Von Eigene Dateien zu /home/user

Dateien hier wie da

Nach dem Umstieg von Windows auf Linux verwirrt nicht nur die neue Umgebung – auch die Ablage der privaten und System-Dateien läuft anders als gewohnt. Wir zeigen Ihnen, wo die Daten unter Windows und Linux liegen.

My home is my castle

Windows-Benutzer sind es gewohnt, private Dokumente wie selbst erstellte Texte, Dateien aus dem Internet oder eingescannte Bilder in Unterverzeichnissen von c:\Eigene Dateien abzulegen. Unter Linux gibt es (neben den dort unnötigen Laufwerksbuchstaben) kein solches Verzeichnis. Dies liegt daran, dass Linux ein echtes Mehrbenutzer- ("Multi User") Betriebssystem ist. Jeder Benutzer (auch wenn es tatsächlich nur einen gibt) hat ein eigenes Heimatverzeichnis (in Linux-Deutsch: Home-Verzeichnis), das in der Regel unterhalb von /home liegt und wie der Login-Name heißt – bei einem Benutzer linux also /home/linux/. Bei der Gelegenheit passt noch einmal der Hinweis, dass Linux (und alle anderen Unix-Systeme auch) den normalen Schrägstrich "/" zum Trennen der Verzeichnisnamen verwendet, nicht den Backslash "\", wie unter Windows üblich.

Ihr Home-Verzeichnis ist also der Ort, an dem Sie eigene Dateien speichern können; für die meisten anderen Verzeichnisse besitzen Sie als "normaler" User (also immer dann, wenn Sie nicht als root angemeldet sind) auch gar keine Schreibrechte: Versuchen Sie beispielsweise einmal, mi

touch /etc/test

eine neue Datei im Verzeichnis /etc/ zu erzeugen: Linux wird dies mit der Fehlermeldung "touch: /etc/test: Permission denied" quittieren.

Doch "Eigene Dateien"

Wenn Sie Linux parallel mit Windows auf Ihrer Festplatte installiert haben, möchten Sie vielleicht lieber ein gemeinsames Verzeichnis zur Ablage Ihrer Dateien verwenden – unabhängig davon, unter welchem Betriebssystem Sie gerade arbeiten. Nichts einfacher als das: Wir zeigen Ihnen, wie Sie generell Ihre Daten im Windows-Verzeichnis Eigene Dateien ablegen können, da Linux problemlos auf Windows-Dateisysteme zugreifen kann. (Andersrum geht es auch, dazu ist aber zusätzliche Software notwendig.)

Zunächst muss dazu natürlich die Windows-Partition gemountet sein. Wenn Sie mit Windows 95/98 arbeiten, dann haben Sie vermutlich die passende Partition schon in das Linux-Dateisystem eingebunden; z. B. unter /mnt/windows/ oder /mnt/dos/ – werfen Sie dazu einen Blick in die Datei /etc/fstab, die alle beim Systemstart einzubindenden Partitionen anzeigt. Dort finden Sie dann eine Zeile der Form

/dev/hda1  /mnt/dos  vfat  defaults  0 0

Die Bedeutung dieser Zeile ist einfach: die erste primäre Partition auf der ersten IDE-Festplatte (hda1) ist vom Typ VFAT (Windows) und wird mit Standard-Einstellungen unter dem Verzeichnis /mnt/dos/ eingebunden. Sollte keine solche Zeile existieren, müssen Sie sie als Administrator root hinzufügen (siehe Kasten Windows-Partition einbinden).

Windows-Partition einbinden

Das Einbinden der Windows-Partition geschieht folgendermaßen: Werden Sie zunächst mit su (und nachfolgender Eingabe des Administrator-Passworts) zum "Superuser" root. Geben Sie dann den Befehl fdisk -l ein, um eine Liste aller gefundenen Partitionen zu erhalten. Es erscheint eine Ausgabe der folgenden Form:

Disk /dev/sda: 255 heads, 63 sectors, 2231 cylinders
Units = cylinders of 16065 * 512 bytes
   Device Boot Start   End    Blocks   Id  System
/dev/sda1   *      1   510   4096543+   7  FAT16
/dev/sda2        511  2231  13823932+   5  Extended
/dev/sda5        511   637   1020096    6  FAT16
/dev/sda6        638   765   1028128+  83  Linux
/dev/sda7        766  1530   6144831   83  Linux
/dev/sda8       1531  2215   5502231   83  Linux
/dev/sda9       2216  2231    128488+  82  Linux swap

Alle mit "FAT" gekennzeichneten Partitionen sind Windows-"Laufwerke": Die erste (oder einzige) entspricht C: unter Windows. Öffnen Sie nun die Datei /etc/fstab in einem Editor und ergänzen Sie eine Zeile der Form

/dev/sda1  /mnt/dos  vfat  defaults  0 0

(Dabei ist sda1 durch die eben herausgefundene Bezeichnung der Windows-Partition zu ersetzen.) Speichern Sie die Datei, und erzeugen Sie (falls noch nicht vorhanden) ein Verzeichnis /mnt/dos – das war's. Jetzt können Sie die Partition mit mount /mnt/dos einbinden; bei den nächsten Systemstarts wird dies automatisch geschehen.

Sie können nun schon mal einen ersten Blick in Ihr privates Windows-Verzeichnis werfen – es liegt unter /mnt/dos/Eigene Dateien. (Dabei ist /mnt/dos durch den tatsächlichen Mount-Punkt zu ersetzen, der in der /etc/fstab eingetragen ist.) Wenn Sie nun aber in einer Konsole den Befehl

ls -l /mnt/dos/Eigene Dateien

eingeben, erscheint nur eine Fehlermeldung: Linux mag das Leerzeichen zwischen "Eigene" und "Dateien" nicht. Zur Lösung gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Sie setzen den ganzen Verzeichnisnamen in Anführungszeichen, also: ls -l "/mnt/dos/Eigene Dateien", oder
  • Sie verwenden den Backslash "\" vor dem Leerzeichen, um der Shell zu erklären, dass das folgende Leerzeichen Teil des Dateinamens ist: ls -l /mnt/dos/Eigene\ Dateien

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