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Das PDF-Format

01.02.2001 Die meisten Computer-Besitzer stolpern früher oder später über PDF-Dokumente. Handbücher zu Software findet man heutzutage oft nur noch in diesem Format auf den zugehörigen CD-ROMs vor. In diesem Artikel zeigen wir, was PDF ist, welche Programme es rund um das "Portable Document Format" unter Linux gibt, und was auch Sie selbst alles damit anfangen können.

PDF ist die Abkürzung für Portable Document Format, ein Dateiformat, das 1992 von der amerikanischen Firma Adobe entwickelt wurde. Zwei Jahre später entschloss man sich, das Format (d. h. den Bauplan einer PDF-Datei) offenzulegen und jedermann frei zugänglich zu machen. Allerdings ist PDF kein Standard – Adobe bestimmt weiterhin selbst, wie das Format aussieht und welche Erweiterungen in Zukunft aufgenommen werden.

Die Idee hinter PDF war und ist auch noch heute, das Problem des Datenaustauschs zu beheben. Hat man z. B. eine Datei unter StarOffice erstellt und möchte diese an eine weitere oder im Falle eines Handbuchs sogar an viele andere Personen weitergeben, ist es sehr wahrscheinlich, dass mindestens eine der verwendeten Schriftarten bei wenigstens einem der Benutzer nicht installiert ist. Dies hat unweigerlich zur Folge, dass diese Schriftart durch StarOffice ersetzt wird und das Dokument nicht mehr so angezeigt wird, wie dies vom Autor vorgesehen war. Selbst wenn das Dokument vom Original nur geringfügig abweicht, kann dies im professionellen Einsatz bereits zu einer kleinen Katastrophe führen. Ein weit größeres Problem – gerade wenn ein Dokument möglichst viele Menschen erreichen soll – ist, dass nicht jeder StarOffice installiert hat, bzw. es aus Platzgründen nicht installieren möchte. Gleiches gilt natürlich für andere Dateiformate wie die von Microsoft Word oder WordPerfect.

Das von Adobe ins Leben gerufene PDF-Format soll nun all diese Probleme beheben. Dabei stellen die relativ kleinen Betrachtungsprogramme für das PDF-Format sicher, dass das Dokument auf jedem Computer exakt gleich aussieht. Sie erlauben dem Benutzer das Betrachten, Durchsuchen und auch den Ausdruck des entsprechenden PDF-Dokumentes.

Zur Einführung des PDF-Formates war Adobe mit der Idee des Datenaustausches allerdings nicht ganz alleine: das Konkurrenzformat nannte sich Envoy und stammte von der Firma Novell. Dieses Format hatte gegenüber PDF den Vorteil, dass ein Betrachtungsprogramm für Windows gleich mit in die entsprechende Datei integriert werden konnte. Einige Zeit lang wurde das Erzeugungsprogramm für Envoy-Dateien sogar der WordPerfect Suite 7 beigelegt. Wegen des integrierten Windows-Viewers ist es aus Sicht der Linux-Gemeinde sicher zu begrüßen, dass PDF sich letztendlich durchgesetzt und Envoy vollständig verdrängt hat.

PDF wurde – auch und gerade durch das Internet – zu einem Standard für die Publikation von elektronischen Dokumenten aller Art. Eine wesentliche Rolle bei der raschen Verbreitung dieses Formates spielte das von Adobe kostenlos verteilte Anzeigeprogramm, der Acrobat Reader. Da er für fast alle Betriebssysteme erhältlich ist, ist in dieser Unabhängigkeit von einem speziellen Computer-System sicherlich der primäre Grund für den Erfolg von PDF zu sehen. Dabei ist das Format qualitativ sehr hochwertig, so dass es ab Version 1.2 im professionellen Druckbereich langsam aber sicher PostScript Konkurrenz macht. Ein weiterer Vorteil, den einige Dokumenten-Hersteller schätzen, ist der Manipulationsschutz: Ohne größeren Aufwand lassen sich PDF-Dateien nicht verändern.

Im Laufe der Zeit wurden durch Adobe immer wieder kleinere Verbesserungen, die gerade auch auf den Einsatz in professionellen Bereichen abzielen, durchgeführt, so dass mittlerweile auch Verknüpfungen (ähnlich den Hyperlinks in Internet-Seiten), das Erstellen eines Index und sogar das Einbinden von Video- und Klangsequenzen möglich sind. (Ein Index wird aus einer Gruppe von PDF-Dateien erstellt und in der Praxis oft für Inhaltsverzeichnisse genutzt.) Die neueste Version bietet neben vom Betrachter ausfüllbaren Formularfeldern auch Möglichkeiten zur Einbindung digitaler Unterschriften.

