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Migration Microsoft Office 2000 zu StarOffice 5.2 - Teil 1

01.07.2001 Aus Angst, nicht mehr in ihrer vertrauten Office-Umgebung arbeiten zu können, scheuen viele Anwender den Umstieg auf Linux. Hinzu kommt der weit verbreitete Aberglaube, dass ein freies Office-Paket niemals den Funktionsumfang eines kommerziellen Produkts erreichen könnte. Dieser zweiteilige Workshop soll mit den Vorurteilen aufräumen und Ihnen zeigen, wie einfach der Umstieg von Microsoft Office auf StarOffice ist.

Um gleich den ersten Irrtum zu beseitigen: StarOffice ist nicht weniger leistungsfähig als Microsoft Office sondern seiner kommerziellen Konkurrenz sogar in einigen Punkten überlegen. Tatsächlich bot die Windows-Alternative in den letzten Jahren immer erst eine Versionsnummer später genau die Funktionen an, die bei der Konkurrenz zu diesem Zeitpunkt schon längst zum Standard gehörten. Böse Zungen behaupten sogar, Microsoft kupfere seine neuen Funktionen ausschließlich bei der Konkurrenz ab. In jedem Fall braucht der Umsteiger bis auf wenige Ausnahmen keinerlei Einbußen hinsichtlich der Funktionsvielfalt zu befürchten. Bleibt nur die Frage, was mit der vertrauten Arbeitsumgebung und allen unter Microsoft Office erstellten Makros, Vorlagen und Dokumenten passiert. Im Folgenden möchten wir Ihnen in diesen Punkten etwas unter die Arme greifen – mit dem Ziel, Ihnen so den Umstieg zu erleichtern. Eine elementare Einführung in StarOffice finden Sie hier nicht; dafür verweisen wir auf unseren ausführlichen Workshop in den LinuxUser-Ausgaben 06--10/2000.

Wo bin ich?

Nach dem Start von StarOffice erwartet den Umsteiger ein nicht gerade vertrauter Anblick. Dies liegt primär an der hohen Integration der einzelnen StarOffice-Komponenten: Während MS Office 2000 für jede Datei ein eigenes Anwendungsfenster öffnet, werden in StarOffice sämtliche Dokumente innerhalb der Office-Umgebung, dem sog. StarOffice Desktop, angezeigt und verwaltet.

Abbildung 1: Jede MS-Office-Anwendung öffnet für jedes Dokument ein eigenes Fenster. Hier als Beispiel MS Word 2000

Je nachdem, um was für einen Dokumenttyp (Text, Tabelle, Präsentation, …) es sich dabei handelt, werden die passenden Module im Hintergrund geladen und die Symbolleisten und Menüs an die neue Situation angepasst. Am unteren Fensterrand befindet sich eine Leiste, mit deren Hilfe Sie zwischen allen geöffneten Dokumenten wechseln können.

Abbildung 2: Der StarOffice Desktop. Am linken Rand ist der geöffnete Desktop eingeblendet. Am oberen Rand bietet der Beamer die Cliparts zur Auswahl an. Den Abschluss bilden unten rechts der Tipp des Tages und in der Mitte die Arbeitsfläche

Einige spezielle Fenster wie z. B. der Explorer, die Auswahl von ClipArts oder der Tipp des Tages werden nicht als frei schwebende Fenster aufgerufen, sondern an eine der vier Seiten des Desktops eingehängt. Im Gegensatz zu MS Office wirkt die gesamte Umgebung hierdurch etwas unaufgeräumt und überladen. Als Ausgleich geht StarOffice wesentlich sparsamer mit Animationen und grafischen Spielereien um, wirkt also insgesamt sachlicher.

Falls Ihnen die eingehängten Fenster nicht mehr gefallen oder im Weg sind, können Sie sie entweder durch einen Klick auf die Schaltfläche mit dem X komplett schließen oder über das Dreieck

am Rand verschwinden lassen. Mit der neben dem Dreieck angesiedelten Stecknadel

lassen sich diese Fenster auf dem Desktop fixieren bzw. wieder von ihm loslösen.

Ist alles anders?

Die schlechte Nachricht zuerst: Unter StarOffice haben Sie nur geringe Möglichkeiten, die Umgebung an die der MS-Office-Welt anzupassen. StarOffice bietet weder an MS Office angelehnte Menüs noch gleichwertige, vordefinierte Symbolleisten oder Tastenkürzel. Falls Sie dennoch nicht auf Ihre gewohnte Umgebung verzichten wollen, müssen Sie unter Extras/Anpassen die entsprechenden Modifikationen manuell durchzuführen.

