Nachbearbeitet
Bildbearbeitung mit Gimp, Teil 2
Es grünt so grün…
Wenden wir uns einem anderen Thema zu, dem Verändern von Farben. Auf der Heft-CD finden Sie das Bild http://wald.jpg, das eine Dschungelszene darstellt. Wie sie sicher erkennen, ist das Bild deutlich überbelichtet. Solche Fehler lassen sich mit den Befehlen aus dem <Bild>/Bild/Farben/... Menü korrigieren. Wählen Sie hier zuerst den Punkt Werte aus, es erscheint der Dialog aus Bild 9.
Hier können Sie nun die Grundhelligkeit des Bildes korrigieren. Im oberen Knopf des Dialoges können Sie einstellen, ob sie alle oder nur einzelne Farbkanäle (Rot, Grün oder Blau) bearbeiten wollen. Im Bereich darunter sehen Sie ein Histogramm, das angibt, wie die Farben im Bild verteilt sind. Über die Dreiecke unter den beiden grauen Farbverläufen können Sie genau kontrollieren, wie die Farben angepasst werden sollen. Das schwarze und das weiße Dreieck bei den Quellwerten werden auf das entsprechende Dreieck bei den Zielwerten abgebildet; mit dem grauen Dreieck kann man den Mittelwert noch etwas verschieben.
In unserem Fall reicht es, das graue Dreieck etwas nach rechts zu ziehen, um die etwas zu hellen mittleren Farbtöne ein wenig abzudunkeln. Wollen Sie hingegen eine etwas nebligere Atmosphäre erzeugen, können Sie die beiden Dreiecke bei den Zielwerten etwas zur Mitte ziehen. Dadurch wird der Kontrast deutlich verringert, man kommt sich wie im Siegerland vor.
Während das Werte-Werkzeug die Farben im Wesentlichen erhält, ist das Kurven-Werkzeug wesentlich flexibler. Starten Sie es über <Bild>/Bild/Farben/Kurven. In diesem Dialog können Sie fast beliebige Kurven definieren und so sehr leicht sogenannte Solarisationseffekte erzeugen (Abbildung 10). Die Ergebnisse erinnern unter Umständen an Falschfarbenbilder, wie man sie von Satellitenfotos her kennt. Auch hier können Sie die Einzelkanäle separat bearbeiten. Da die Regenwaldszene immer noch nicht so richtig saftig grün wirkt, könnten Sie zum Beispiel den Blauanteil etwas reduzieren.
Wählen Sie über den oberen Knopf den blauen Farbkanal aus und klicken Sie in dem Kurvenbereich etwas unterhalb der Mitte. Es wird in die Kurve ein zusätzlicher Stützpunkt eingefügt, die Kurve ist etwas "eingedellt". Im mittleren Helligkeitsbereich wird nun der Blauanteil etwas abgedunkelt, was sattere Grüns bewirkt. Spielen Sie mit den Kurven herum, bis sie die Idee dahinter begriffen haben. Es ist ein sehr mächtiges Werkzeug, um Farben zu korrigieren.
Perspektiven
Das letzte Werkzeug, dem wir uns heute zuwenden wollen, ist das Transformationswerkzeug, mit dem Sie Bilder verzerren können. Gimp stellt über die Werkzeugeinstellungen vier verschiedene Verzerrungstypen zur Verfügung: Rotation, Skalierung, Scherung, Perspektivisch. Besonders nützlich sind die Rotation und die perspektivische Verzerrung.
Die Arbeit mit den verschiedenen Typen ähnelt sich sehr. Beispielhaft möchte ich die perspektivische Verzerrung herausgreifen. Um aus unserem Urwald eine "schräg fotografierte Wandtapete" zu machen, wählen Sie Perspektivisch aus den Werkzeugeinstellungen und klicken in das Bild. Es erscheinen ein Gitter über dem Bild und ein zusätzlicher Dialog. Nun können Sie das Gitter im Bildfenster verzerren, indem Sie nahe in der Nähe der Eckpunkte klicken und sie an die Zielposition ziehen. Nach einem Klick auf Transformation wird das Bild entsprechend verzerrt.
Was besonders interessant ist: Alle diese Transformationen können auch korrigierend arbeiten: Wenn Sie zum Beispiel ein Bild schief eingescannt haben, wählen Sie die korrigierende Rotation (in den Werkzeugeinstellungen) und passen das Gitter an die Kanten an, die eigentlich gerade sein sollten. Nach einem Klick auf Rotieren wird das Bild geradegerückt. Man kann es nun mit dem Zuschneiden-Werkzeug auf das passende Format bringen und abspeichern.
Mit den grauen Vierecken, die möglicherweise beim Verzerren aufgetaucht sind, beschäftigen wir uns im nächsten Teil. Es stehen geheimnisvolle Dinge wie Transzen- äh, Transparenz und Ebenen auf dem Programm.
Glossar
Antialiasing
Methode, um Linien und Kanten glatter wirken zu lassen. Würde man eine schräge Kante nur mit den Farben Schwarz und Weiß malen, wären "Treppenstufen" unvermeidlich, ein Aliasing würde sichtbar. Verwendet man hingegen mehrere Grauwerte, um die Stufen auszugleichen, wirkt die Linie glatter. In Gimp arbeitet das Stiftwerkzeug ohne, das Pinselwerkzeug mit Antialiasing.
Rote-Augen-Effekt
entsteht häufig, wenn bei düsteren Lichtverhältnissen Portraits mit Blitz gemacht werden. Da dann die Pupillen weit geöffnet sind, wird das plötzlich auftretende Licht des Blitzes von der Netzhaut reflektiert, ähnlich wie bei Katzenaugen. Um das zu vermeiden, bieten die meisten Kameras einen Vorblitz, der die Pupillen veranlasst, sich zu schließen. So kann der Effekt reduziert werden.



