Porentief rein

Waschmittel Rösch Linux R15 im Test

01.06.2001

Mirko Dölle

An Computer, Scanner und CD-Brenner hat man sich bei den Lebensmittel-Discountern längst gewöhnt. Nun hält auch Linux Einzug in die Regale.

Die bisher völlig unbekannte Firma Rösch aus dem österreichischen Höchst stellt ein neues Linux vor, das seit Mitte April über den Lebensmittel-Discounter und Neu-Distributor Plus bezogen werden kann. Mit nur knapp elf Mark für das komplette Paket erhält der Käufer deutlich mehr Linux für sein Geld als bei den renommierten Distributoren.

SuSE-Plagiat?

Was auf den ersten Blick wie ein billiges Imitat einer SuSE-Distribution aussieht, bietet in Wirklichkeit eine deutlich bessere Ausstattung als die Professional Edition der Nürnberger. So ist das Rösch-Paket nicht nur deutlich größer als die SuSE-Box, es hat auch mit gut sieben Kilo deutlich mehr Content.

In einigen Punkten haben die Österreicher aber eindeutig vom größten deutschen Linux-Hersteller abgekupfert: Das Paket ist in einem ähnlichen Grün wie die SuSE Linux Professional Edition gehalten, und auch der Stern erinnert stark an die SuSE-typischen mathematischen Körper. Anders als die Nürnberger gibt Rösch aber nicht die zugrunde liegende Funktion an. Auch der 60-tägige Installationssupport, den SuSE für die Personal Edition bietet, findet sich beim Linux-Neuling in abgewandelter Form wieder – der Hersteller verspricht hier 60 Anwendungen.

Durchbruch im Heimbereich

Mit Rösch-Linux R15 dürfte endlich der große Durchbruch im Heimbereich gelingen, den IBM und andere eigentlich durch den Einbau teurer Embedded-Linux-Systeme in Haushaltsgeräten und durch Settop-Boxen erreichen wollten. Plus verkauft hier das erste waschmaschinen-taugliche Linux, mit dem wirklich jede Hausfrau etwas anfangen kann.

Rösch setzt offensichtlich auf eine Micro-Kernel-Architektur, wie sie zum Beispiel im Apple-Bereich bei MkLinux oder MacOS X zum einsatz kommt. Interessant sind die Umwandlungsfähigkeiten (Morphing), die sich Rösch wohl von Transmeta ausgeliehen hat: Unter bestimmten Umständen, insbesondere bei längerer Nicht-Nutzung und feuchtem Betriebsklima verbackt der sonst sehr handliche Micro-Kernel zu einem herkömmlichen großen Monolithen (Einkristall).

Wir testeten einen solchen Monolithen auf dem in Ausgabe 04/2001 vorgestellten Wortmann Optio X-800, die Langzeitstabilität konnte allerdings wie in Abbildung 1 zu sehen nicht überzeugen.

Abbildung 1: Auf unserem Testrechner ließ die Langzeitstabilität von Linux R15 sehr zu wünschen übrig

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