XFree86 4.0 - die neue Version

NeXt Generation

Microsoft wirbt für sein Betriebsystem Windows mit einer Funktion, die es erlaubt, zwei Grafikkarten gleichzeitig zu betreiben. Das neue XFree86 4.0 geht einen Schritt weiter und steuert unter Linux gleich eine ganze Monitorwand. In diesem Artikel sagen wir Ihnen, was XFree86 überhaupt ist und was die neue Version 4.0 auch für Anwender bringt, die ein solches Bildschirmmonster nicht ihr Eigen nennen.

SuSE liefert seine neue Distribution SuSE Linux 7.0 standardmäßig mit dem neuen XFree86 4.0 aus – und legt mit SaX2 ein komfortables Einrichtungsprogramm gleich mit bei. Bereits im Vorfeld wurde XFree86 4.0 wegen seiner umfassenden Neuerungen lange heiß erwartet. Wir sagen Ihnen, wie Sie auf die neue Version umsteigen und was sich gegenüber XFree86 3.3.x geändert hat. Zum Einstieg aber zunächst ein wenig Hintergrundwissen.

Am Anfang war der Text

Wenn Sie heutzutage Ihr Linux-System starten, finden Sie sich nach geglückter Anmeldung meistens in einer grafischen Arbeitsumgebung wieder. Dies war jedoch nicht immer so. Linux war ursprünglich kein grafisches Betriebssystem: In seinen Anfängen wurde es fast ausschließlich über Textkommandos gesteuert. Unter anderen Unix-Betriebsystemen gab es bereits das sogenannte X-Window-System, auch kurz X11 genannt, das gemeinsam von DEC und dem "Project Athena" am MIT ins Leben gerufen wurde. Nach einigen Umwegen ist heute "The Open Group" für dessen Weiterentwicklung zuständig.

Unter Linux schlossen sich vor ein paar Jahren einige Programmierer zum "XFree Project" zusammen und entwickelten eine kostenlose Variante des X11-Systems, die den Namen "XFree86" erhielt. Mittlerweile ist aus dem "XFree Project" eine Firma namens "The XFree Project, Inc." entstanden, die sich voll und ganz der Weiterentwicklung dieser freien und somit auch kostenlosen, grafischen Oberfläche widmet.

Klienten und Servierer

Das X-Window-System besteht – anders als Windows – aus zwei Teilen: einem sogenannten "X-Server" und den Anwendungsprogrammen. Der X-Server ist ein Programm, das einzig und allein für die Grafikausgabe zuständig ist. Es bildet gewissermassen das Bindeglied zwischen der Grafikkarte (also der Hardware) und den Anwendungsprogrammen. Wenn ein X-Server von einem Programm die Anweisung bekommt: "zeichne ein Rechteck", dann wandelt er diesen Befehl in einen für die Grafikkarte verständlichen Befehl um und sendet ihn anschließend an diese weiter. Es ist leicht einzusehen, dass ein Programmierer die Grafikkarte genau kennen muss, wenn er einen solchen X-Server schreiben möchte. Leider halten viele Grafikkartenhersteller Informationen über ihre Produkte zurück, so dass die neueste Hardware meistens nur mit größeren Verzögerungen unterstützt werden kann. Ein weiteres Problem lag in der Vergangenheit darin, dass für jede Grafikkarte ein eigener X-Server programmiert werden musste. Die Programmierer von XFree86 haben dieses Problem etwas umgangen, indem Sie die Unterstützung für mehrere Grafikkarten in nur einen einzigen X-Server "gepresst" haben. Das Ergebnis ist der fast schon legendäre "SVGA"-X-Server. Da dieser Server für mehrere Grafikkarten gleichzeitig gerüstet sein muss, wird das fertige Produkt in seinem Umfang relativ groß.

Der X-Server selbst beherrscht nur rudimentäre Zeichenfunktionen. Das Darstellen von Fenstern übernimmt ein spezielles Anwendungsprogramm, der sogenannte "Window-Manager" (dt.: Fenster-Manager). Er bestimmt, wie der Hintergrund, die Rahmen und die Symbole aussehen sollen. KDE und GNOME bilden gleich zwei komplette Fenster-Manager-Pakete, die neben dem eigentlichen Window-Manager, noch weitere Programme wie z. B. einen Dateimanager beinhalten. (Um ganz korrekt zu sein: GNOME selbst enthält keinen eigenen Window-Manager, wird aber meistens zusammen mit einem GNOME-kompatiblen Window-Manager wie Sawfish oder Enlightenment eingesetzt).

Diese Unterscheidung in Server und Anwendungsprogramme (man nennt das System auch "Client and Server") mag auf den ersten Blick unnötig kompliziert aussehen, sie ist aber – insbesondere in einem Netzwerk – viel leistungsfähiger: So können Sie z. B. ein Programm auf einem entfernten, leistungsstarken Computer ablaufen lassen und die grafischen Ausgaben auf einen vollkommen anderen (etwa Ihre Workstation) umlenken.

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