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Die Bash, das unbekannte Wesen

Hardcore-Linux

Komplettierungen

Die Bash kann viele Teile der Befehlszeile automatisch ergänzen, indem sie den Kontext untersucht und auswertet. Bei der Bash wird die Tabulatortaste für diese Funktion eingesetzt. Ein Beispiel verdeutlicht dieses Feature:

$> cd /e[Tab]tc/
$> mo[Tab]re print[Tab]cap

In der ersten Zeile ergänzt die Bash nach dem Betätigen der Tabulatortaste den Pfadnamen, der eindeutig ist. Etwas schwieriger wird das in der zweiten Zeile: Auch hier komplettiert die Bash zunächst einen Befehlsnamen, dann einen Dateinamen. Oft gibt es aber mehr als einen Befehl, der durch Ergänzen der eingegeben Buchstaben erzeugt werden kann. Das Beispiel sieht bei mir so aus:

$> mo[Tab](BEEP)[Tab]
moc         mode3                modemlights`apple
mogrify     montage              more
mount       mouse-properties-capple

Der Signalton zeigt an, dass das Komplettieren nicht (eindeutig) möglich ist. Nach dem Eingeben eines weiteren Buchstaben r reichen die Informationen aus, um den Befehlsnamen zu komplettieren. Vorteilhaft ist bei diesem Verfahren, dass mittels [Tab] automatisch die richtige Schreibweise des Befehlsnamen ergänzt wird und dass die Bash auch ein Leerzeichen im Anschluss automatisch einfügt.

Neben den Komplettierungen von Befehls- und Datei- bzw. Verzeichnisnamen kann die Bash auch noch Variablen-, Rechner- (so, wie sie in der Datei /etc/hosts vorhanden sind) und Usernamen (wie in /etc/passwd) ergänzen.

Das automatische Ergänzen wird von mehreren Funktionen und Bash-Variablen gesteuert. Wenn die Anzahl der möglichen Ersetzungen einen voreingestellten Wert (Readline-Variable completion-query-items, typischerweise 100) überschreitet, fragt die Bash nach, ob wirklich alle Möglichkeiten angezeigt werden sollen:

$> j[Tab]
Display all 252 possibilities? (y or n)

Oben wurde schon auf die Readline-Variable show-all-if-ambiguous hingewiesen, die dieses Verhalten zusätzlich steuert. Weitere Shell-Variablen spielen bei der Komplettierung eine Rolle: So enthält die Variable GLOBIGNORE eine Liste von Mustern, die Namen definiert, die nicht automatisch expandiert werden, extglob steuert die erweiterte Musterauswertungen; das Setzen von dotglob verhindert, dass auch Dateinamen, die mit einem Punkt (dot) beginnen, erzeugt werden, und weiteres mehr. Auf diese Punkte gehen wir in einem späteren Teil ein. Erwähnenswert sind noch die Readline-Funktionen, mit denen spezielle Komplettierungen durchgeführt werden können. Die an der aktuellen Cursor-Position möglichen automatisch ermittelten Komplettierungen zeigt [Meta+?] an. Dabei findet eine einfache interne Auswertung der Befehlszeile statt. An der ersten Position werden Befehlsnamen ergänzt, danach kontextabhängig Datei-, Variablen- oder andere Namen:

$> cp k[Tab]
...

(abhängig vom aktuellen Verzeichnis)

Für die Bestimmung des Typs der Komplettierung nutzt die Bash den bereits vorhandenen Text, deshalb liefern die folgenden Befehlszeilen ganz unterschiedliche Ergebnisse:

$> cp ~k[Tab]arsten
$> cp $K[Tab]DEDIR
$> cp root@k[Tab]arsten

In manchen Fällen ist die automatische Komplettierung aber nicht sinnvoll, wie folgendes Beispiel zeigt:

$> which kj[Meta+!]ukebox

Hier soll unabhängig von der Position in der Befehlszeile ein Befehlsname (which bestimmt den Pfad des als Argument angegebenen Befehls) eingefügt werden, dies geschieht durch die Funktion complete-command. Analoge Funktionen sind an folgende Tastenkombination gebunden:

  • [Meta+/] (complete-filename),
  • [Meta+@] (complete-hostname),
  • [Meta+$] (complete-variable) und
  • [Meta+~] (complete-username).

Von besonderer Bedeutung sind noch [Meta+{] (complete-into-braces) und [Meta+?] (possible-completions). Letztere Funktion zeigt eine Liste aller Komplettierungsmöglichkeiten, ohne sie in die Befehlszeile einzufügen; mittels complete-into-braces werden die vorhandenen Komplettierungen in einer speziellen Form dargestellt. (Das Ausprobieren dieser Funktion überlassen wir Ihnen…)

Alle bereits einmal ausgeführten Befehlszeilen werden in einem Speicher – dem History-Buffer – aufbewahrt. Der nächste Teil dieser Serie beschäftigt sich u. a. mit den Möglichkeiten dieses Features.

Infos

[1] K. Günther: Kompaktreferenz Linux, MITP 2000

[2] Zilm, Th., Grelck, K.: Linux – die Userreferenz, MITP 1999

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LinuxUser 06/2012

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