Unix-Tools unter Windows
Unix-Tools unter Windows
bash & Co.
Windows besitzt einen Kommandozeilenmodus, mit dem man allerdings so gut wie nie in Berührung kommt. Das liegt unter anderem daran, dass die DOS-Shell, command.com, nicht besonders leistungsfähig ist. Schon vor Jahren sind daher modernere Varianten (4dos, TakeCommand) entstanden.
Wenn Sie bereits mit Linux oder einer anderen Unix-Variante gearbeitet haben, dann hatten Sie auch schon Kontakt mit der Shell; welche Möglichkeiten moderne Shells (allen voran die bash) zu bieten haben, werden wir regelmäßig in unserer Rubrik Kommandozeile besprechen – in diesem Heft finden Sie entsprechende Artikel ab den Seiten 87, 89 und 92. Um nun den gewohnten Komfort der Linux-Shells auch auf Windows-Rechnern zu genießen, installieren Sie einfach die von Cygnus (inzwischen eine Red Hat-Tochter) entwickelten Cygwin-Tools. Hier finden Sie neben der Shell bash in der aktuellen Version 2.03 auch weitere Zusatzprogramme wie tar, gzip, bzip2, grep und sogar Tcl/Tk.
Installation
Die Installation ist denkbar einfach. Starten Sie unter Windows über den Menüpunkt Programme/MS-DOS-Eingabeaufforderung die Windows-eigene Kommandozeile, und wechseln Sie dort mit den Befehlen
C:\> F: F:\> cd LinuxUser\cygwin
in das Verzeichnis \LinuxUser\cygwin\ der Heft-CD. (Dabei ist natürlich "F:" durch den Laufwerksbuchstaben Ihres CD-ROM-Laufwerks zu ersetzen). Starten Sie dann das Programm setup.exe durch Eingabe von setup.
Nach einem kurzen Begrüßungstext fragt das Setup-Programm Sie, in welches Verzeichnis Sie die Cygwin-Tools installieren möchten – hier sollten Sie nicht die Vorgabe C:\ akzeptieren, da Sie ansonsten neue Verzeichnisse bin, lib, tmp, usr und var mitten in Ihrem Hauptverzeichnis wieder finden. Wählen Sie z. B. C:\cygnus. Die sich anschließende Frage "Install from the current directory (d) or from the Internet (i)?" ist mit "d" zu beantworten, denn die notwendigen Dateien liegen bereits alle auf der Heft-CD.
Danach werden die Archive alle entpackt, und es wird eine neue Programmgruppe Programme/Cygnus Solutions im Startmenü angelegt, die den Eintrag Cygwin 1.1.0 enthält – wählen Sie diesen Eintrag aus, um die Standard-Linux-Shell bash unter Windows zu starten!
Nach dem Starten sehen Sie ein Fenster, das zunächst nicht wesentlich anders als Windows' Standard-Kommandozeile aussieht: 80x25 Zeichen, schwarzer Hintergrund, weiße Schrift. Auf den zweiten Blick wird es dann klar: Anstelle des sonst unter Windows üblichen C:\WINDOWS-Prompt erscheint der Schriftzug BASH.EXE-2.03$. Und tatsächlich können Sie nun weitestgehend mit den gleichen Befehlen arbeiten, wie dies auch unter Linux in einem bash-Fenster möglich ist.
Schauen wir als erstes einmal, wie die Cygnus-Tools mit den Laufwerksbuchstaben von Windows umgehen, die in der Unix-Welt ja völlig unbekannt sind:
BASH.EXE-2.03$ pwd /cygdrive/c/WINDOWS
Aha. Die Laufwerke C:, D: usw. werden also als /cygdrive/c/, /cygdrive/d/ usw. angesprochen. Wenn Sie eine Diskette einlegen, können Sie beispielsweise mit dem Befehl ls -l /cygdrive/a ihr Inhaltsverzeichnis anzeigen. Kommandos, die unter Linux eine mehrfarbige Ausgabe erzeugen können, tun dies auch hier: Geben Sie etwa ls -l --color / ein, und Sie erhalten das Root-Verzeichnis aus Sicht der Cygwin-Tools. Auch das man-Kommando bereitet seine Ausgaben hübsch bunt auf.