Das PDF-Dateiformat, das auf der ebenfalls weit verbreiteten Seitenbeschreibungssprache PostScript basiert, kodiert ein Ausgangsdokument so, dass es auf allen Computern und unter beliebigen Betriebssystemen immer wie das Originaldokument aussieht. Dazu werden die verwendeten Schriftarten und sämtliche Grafiken und Bilder mit in die PDF-Datei integriert. Dies hat den Vorteil, dass nur eine einzige Datei weitergegeben werden muss. Zusätzlich werden die in einer PDF-Datei enthaltenen Daten komprimiert, wodurch die Datei in der Regel kleiner als das Ausgangsdokument wird. Diese Eigenschaft prädestiniert PDF geradezu für den Einsatz im Internet. Aber Vorsicht: hat man ein Umwandlungsprogramm, das hohe Komprimierungsstufen zulässt, so muss man beachten, dass in diesem Fall auch die Qualität des gesamten Dokuments leidet und es dann evtl. nicht mehr in der Druckvorstufe einsetzbar ist.

Ein weiterer Vorteil gegenüber PostScript ist, dass Defekte in einer PDF-Datei besser abgefangen werden. Ist nur eine Seite zerstört, stehen die Chancen unter PDF besser, den Rest des Dokumentes noch zu retten.

Um aus einem vorliegenden Dokument eine PDF-Datei zu erzeugen, benötigt man ein entsprechendes Umwandlungsprogramm; außerdem empfiehlt sich für die Kontrolle ein Betrachtungsprogramm, das die so generierten PDF-Dokumente auf dem Bildschirm anzeigen kann. Unter Linux heißt der Dreh- und Angelpunkt Ghostscript in Verbindung mit Ghostview. Diese beiden Programme sind kostenlos im Internet erhältlich und sollten (wie übrigens alle im Folgenden beschriebenen Programme) jeder Distribution beiliegen. Manchmal werden insbesondere die kleineren Werkzeuge etwas versteckt oder in verschiedene Kategorien verteilt.

Ansichten

Der Klassiker unter den PDF-Betrachtungsprogrammen ist sicherlich der Acrobat Reader, der allerdings unter Linux leider nur in Englisch erhältlich ist. Acrobat Reader liegt zur Zeit in der Version 4 vor und bietet neben der wohl komfortabelsten Bedienoberfläche auch Suchfunktionen und die Möglichkeit, die gerade betrachtete PDF-Datei zu drucken. Texte und Grafiken lassen sich kopieren, sofern der Dokument-Hersteller diese Funktionen nicht bei der Erzeugung im Dokument gesperrt hat. Des weiteren bietet Acrobat Reader die Möglichkeit, eigene Lesezeichen (die sog. Bookmarks) zu definieren: Dazu muss die Liste mit den Lesezeichen am linken Bildschirmrand eingeblendet werden (Windows/Show Bookmarks). Unterhalb dieser Liste, am unteren Bildschirmrand, befinden sich zwei Schaltflächen. Mit der linken können Sie ein neues Lesezeichen anlegen. Ab sofort können Sie mit einem Klick auf dieses Lesezeichen die entsprechende Stelle im Dokument direkt anspringen.

Abbildung 1: Acrobat Reader ist für fast alle Betriebssysteme erhältlich

Die Alternative zum Acrobat Reader ist das schon erwähnte Ghostscript mit den darauf basierenden Programmen. Bei GhostScript handelt es sich um einen kostenlosen Interpreter für die Seitenbeschreibungssprachen PostScript und PDF. Mithilfe dieses Programms ist es möglich, PostScript-Dateien auch ohne einen speziellen PostScript-fähigen Drucker auszudrucken oder auf dem Bildschirm zu betrachten. So wird GhostScript unter Linux häufig eingesetzt, wenn ein Drucker nicht von sich aus PostScript beherrscht. Darüber hinaus verfügt GhostScript über ein paar interessante Zusatzfunktionen, die im Folgenden genutzt werden sollen. GhostScript selbst wird über Textkommandos gesteuert; da dies recht umständlich ist, gibt es ein paar grafische Frontends wie GhostView, gv oder KGhostView, von denen mindestens eines Ihrer Distribution beiliegen dürfte. Diese Programme sind in ihrer Bedienung ziemlich ähnlich – sie unterscheiden sich im wesentlichen nur durch die Anordnung der Schaltflächen. Alle drei Programme beschränken sich im Funktionsumfang auf die Navigation und den Ausdruck von PostScript- und PDF-Dateien.

xpdf

Eine recht unbekannte Alternative zum Anzeigen von PDF-Dateien bietet das Programm xpdf. Diese kleine Anwendung wirkt von ihrem Erscheinungsbild wie eine Mischung aus Acrobat Reader und GhostView. Auch dieses Programm beschränkt sich auf die reinen Anzeige- und Druck-Funktionen. Die wesentlichen Dateifunktionen erreichen Sie übrigens, indem Sie auf der Zeichenfläche die rechte Maustaste betätigen.

Abbildung 2: xpdf ist schon ein Klassiker

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter http://www.tim-schuermann.de.


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LinuxUser 06/2012

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