StarOffice 5.1a - Workshop

Office für alle

Nach der Übernahme von Star Division durch den amerikanischen Großkonzern Sun wurde die Lizenzpolitik für das Office-Paket StarOffice grundlegend geändert, so dass es nun auch im kommerziellen Bereich lizenzkostenfrei eingesetzt werden kann. Dabei ist es aufgrund seiner Netzwerkausrichtung und einer Verfügbarkeit auf mehreren Plattformen ideal für den Einsatz in heterogenen Betriebssystemumgebungen geeignet. Zudem ist StarOffice neben Applixware das zur Zeit einzige komplette Office-Paket für Linux. Wer sich also für einen lohnenden Umstieg auf dieses Paket entschließt, bekommt mit diesem mehrteiligen Workshop nicht nur die ersten Schritte gezeigt.

Workshop-Übersicht 

1. Installation und Desktop

2. Textverarbeitung

3. Tabellen und Diagramme

4. Präsentationen

5. Die kleinen Helfer

Woher nehmen, wenn nicht stehlen… 

Seitdem Sun die Lizenzpolitik von StarOffice nach der Übernahme von Star Division geändert hatte, gibt es die vielfältigsten Möglichkeiten, an StarOffice zu gelangen. Von der nächstliegenden, dem Internet, möchte ich hier abraten, es sei denn Sie verfügen über eine schnelle Anbindung. Die Kosten, die durch einen Download der ca. 65 MB großen Software von der Homepage http://www.sun.com/staroffice entstehen, sind im Vergleich zu den anderen Methoden viel zu hoch. Billiger fahren Sie mit dem Kauf einer Zeitschrift, der StarOffice beiliegt, wie z. B. der hier vorliegenden Ausgabe 06/2000 des LinuxUser :-)

Auch die meisten aktuellen Linux-Distributionen sollten StarOffice mit an Bord haben. Zuletzt haben Sie noch die Möglichkeit, StarOffice für 79 DM in jeder gut bestückten Computerabteilung käuflich zu erwerben. In der Packung liegt dann neben der CD, die StarOffice für alle unterstützten Betriebssysteme enthält, auch noch ein ausführliches Handbuch.

Warnen möchte ich Sie vor älteren Distributionen und einigen Büchern zu StarOffice. Diesen liegt häufig eine ältere Version von StarOffice bei, die zwingend einen Registrierschlüssel benötigt. Haben Sie eine solche Version erwischt, sollten Sie auf den Internet-Seiten von Sun nach Rat suchen. Dort ist ein Generalschlüssel veröffentlicht, der auch diese Versionen freischaltet.

Lizenzpolitik 

Sie dürfen StarOffice sowohl im privaten als auch im kommerziellen Bereich lizenzkostenfrei einsetzen. Erst der Support wird in einigen Teilen kostenpflichtig. Auch wenn das Programm Sie um eine Registrierung bittet, brauchen Sie darauf nicht einzugehen. Die Registrierung ist freiwillig und gewährt Ihnen Zugang zum "Sun StarOffice-Support". Das beim Start auftauchende Dialogfenster können Sie mit einem Klick auf "nie registrieren" für immer zum Schweigen bringen. Haben Sie es sich diesbezüglich zu einem späteren Zeitpunkt anders überlegt, so kann eine Registrierung entweder über Hilfe/Registrierung oder direkt über die StarOffice-Homepage http://www.sun.com/staroffice nachgeholt werden.

Voraussetzungen

Bevor Sie StarOffice installieren können, sollten Sie überprüfen, ob Ihr System die Anforderungen des Office-Pakets erfüllt. Voraussetzung ist ein Linux-System mit glibc2-Unterstützung nebst laufendem X-Window-System. Dies sollten alle aktuellen Distributionen, wie z. B. SuSE ab Version 6.0, Caldera ab Version 2.2 oder Red Hat ab Version 5.1 erfüllen.

An die Hardware stellt StarOffice ebenfalls einige Anforderungen. So sollte das System neben mindestens 32 MB Hauptspeicher und 120-180 MB freiem Festplattenspeicherplatz auch eine mindestens 64 MB große Swap-Partition aufweisen. Ordentlich arbeiten lässt sich sogar erst ab 64 MB Hauptspeicher. Während der Installation benötigt das Setup-Programm für temporäre Dateien zusätzlich noch einmal 20 MB freie Festplattenkapazität.

