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Aus einem Guss

Allround-Konfigurations-Tools

Neue Dateisysteme einbinden

Wenn Sie Ihrem Rechner ein neues Speichermedium (z. B. 2. Festplatte, DVD-Laufwerk o. ä.) gönnen oder etwa auf eine Festplattenpartition eines weiteren Rechners in Ihrem kleinen Privatnetzwerk zugreifen möchten, dann müssen Sie diesen Speicherzuwachs natürlich zuvor Ihrem Linux-System irgendwie mitteilen. Die zentrale Konfigurationsdatei für solche Mitteilungen ist unter Linux die Datei /etc/fstab. Nur diejenigen Laufwerke, die darin aufgeführt sind, können prinzipiell in das System eingebunden werden. Bei lokalen Dateisystemen funktioniert dies mit dem bekannten mount-Befehl, für den Zugriff auf NFS-Verzeichnisse von entfernten Rechnern sorgt normalerweise der Systemdienst netfs.

Abbildung 3: Einbinden neuer bzw. Veränderung bestehender Dateisysteme mit Linuxconf

Abbildung 4: Das Webmin-Benutzerinterface zur Neueingabe/Änderung von Dateisystemen

Wenn Sie die manuelle Eingabe neuer Einträge scheuen, bieten unsere beiden Allround-Konfigurationstools auch hier wieder die Möglichkeit, mehr oder weniger bequem neue Dateisysteme in die /etc/fstab einzutragen bzw. bestehende bei Bedarf zu verändern. Linuxconf hält die entsprechende Config-Sektion unter dem Punkt Filesystems für Sie bereit. Interessant sind insbesondere die Menüpunkte Access local drive, Access nfs volume und Configure swap files and partitions. Bei Webmin werden Sie in Platten- und Netzwerk-Dateisysteme unter dem Register System fündig.

Grundlagen

Ähnlich wie im obigen Fall der Lilo-Neukonfiguration ist es auch bei der Einbindung neuer Dateisysteme wichtig, den prinzipiellen Aufbau der Konfigurationsdatei zu verstehen, die letztlich von den Frontends der Konfigurationstools bearbeitet wird. Auch hier möchte ich mich aus Platzgründen auf die Vorstellung der jeweils wichtigsten Optionen beschränken. Zunächst einmal ist es interessant zu wissen, dass jedes prinzipiell einhängbare Dateisystem in der /etc/fstab durch genau eine Zeile repräsentiert wird. Die im folgenden vorgestellten Einstellungsoptionen werden dabei durch ein Leerzeichen bzw. Tabulator-getrennt hintereinander geschrieben.

An erster Stelle steht normalerweise jeweils der Name des zu mountenden Devices, z. B. dev/hda3 für die dritte Partition auf der ersten IDE-Festplatte oder /dev/sda4 für ein SCSI-Laufwerk. Da es inzwischen diverse Möglichkeiten des automatischen Einhängens von Wechselspeichermedien gibt, z. B. autofs oder supermount, kann es in der /etc/fstab Ihres Systems übrigens hier, wie im folgenden, durchaus zu kleineren Abweichungen kommen, auf die ich aber hier leider nicht näher eingehen kann. Konsultieren Sie ggf. die Manpages des betreffenden Automount-Tools.

An zweiter Stelle folgt der sogenannte Mountpoint, also jenes Verzeichnis im root-Dateisystem, in das das Device ggf. eingehängt werden soll. Manche Linux-Distributionen haben für Dateisysteme eigens ein /mnt-Verzeichnis eingerichtet, in dem sich die meisten Mountpoint-Verzeichnisse befinden. Wenn Sie ein neues Dateisystem einhängen wollen, dann müssen Sie also ggf. zuvor mit mkdir Verzeichnisname ein sinnvolles Verzeichnis anlegen, das mit dem entsprechenden Mountpoint-Eintrag in der /etc/fstab übereinstimmen muss. Die sogenannte Swap-Partition, das Äquivalent zur Auslagerungsdatei unter Windows, sollte übrigens den Mountpoint "none" erhalten.

An Position drei wird der Typ des Dateisystems näher spezifiziert. Zur Auswahl steht ein gutes Dutzend von Dateisystemtypen (siehe Tabelle "Die gängigsten Dateisystemtypen im Überblick").

Die gängigsten Dateisystemtypen im Überblick

Dateisystem-Kürzel Dateisystem
ext2 Second Extended Filesystem, das derzeitige Standard-Dateisystem von Linux
swap spezielle Linux-Partition für die Speicherauslagerung
proc Proc Filesystem (ein virtuelles FS, das abrufbare Systeminformationen enthält)
msdos MSDOS-Dateisystem, das ältere DOS-Format (maximal 8 Zeichen für den Dateinamen)
vfat Windows95-Dateisystem, das heutige Windows-Format (auch längere Dateinamen)
iso9660 Dateisystem für CDROM-Laufwerke (nur Lesen)
nfs Network Filesystem (für entfernte Partitionen in lokalen Netzwerken)
reiserfs Reiser Filesystem (ein relativ stabiles Journaling Filesystem für Linux)
autofs/supermount zwei Kernel-basierte Lösungen, um austauschbare Datenträger automatisch einzuhängen

An den hinteren drei Positionen können schließlich noch einige weitere Optionen übergeben werden, mit denen die Eigenschaften des Dateisystems näher bestimmt werden. Position 4 enthält dabei nähere Angaben für den lokalen mount-Befehl bzw. dem entfernten Mount über nfs. An Position 5 können Informationen für den dump-Befehl (Backup von ganzen Partitionen) hinterlegt werden, während die letzte Position dazu dient, die Reihenfolge festzulegen, in der die einzelnen Dateisysteme im Falle eines Reboots von fsck geprüft werden sollen. Nähere Angaben zu diesen Zusatzoptionen finden Sie bei Bedarf in den entsprechenden Manpages zu mount, nfs, dump und fsck.

