Gnomogram

News und Programme rund um GNOME

01.03.2001
GNOME und GTK als Programmbasis von GNOME haben in den letzten Jahren immer mehr Anhänger gefunden. Inzwischen gibt es Programme für fast jede Aufgabe, und täglich kommen neue hinzu. In der Rubrik Gnomogram wollen wir jeden Monat die Perlen unter den GNOME-Tools vorstellen und über die neuesten Gerüchte und Informationen zu GNOME berichten.

Aus Helix Code wird Ximian

Helix Code hat seinen Namen in Ximian [1] geändert (das X wird wie ein englisches Z gesprochen), um eine bessere rechtliche Handhabe gegenüber Trittbrettfahrern wie Helixcode UK [2] zu bekommen. Der neue, geschützte Name leitet sich von Simian, zu deutsch Affe, ab und passt sich insofern gut zum alte Erscheinungsbild. Für Benutzer von Helix GNOME ändert sich außer dem Namen, der auf wenig Gegenliebe stößt, vorerst nichts. Die Investoren scheint weder der neue Name noch die nicht all zu rosige Lage bei Linux-Startups zu stören – laut [3] haben Battery und Charles River Ventures Ximian mit weiteren 15 Millionen US-Dollar ausgestattet. :

Vorschau auf GTK+ 2.0

Einen kleinen Vorgeschmack auf die Möglichkeiten, die XFree86 4.0.2 eröffnet hat, bieten die Screenshots auf [4]. Die Schrift ist nicht nur weichgezeichnet, sondern es werden auch Unicode-Zeichen von Schriften dargestellt, die man von rechts nach links liest. Die Architektur, mit der das ermöglicht wurde, heißt Pango [5] und wird in Zukunft Teil von GTK+ werden.

Ebenfalls mit weichgezeichnetem Text, aber unabhängig von X Window entstanden sind die Screenshots auf [6] und [7]. Mit Hilfe von GtkFB wird direkt in den Framebuffer, eine Abstraktion der graphischen Hardware, geschrieben, was vor allen Dingen für den Embedded-Bereich interessant ist. Obwohl es damit möglich sein wird, GTK-Applikationen für den Framebuffer zu kompilieren, ist eine Framebuffer-Version von GNOME vorerst unwahrscheinlich, da GNOME weiterhin in vielen Punkten auf X Window basiert.

GNOME im Kino

Wie der Film Antitrust [8] zeigt, hat das Open-Source-Phänomen inzwischen sogar Hollywood erreicht. Der Film zeigt einen jungen Programmierer, der sich nach einigem Zögern von einer großen Software-Firma anstellen lässt und dort herausfindet, wie hart Konkurrenz werden kann. Neben Größen wie Tim Robbins haben in dem Film auch GNOME-Ikone Miguel de Icaza, Suns CEO Scott McNealy und der GNOME-Desktop selbst kurze Auftritte. Ob das allerdings Grund genug ist, sich den Film anzusehen, bleibt abzuwarten.

Gtktalog

In den Unmengen spärlich beschrifteter CDs, die heute viele besitzen, kann es in echte Arbeit ausarten, eine bestimmte Datei zu finden. Abhilfe schafft Gtktalog [9], das eine Datenbank mit dem Inhalt von CDs und Verzeichnissen anlegt. Neben dem Namen der jeweiligen Datei können auch noch Kategorien und Beschreibungen zu den einzelnen Dateien angegeben werden. Mit Hilfe von Plugins liest Gtktalog zusätzlich Informationen wie Tags aus Mp3s oder die Titel von HTML-Seiten aus und speichert sie. Archive werden von Gtktalog, ähnlich wie beim Midnight Commander, in virtuellen Unterverzeichnissen dargestellt und können durchsucht werden. Standardmäßig werden aus Archiven nur die Dateinamen ausgelesen – für das Änderungsdatum und andere Informationen muss die "Vollständige VFS-Suche" in Einstellungen/Such-Optionen ausgewählt werden, was natürlich eine größere Datenbank zur Folge hat.