Sollte StarOffice Ihrer Distribution beiliegen, so rate ich dazu, das zur Distribution gehörige Setup-Programm zu verwenden bzw. sich nach den Installationsanweisungen des Handbuchs zu richten.

Im Folgenden werde ich die Installation von CD-ROM beschreiben, da die Heft-CD die aktuelle Version 5.1a enthält. Eine Installation aus anderen Quellen verläuft aber analog. Bei einigen Distributionen, wie z. B. SuSE, kann es vorkommen, dass Sie das Setup-Programm nicht direkt von der CD ausführen können, etwa wenn es dort in Form einer (gepackten) tar-Datei vorliegt. In einem solchen Fall sollten Sie sämtliche StarOffice-Dateien (bzw. die tar-Datei) von der CD in ein temporäres Verzeichnis auf Ihre Festplatte kopieren (die tar-Datei ggf. mit tar xvf entpacken) bzw. das CD-Laufwerk mit Ausführungsrechten neu mounten.

Eine ausführliche Installationsanleitung finden Sie innerhalb des StarOffice-Archivs auf der Heft-CD: Nach dem Auspacken des Archivs gibt es ein Unterverzeichnis so51inst/documentation/, in dem Sie die Datei setup.pdf finden. Diese Datei im Acrobat-Format können Sie z. B. mit dem Acrobat Reader oder kghostview einsehen.

Installation

Grundsätzlich bestehen zwei Möglichkeiten, StarOffice zu installieren: Zum einen als Einzelplatzversion, die ausschließlich dann gewählt werden sollte, wenn nur eine Person das Office-Paket auf einem Einzelplatzrechner ohne Netzwerkanschluss verwendet. Bei dieser Methode werden alle Konfigurationsdateien direkt in dem Verzeichnis gespeichert, in das StarOffice installiert wurde. Da dies gerade das Anfertigen von Sicherheitskopien erschwert, rate ich aber zu einer Netzwerkinstallation, dem zweiten Installationsmodus. Hierbei wird StarOffice zentral auf einem Server installiert, der selbstverständlich auch ein Einzelplatzrechner mit mehreren Benutzern sein kann. Dies hat zum einen den Vorteil, dass nicht für jeden Benutzer des Computers oder Netzwerkes das komplette Office-Paket installiert werden muß (was jedesmal über 100 MB Plattenplatz verschlingen würde) und zum anderen werden die Konfigurationsdateien in den jeweiligen Homeverzeichnissen der einzelnen Benutzer abgelegt. Somit muss bei einem Backup nur dieses Verzeichnis gesichert werden.

Um die Installation für die Einzelplatzversion zu starten, rufen Sie unter X Window in einem X-Terminal einfach das Programm "setup" auf, das Sie im bin- Unterverzeichnis des Pakets finden sollten. Soll eine Netzwerkinstallation stattfinden (was im Normalfall empfehlenswert ist), so starten Sie, vorzugsweise mit Administrationsrechten (root), das Setup-Programm mit dem zusätzlichen Parameter /net, also z. B. in einem Terminalfenster mit ./setup /net.

Jetzt sollte in beiden Fällen der Installations-Assistent gestartet werden, der Sie im folgenden komfortabel durch den Einrichtungsprozess leiten wird. Am linken Bildschirmrand wird ständig der aktuelle Installationsstatus angezeigt, und mit einem Klick auf die Schaltfläche "Hilfe" können Sie jederzeit einen passenden Hilfetext aufrufen. Mit den Schaltflächen "Weiter" und "Zurück" blättern Sie durch die einzelnen Punkte des Installationsassistenten. Mit "Abbrechen" wird die Installationsprozedur abgebrochen und somit StarOffice nicht installiert.