Abbildung 3: In diesem Dialog können Sie den Aufbau des Menüs, der Symbolleisten und die Tastaturbelegung den eigenen Vorstellungen anpassen

Voreingestellt finden Sie am oberen Bildschirmrand des StarOffice-Fensters zwei und am linken Rand eine Symbolleiste. Im Gegensatz zu MS Office können diese Symbolleisten weder verschoben noch abgenommen werden. Lediglich über Ansicht/Symbolleisten lässt sich jede Leiste gezielt ein- und ausblenden und über den bereits angesprochenen Menüpunkt Extras/Anpassen in ihrer Zusammenstellung verändern. Standardmäßig entsprechen nur die Symbole in der Objektleiste (die untere am oberen Bildschirmrand) in etwa denen der Format-Symbolleiste unter MS Office. Was die anderen beiden Leisten betrifft, so muss sich der Umsteiger nicht nur einige neue Symbole sondern auch ein gegenüber MS Office verändertes Verhalten einprägen. So enthält z. B. die Funktionsleiste (direkt unter dem Menü) stets anwendungsübergreifende Funktionen wie z. B. schnelle Zugriffsmöglichkeiten auf die Dateiverwaltung und die Zwischenablage. Die Werkzeugleiste am linken Bildschirmrand verändert sich je nach Dokumentinhalt, wodurch dem Benutzer in jeder Lage die passenden Funktionen angeboten werden.

Beim Aufbau des Menüs trifft der Umsteiger erneut auf einige Unterschiede: Im Gegensatz zu MS Office verschwinden selten benutzte Befehle nicht. Stattdessen werden immer nur die Befehle und Funktionen angezeigt, die in der jeweiligen Situation auch tatsächlich aktiviert werden können.

Unter MS Office haben Sie zudem die Möglichkeit, nur einen Teil des gesamten Funktionsumfangs zu installieren. Benötigen Sie später eine nicht vorhandene Komponente, so fordert MS Office automatisch die Setup-CD an und installiert die benötigten Komponenten nach. Diese Funktion finden Sie unter StarOffice nicht. Hier werden grundsätzlich immer alle Funktionen einer Komponente installiert. Sollten Sie dennoch bei der benutzerdefinierten Installation einen der Punkte ausgeschlossen haben, so müssen Sie ihn später über das Setup-Programm per Hand nachinstallieren.

Ein Merkmal, das MS Office nicht bietet, ist der StarOffice Desktop. Dieser wird nach dem Starten standardmäßig angezeigt und dient als eine Art Kontrollzentrum, das neben dem Öffnen von Dokumenten und dem Verwalten der einzelnen Fenster auch vollwertige Datei-Management-Funktionen anbietet. So können Sie mit den Symbolleisten des Desktops nicht nur in den Verzeichnissen der Festplatte navigieren, sondern auch Funktionen aufrufen, für die Sie bislang unter MS Office einen externen Datei-Manager bemühen mussten. Unterstützt wird der Desktop durch den Explorer am linken Bildschirmrand (Ansicht/Explorer, bzw. linker Mausklick auf das Dreieck am linken Bildschirmrand). Er stellt das gesamte System in einer Baumstruktur dar und erlaubt so einen wesentlich schnelleren Zugriff auf die gesuchten Daten. Als zusätzliche Hilfen können innerhalb des Explorers sog. Gruppen erstellt werden.

Abbildung 4: Die unter StarOffice vordefinierten Gruppen im Explorer. Mit einem Klick auf eine der Schaltflächen wird die zugehörige Gruppe angezeigt

Dies sind Registerblätter zu bestimmten Themen, die durch einen Klick auf die Schaltflächen am oberen bzw. unteren Rand des Explorers aktiviert werden. Hiermit lassen sich z. B. die eigenen, oft benötigten Dokumente für einen schnelleren Zugriff anordnen oder die Favoriten (unter Bookmarks) verwalten.

Sollten Sie einmal Cliparts oder Adressen auswählen müssen, so kommt unter StarOffice ein weiteres, für Umsteiger auf den ersten Blick etwas ungewöhnliches Konzept zum Einsatz: der Beamer (Ansicht/Beamer). Er wird am oberen Bildschirmrand eingeblendet und bietet eine schnelle und direkte Auswahl der betroffenen Dateien und deren Inhalte. Von dort lassen sich die Daten per Drag & Drop in das geöffnete Dokument einfügen.

Abbildung 5: Der rote Pfeil wurde aus dem Beamer per Drag & Drop in das Textdokument eingefügt

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter http://www.tim-schuermann.de.


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LinuxUser 06/2012

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