Insgesamt zeigen meines Erachtens die beiden hier behandelten Konfigurationsbeispiele, dass sich Frontends für Konfigurationsdateien wie Linuxconf und Webmin bisher nur sinnvoll bedienen lassen, wenn der Benutzer bereits über ein Minimum an Vorkenntnissen über den Aufbau der dahinterliegenden Konfigurationsdateien verfügt. Wenn diese Allround-Konfigurationstools auch für Linux-Anwender ohne entsprechende Vorkenntnisse bedienbar sein sollen, dann erscheint mir die Implementierung einer umfangreichen Hilfe bzw. Kurzerklärungen und Empfehlungen zu jedem Unterpunkt der Konfiguration unabdingbar.

Neben Linuxconf und Webmin gibt es selbstverständlich noch einige weitere Projekte, die einen umfassenden Ansatz der Systemkonfiguration anstreben. Im reinen Linux-Bereich sind hier sicherlich die Konfigurationstools von Linux-Mandrake und Caldera zu nennen. MandrakeSoft hat zum einen ein Entwickler-Projekt namens Harddrake ins Leben gerufen, welches zum Ziel hat, die Hardware-Erkennung und -konfiguration unter Linux komfortabler zu gestalten. Zum anderen ergänzt MandrakeSoft durch sein Konfigurationstool DrakConf, ähnlich übrigens wie sein Ziehvater Red Hat dies mit seinem Control-Panel versucht, die bisherigen Konfigurationsmöglichkeiten von Linuxconf um einige wichtige Elemente. Caldera hat bereits vor zwei Jahren ein Projekt mit ähnlich universalem Anspruch wie die hier vorgestellten Allround-Konfigurationstools ins Leben gerufen. Das Konfigurationstool nennt sich COAS (Caldera Open Administration System). Obwohl Caldera dieses Projekt ausdrücklich distributionsübergreifend und lizenzrechtlich weitgehend unbedenklich angelegt hat, scheint die Zukunft des Projekts derzeit eher ungewiss. Die letzte Release (1.1) von COAS wurde jedenfalls vor gut einem Jahr veröffentlicht. Im weiteren Unix-Umfeld gibt es natürlich schon länger menü- bzw. GUI-basierte Administrations- und Konfigurationstools, so z. B. das Monitoring & Administration Tool (MAT). Diese legen aber historisch bedingt in der Regel einen noch stärkeren Schwerpunkt auf die Bereiche Netzwerk- und Benutzerverwaltung als Linuxconf und Webmin dies ohnehin schon tun.

Aus der Sicht des Linux-Anwenders wäre ein GPL-basiertes Universal-Tool, das alle wesentlichen Elemente der Systemadministration in sich vereint und darüber hinaus auch von Unerfahreneren bedienbar ist, jedenfalls äußerst begrüßenswert. Leider zählt der Bereich der Systemkonfiguration derzeit noch zu den "heiligen Kühen" der verschiedenen Distributoren. Jeder kocht hier so sein eigenes Süppchen, wohl in der Hoffnung, durch ausreichend starke Produktdifferenzierung die Gunst der Käufer längerfristig für sich zu gewinnen, allen voran übrigens die deutsche SuSE mit ihrem Mammuttool yast. Dabei erscheint doch gerade ein distributionsübergreifend einsetzbares Allround-Konfigurationstool, das durch hohen Bedienkomfort wie umfassende Einstellungsoptionen gleichermaßen glänzt, die richtige Strategie, um noch mehr Windows-vertrossene Anwender auf den Linux-Desktop zu locken . Außerdem will man sich auch (oder gerade) als Anwender nicht dauerhaft an eine einzige Distribution binden, nur weil man den Umstieg auf gänzlich neue Konfigurationstools scheut.

Glossar

Master Boot Record

Der MBR ist der physikalisch erste Sektor einer Festplatte. Wenn Sie Ihr Betriebssystem von der Festplatte booten, dann lädt das BIOS den Inhalt des MBR an eine feste Adresse im Speicher. Dieser kleine Programmcode übernimmt dann die Kontrolle und lädt entweder direkt das Betriebssystem von einer startfähigen Festplatten-Partition, oder im Fall von mehreren parallel installierten Betriebssystemen einen Bootloader wie LILO.

Infos

[1] Homepage von Linuxconf: http://www.solucorp.qc.ca/linuxconf/

[2] Übersicht verfügbarer Module für Linuxconf: http://www.solucorp.qc.ca/linuxconf/modules.hc

[3] Homepage von Webmin: http://www.webmin.com/webmin/

[4] Übersicht über "Third Party" Modules für Webmin: http://www.thirdpartymodules.com/webmin/

[5] Homepage von SuSE: http://www.suse.de/

[6] Harddrake Projekt von MandrakeSoft: http://www.linux-mandrake.com/harddrake/

[7] COAS von Caldera: http://www.coas.org/

[8] Homepage von MAT: http://www.ee.ryerson.ca/~sblack/mat/

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LinuxUser 06/2012

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