Bei der Einzelplatzinstallation folgt auf die ersten beiden Schritte die Abfrage der Benutzerdaten. Diese werden später, z. B. in der Textverarbeitung, aber auch bei der Arbeit in Netzwerken unter StarOffice, noch benötigt. Die Angaben sind nicht zwingend und können auch noch nach der Installation im Menü unter Extras/Optionen/Allgemein/Benutzerdaten neu angeben bzw. verändert werden. Bei beiden Installationsmodi erfolgt nun die Auswahl der Installationsart. Sie sollten nur bei geringer Computererfahrung den Punkt "Standard", ansonsten immer "Benutzerdefinierte Installation" wählen, da Sie nur bei letzterer die zu installierenden Pakete und Module selbst auswählen können. Im nächsten Bild muss das Verzeichnis angegeben werden, in das StarOffice später installiert werden soll. Hierzu eignet sich, insbesondere bei einer Netzwerkinstallation, eine zentrale Stelle, wie z. B. /opt/Office51 oder /usr/local/Office51. Wurde als Installationsart "benutzerdefiniert" ausgewählt, so erscheint nun ein Fenster, indem Sie alle benötigten Komponenten auswählen können. Ein Klick auf das Pluszeichen öffnet die jeweiligen Unterpunkte, und ein Klick auf die drei Würfel ändert die Auswahl des entsprechenden Punktes. Die drei Würfel vor einer Komponente zeigen dabei durch ihre Farbe an, ob diese ausgewählt wurde (farbig ausgemalte Würfel) oder ob sie nicht installiert werden soll (nur Würfelumrisse sichtbar).

Abbildung 1: Die benutzerdefinierte Installation

Sind bei einem Oberpunkt die Würfel hell ausgefüllt, so wurden nicht alle seine Unterpunkte ausgewählt. Die Schaltfläche "Standard" setzt alle Änderungen zurück, die seit dem letzten Aufruf dieses Fensters gemacht wurden.

Wenn Sie alle Einstellungen vorgenommen haben, können Sie im nächsten Dialog mit einem Klick auf "Fertig" den Kopiervorgang starten. Wurde die Java-Funktionalität ausgewählt, fragt der Installationsassistent bei einer Einzelplatzinstallation noch zuvor, welche der im System installierten Java-Umgebungen in StarOffice verwendet werden soll. Möchten Sie keine Java-Unterstützung für StarOffice aktivieren oder wurde zuvor keine Umgebung installiert, so wählen Sie hier den Punkt "Keine Java und Java-Skript-Unterstützung".

Nach dem Kopiervorgang ist eine Einzelplatzinstallation bereits abgeschlossen und StarOffice bereit für den ersten Start. Sofern Sie die KDE-Unterstützung aktiviert haben, müssen Sie die KDE-Startleiste zunächst neu starten, damit die entsprechenden Symbole angezeigt werden.

Bei einer Netzwerkinstallation muss vor einem Einsatz jeder Benutzer das Setup-Programm, das sich nun im StarOffice-Verzeichnis, also im obigen Beispiel im Verzeichnis /opt/Office51/bin bzw. /usr/local/Office51/bin, befindet, noch einmal selbst starten. Dem jeweiligen Benutzer werden nach Anzeige der README- und Lizenzdateien zwei Installationsmöglichkeiten zur Wahl gestellt. Bei einer "Standard-Workstation"-Installation werden nur die benutzerspezifischen Daten, wie z. B. die individuellen Konfigurationsdateien, im Heimatverzeichnis des Benutzers abgelegt. Die einzelnen Programme des Office-Paketes werden dann immer bei Bedarf vom Server geladen. Bei einer "Standardinstallation lokal" hingegen wird StarOffice noch einmal komplett auf dem vorliegenden Computer installiert, wobei allerdings diesmal die Netzwerkversion auf dem Server als Installationsquelle dient. Insbesondere wenn der Server mit dem Arbeitsplatzrechner identisch ist, wäre StarOffice somit zweimal auf demselben Computer installiert. Die weitere Einrichtung von StarOffice erfolgt analog zur Einzelplatzinstallation. Als Zielverzeichnis sollte man dabei aber ein Unterverzeichnis des privaten Home-Verzeichnisses wählen.

Wurde die Installation erfolgreich abgeschlossen, sollte im KDE-Startmenü ein neuer Eintrag mit den drei Unterpunkten Setup, SPAdmin und StarOffice auftauchen. Falls dies nicht der Fall sein sollte oder Sie einen anderen Fenster-Manager verwenden, finden Sie alle Programme im Unterverzeichnis /bin des StarOffice-Verzeichnisses wieder. Setup dient zur Deinstallation und Reparatur eines beschädigten StarOffice-Paketes, mit SPAdmin können Sie Drucker einrichten, und StarOffice startet das Programm.

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LU 09/2016: Ciao, Windows!

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