCII-Konfigurationsdatei auch von Hand bearbeiten kann (vgl. [8]), wird sie meist von distributionseigenen Tools (YaST bei SuSE, printtool bei Red Hat) erstellt und gewartet. Diese erfragen bei einer Druckerinstallation einige Angaben wie Druckername, zu verwendender Filter (=Treiber) und Anschlussart. Daraus generieren sie einen fertigen printcap-Eintrag, bei dem auch der Aufruf des zuständigen Filterskripts erfolgt. SuSE- u. a. APSfilter-Benutzern steht zusätzlich ein Setup-Programm mit dem Namen SETUP in /var/lib/apsfilter zur Verfügung, das beim Anlegen der printcap-Einträge hilfreich zur Seite steht.

Wichtig ist der Drucker mit dem Namen lp, denn er wird automatisch als der systemweit gültige Standarddrucker angesehen und bekommt alle Aufträge, bei denen nicht ein anderer Drucker namentlich genannt ist.

Zu jedem logischen Drucker gehört ein eigenes Spool-Verzeichnis zum Zwischenlagern der Druckdateien und eine Gerätedatei (bei lokal angeschlossenen Geräten) bzw. die IP-Adresse (für Netzwerkdrucker), über die er angesprochen wird. Außerdem ist der zugehörige APS- oder Magicfilter-Input-Filter für jeden eingetragenen lokalen Drucker vermerkt.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Unter Druck
    Um unter Linux Drucker einzurichten, hilft es, ein paar Dinge über das Druckertreiber-System und seine Wurzeln zu wissen.
  • ESP Ghostscript 7.05.1-1 freigegeben
    Insider haben es lange erwartet -- seit gestern ist es da:das ESP Ghostscript 7.05.1-1
  • Zu Befehl: gs & psutils
    PostScript ist eine plattformunabhängige Programmiersprache, in der Texte und Grafiken an Drucker übermittelt werden. Neben den bekannten Viewern für diese Formate gibt es auch auf der Kommandozeile viele nützliche und schnelle Tools, die .ps-Dateien bearbeiten und anzeigen. Wir zeigen, wie Sie mit Ghostscript und den PSUtils "geistreich" arbeiten.
  • Drucker-Grundlagen
    Die Druckerverwaltung unter Linux ist ein komplexes System. Wer sich in die Details einarbeitet, stößt auf Queues, PostScript, Druckertreiber und Filter. Dank der automatischen Hardware-Erkennung in Yast bleibt der Anwender davon aber weitgehend verschont, ein neuer Drucker ist unter SuSE Linux flott eingerichtet.
  • 10 Laserdrucker im Test
    Schnell, gestochen scharf und billig sollen Ausdrucke sein - Attribute, die insbesondere Laserdruckern zugeschrieben werden. Zum perfekten Ausdruck gehört aber mehr, vom Drucksystem bis hin zum Filter muss alles optimal zusammenspielen.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2017: Perfekte Videos

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

Installation Linux mint auf stick
Reiner Schulz, 10.12.2017 17:34, 0 Antworten
Hallo, ich hab ein ISO-image mit Linux Mint auf einem Stick untergebracht Jetzt kann ich auch...
Canon Maxify 2750 oder ähnlicher Drucker
Hannes Richert, 05.12.2017 20:14, 4 Antworten
Hallo, leider hat Canon mich weiterverwiesen, weil sie Linux nicht supporten.. deshalb hier die...
Ubuntu Server
Steffen Seidler, 05.12.2017 12:10, 1 Antworten
Hallo! Hat jemand eine gute Anleitung für mich, wie ich Ubuntu Server einrichte? Habe bisher...
Tinte sparen bei neuem Drucker
Lars Schmitt, 30.11.2017 17:43, 2 Antworten
Hi Leute, ich habe mir Anfang diesen Monats einen Tintenstrahldrucker angeschafft, der auch su...
Für Linux programmieren
Alexander Kramer, 25.11.2017 08:47, 3 Antworten
Ich habe einen Zufallsgenerator entworfen und bereits in c++ programmiert. Ich möchte den Zufalls...