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Theocracy

Linux Games

01.09.2000
Theocracy ist ein Echtzeitstrategiespiel, das den Spieler in das Mexiko des 16. Jahrhunderts führt. Es gilt, gegen die spanischen Konquistadoren in einer großen umfassenden Kampagne oder in acht einzelnen kampforientierten Missionen gegen einen starken Computergegner anzutreten. Alternativ kann man sich im Netzwerk natürlich auch mit anderen Spielern messen.

Das erste, was mir auffällt, ist, dass auf der Spielepackung kein Linux-Logo prangt, sondern unter der Überschrift "Systemvoraussetzungen (Minimum)" an letzter Stelle "oder Linux" folgt. Anstatt eine separate Linux-Version auf den Markt zu bringen, hat man sich also für Windows- und Linux-Versionen des Spieles auf einer CD-ROM entschieden. Warum auch nicht? Natürlich habe ich beide Versionen installiert, um diese vergleichen zu können.

Der einzige Unterschied besteht in der Installationsroutine: Unter Windows startet die Autorun-Funktion sofort den Installer; bei Linux gelangt man nur mit etwas Suchen zur Installationsroutine. Eine Beschreibung hierzu fehlt leider im sonst recht umfangreichen Handbuch, das immerhin 71 Seiten lang ist.

Die Installation ist denkbar einfach: Nach dem Mounten der CD wechselt man in das CD-Verzeichnis. Danach ist nichts weiter nötig, als das Installationsskript linux/inst.linux aufzurufen und der menügeführten Installation zu folgen. Der Start des Skriptes unter X11 funktioniert nur aus einem Terminalfenster heraus, nicht durch einen Doppelcklick im kfm-Dateimanager. Wichtig ist auch, dass man unbedingt den Gerätedateinamen der Soundkarte kennt und diese auch korrekt konfiguriert hat. Bemerkenswert (weil noch nicht bei allen Linux-Games üblich) ist, dass das Spiel bis auf die Sprachausgabe in deutscher Sprache zur Verfügung steht.

Nach der Installation belegt das Spiel 171 MB auf der Festplatte. Der Start erfolgt durch Eingabe von ./theocracy im Verzeichnis /usr/games. Es empfiehlt sich, ein Icon für das Spiel auf den Desktop einzurichten.

Begrüßt wird der Spieler mit einer farbenprächtigen Intro, die allerdings etwas zu kurz geraten scheint. Untermalt wird das Ganze mit gelungenem Sound. Dieser Auftakt stimmt auf die Spielhandlung im Mexiko des 16. Jahrhunderts ein.

Das Menü des Spiels ist etwas gewöhnungsbedürftig. Hier empfiehlt sich unbedingt ein Blick in das Handbuch, sonst errät man kaum, was sich hinter Anleitungssystem, Prophezeihung und Chroniken verbirgt.

Um das Spiel Stück für Stück kennenzulernen, sollte man die einzelnen Abschnitte des Tutorials anspielen und sich danach an die acht einzelnen Missionen, die man unter Chroniken findet, wagen oder auch ein riesiges Reich unter dem Menüpunkt Prophezeiung aufbauen. Letzteres sowie die Möglichkeit, sich im Netzwerk mit anderen Spielern zu messen, hat mir am meisten Spaß gemacht.

Abbildung 1: Mitten im Kampfgetümmel

Ungewöhnlich ist die Kombination von Aufbaustrategie, Wirtschaft, Diplomatie, Kampf und Magie. Zaubern können nur die Priester, von denen man aber beliebig viele besitzen kann. Die einzelnen Sprüche sind in fünf verschiedene Kategorien, sogenannte Sphären, unterteilt; daneben gibt es einige Gegenstände, die magische Fähigkeiten besitzen und die man schleunigst unter seine Fittiche bekommen sollte.

Fazit

Theocracy bietet Echtzeitstrategie vom Feinsten. Es macht Spaß, sich ein Reich aufzubauen und die Spanier zu verkloppen. Die Handlung wird von stimmungsvollen Grafiken, Render-Sequenzen und einer gelungenen Sound-Kulisse untermalt. Positiv fallen die Spieltiefe und die Kombination von Aufbau-, Wirtschaft- und Kampfspiel auf. Abzüge gibt es für die Installation im Textmodus, die fehlende Installationsanleitung, die nicht übersetzte Sprachausgabe und das ungewöhnliche Menü.

Theocracy

Langzeitspielspaß: 95%
Grafik: 90%
Sound: 80%
Steuerung: 70%
Multiplayer: 85%
Gesamtwertung: 84%

Der Autor

René Gäbler ist freischaffender Autor und schreibt Bücher zu Linux- und Windows-Themen. Er beschäftigt sich seit zwei Jahren mit Linux und ist damit noch ein Newbie. In seiner Freizeit bastelt er an einer kommerziellen Web-Seite und versucht sich mit einem Fernstudium an der Kunstschule Zürich.

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