Abbildung 1: Alle Mp3s auf einen Blick mit Gtktalog

GnomeKiSS

GnomeKiSS [10] ist eine Implemetation von KiSS, dem Kisekae Set System, für GNOME und ist eines der vergleichsweise wenigen GNOME-Programme, mit dem auch Kinder etwas anfangen können. Kisekae leitet sich aus dem japanischen "Kisekae Ningju" ab, was so viel wie "mit Anziehpuppen spielen" bedeutet. Die Puppen lassen sich, ähnlich wie ihre Vorbilder aus Papier, via Drag und Drop umkleiden. Das KiSS Set selber ist in der Regel ein LZH-Archiv, das GnomeKiSS mit Hilfe von lha entpackt, mit mehreren Bildern sowie einer Farbpalette und einer Konfigurationsdatei, die beschreibt, wie die einzelnen Bilder arrangiert werden. Es existieren zahlreiche, mehr oder weniger von GnomeKiSS unterstützte Erweiterungen dieses Systems: Cherry-KiSS etwa bietet größere Paletten, French-KiSS erweitert KiSS um Programmierbarkeit und erlaubt so mehr Interaktivität. Rund um KiSS ist mit der Zeit eine Szene von Designern entstanden, deren Puppen sich im Internet auf Seiten wie [11] befinden – besonders beliebt sind die Heldinnen bzw. Helden japanischer Anime-Serien, die ja inzwischen auch in Deutschland bekannt sind. Viele der sehr unterschiedlichen Puppen enthalten versteckte Effekte wie das obligatorische Zwinkern der Puppe und kleine Animationen sowie Sound-Effekte. Achten muss man nur darauf, dass sich zwischen den vielen Puppen auch nicht jugendfreie finden, die aber in der Regel auch als solche gekennzeichnet sind.

Abbildung 2: Sam & Max aus dem gleichnamigen Adventure

Tastenkombinationen unter GNOME

Neben GNOME selbst bietet vor allen Dingen Sawfish an, Funktionen auf Tastenkombinationen zu legen. Dazu eignen sich besonders die Windows-Tasten, denen man aber zuerst in der Datei ~/.Xmodmap einen Tastennamen zuordnen muss. Im Beispiel werden dem linken Windows-Logo F28, dem rechten F29 und der Menü-Taste F30 zugewiesen:

keycode 115 = F28
 keycode 116 = F29
 keycode 117 = F30

Diese Tastennamen können dann im GNOME-Kontrollzentrum unter Panel/Allgemeines angegeben werden, um das Menü oder den Ausführen-Dialog zu öffnen. Ärgerlich ist nur, dass es einen Unterschied bedeutet, ob Numlock, Capslock usw. aktiv sind oder nicht. Für eine Taste bei gesetztem Numlock muss man dementsprechend "Mod2-Tastenname", für eine Tastenkombination mit Strg "Control-Tastenname" angeben.

Wesentlich mehr Möglichkeiten für Tastenkombinationen bietet Sawfish unter Fenstermanager Sawfish/Tastenkürzel: Dort können den meisten Funktionen von Sawfish sowie einigen von GNOME Tasten zugewiesen werden. Neue Tastenkombinationen werden mit Hinzufügen unter Angabe einer Taste sowie eines Befehls erstellt. (Der Numlock-Status spielt hier keine Rolle.) Besonders nützlich sind die Befehle xterm und run shell command: Ersterer startet ein unter Fenstermanager Sawfish/Sonstiges angebenes Terminal-Programm, über den zweiten kann ein beliebiges Programm aufgerufen werden.

Glossar

LZH-Archiv

LZH ist ein älteres Archivformat, das unter MS-DOS sehr populär war. Wie in zip- oder tar.gz-Archiven finden sich auch hier mehrere Dateien oder ganze Verzeichnisbäume in komprimierter Form. Das Tool zum Erzeugen und Entpacken von lzh-Dateien unter Linux heißt lha und unterstützt auch die Unix-typischen Dateiattribute (Besitzer, Gruppe, Zugriffsrechte).

Der Autor

Björn Ganslandt ist Schüler und leidenschaftlicher Bandbreitenverschwender. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, neue Programme auszuprobieren, liest er Bücher oder spielt Saxophon.

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