Friedliche Koexistenz
LTOOLS - Lesen und Schreiben von Linux-Dateien unter Windows 9x und Windows NT
Historisches
Die LTOOLS sind nicht über Nacht entstanden. Die erste Version wurde, noch unter dem Namen lread, von Jason Hunter und David Lutz an der Willamette University, Salem/Oregon (USA) geschrieben. Auf der Suche nach einem geeigneten Werkzeug stolperte ich bei einer Web-Recherche 1996 über dieses Programm, probierte es aus - und siehe da: Es funktionierte auf meinem Rechner nicht! Jason und David hatten schlicht nicht damit gerechnet, dass jemand für Linux statt einer primären auch eine erweiterte Partition verwenden könnte. Nachdem das Problem verstanden und notdürftig behoben war und dabei einige weitere vermeintliche Schwachstellen entdeckt wurden, ergab eine Email-Diskussion mit Jason und David, dass ich die Pflege und Weiterentwicklung übernehmen sollte.
In der ersten Version konnte das Programm nur Verzeichnisse anzeigen und Dateien von Linux nach DOS kopieren, die Festplattengröße war der damaligen Zeit entsprechend (!) auf 512MB begrenzt. Schrittweise lernten die LTOOLS dann mit größeren Platten umzugehen, SCSI-Platten anzusprechen, Linux-Dateien auch zu schreiben, nicht nur unter DOS, sondern auch unter Windows 9x und dann auch unter Windows NT zu funktionieren, wurden zurück nach UNIX portiert, um sie auch unter Solaris und sogar unter Linux selbst einsetzen zu können, bekamen eine Webbrowser-basierte und eine Java-basierte graphische Oberfläche usw. usw.. Viele Linux-Anwender haben bei der Fehlersuche und -beseitigung mitgeholfen. Die wichtigsten sind im Quelltext namentlich genannt. Danke!
Mittlerweile sind die LTOOLS bei Versionsnummer 4.9 angekommen, wahrscheinlich noch höher, wenn dieser Artikel erscheint, und haben eine Menge an Bugfixes gesehen, aber vermutlich wurden neben vielen neuen Features auch eine Menge neuer Bugs eingebaut. Ein ständiges Problem sind die immer größer werdenden Festplatten. Schon historisch sind die 512MB-Grenze und die 2GB-Grenze für DOS-Partitionen, die vom PC-BIOS verursachte 8GB-Grenze sowie die diversen Schwierigkeiten, die Windows NT bei 2, 4 und 8GB hat. Die LTOOLS haben darunter immer wieder gelitten, weil neue Methoden für das eigentlich so einfache Lesen und Schreiben der rohen Daten-Bytes von der Platte eingebaut werden mussten. Und weil die verschiedenen Disk-Manager und Festplattenpartitionierungsprogramme diese Grenzen immer wieder in unkonventioneller Weise übersprungen haben, weil die technologische Entwicklung bei den Festplatten viel schneller abläuft als die Standardisierungsanstrengungen der PC-Hersteller folgen können. Also nicht böse sein, falls die LTOOLS auf Ihrer superneuen 100GB-Platte mit der 64GB-ext2-Partition, der 32GB-Swap-Partition und den restlichen 4GB für Windows nicht funktionieren sollten, sondern einfach bei der Weiterentwicklung mithelfen …
Und vergessen Sie nicht: Benutzung auf eigene Gefahr! Beim Lesen von Linux- Dateien kann eigentlich nicht viel passieren. Beim Schreiben von Linux- Dateien, insbesondere aber beim Löschen oder auch nur Ändern der Dateiattribute können die LTOOLS, und Sie als Anwender (!), eine Menge Unsinn anstellen. Daher: Always keep a backup!
Der Autor
"Im wirklichen Leben" lehrt Werner Zimmermann Regelungstechnik, Digital- und Rechnertechnik an der FH Esslingen - Hochschule für Technik. Systemnahe Programmierung für und unter Linux hat er 1994 begonnen, weil er sich geärgert hat, dass sein damaliges CDROM-Laufwerk unter Linux nicht lief … So entstand der Kerneltreiber 'aztcd.c', der bis heute fester Bestandteil aller Linux-Kernel ist und auch in der neuesten Kernelversion noch funktioniert, obwohl das Laufwerk selbst inzwischen hoffnungslos veraltet ist. Die LTOOLS entstanden, weil seine Dateien ständig auf der falschen Festplatte gespeichert waren (siehe oben) … Außerdem musste er den "richtigen" Softwareentwicklern ja 'mal zeigen, dass einer, der eigentlich aus dem "Embedded Control"-Bereich (Kfz- Elektronik) kommt, im Zweifel auch auf "anständigen" Rechnern und mit "erwachsenen" Betriebssystemen ein lauffähiges Stück Software zu Wege bringt. Zu erreichen ist er über http://www.it.fht-esslingen.de/~zimmerma.
Infos
[1] http://www.it.fht-esslingen.de/~zimmerma/software/ltools.html: Die LTOOLS-Homepage.
[2] http://metalab.unc.edu/pub/Linux/system/filesystems/ext2/ext2tool_1_1.lsm: Claus Tondering's Ext2tool
[3] http://metalab.unc.edu/pub/micro/pc-stuff/Linux/utils/dos/ext2nt.lsm: Peeter Joot's Ext2nt
[4] http://uranus.it.swin.edu.au/~jn/linux/explore2fs.htm: John Newbigin's Explore2fs



