Woher kommt der Zauber?

Die eigentliche Präsentationsdatei besteht aus der Präambel, auch Vorrede genannt, und dem Hauptteil (Listing 3). Alles, was vor der ersten %page-Anweisung steht, gehört zur Präambel. Logischerweise bildet alles dahinter den Hauptteil. In der Präambel sind nur die Anweisungen %tab, %deffont, %default und %include zulässig. Sie wirken auf die gesamte Präsentationsdatei.

Verwenden Sie die gleichen globalen Einstellungen in vielen Ihrer Präsentationen, so bietet sich das Auslagern dieser Anweisungen in eine eigene Datei an. Die Schreiber von MagicPoint nutzen die Datei default.mgp im aktuellen Verzeichnis (Sie dürfen selbstverständlich auch einen anderen Namen wählen). Über die Anweisung %include "default.mgp" kann ihr Inhalt in den Vorspann jeder beliebigen mgp-Datei eingefügt werden.

Listing 2

Wichtige Präambel-Anweisungen ausgelagert: default.mgp

%%default.mgp
%%
%deffont "standard" tfont "times.ttf"
%deffont "thick" tfont "timesbd.ttf"
%deffont "typewriter" tfont "cour.ttf"
%%
%default 1 leftfill, font "standard", size 2, fore "black",
 bgrad 0 0 256 90 1 "blue" "white" "white" "white"
%default 2 size 7, prefix "  "
%default 3 size 5
%%
%tab 1 size 5, prefix "    ", icon box "red" 30
%tab 2 size 4, prefix "         ", icon arc "red" 40
%tab 3 size 3, prefix "                 ", icon delta3 "red" 60

Listing 2 zeigt ein Beispiel. Darin weist der Befehl %deffont drei TrueType-Schriften symbolische Namen zu, die man sich leichter merken kann als die "offiziellen" Bezeichnungen. Anschließend wird es wirklich wichtig: Ab der ersten Zeile (%default 1) soll der Text linksbündig mit ordentlichem Zeilenumbruch (leftfill) dargestellt werden.

Die schwarze Schrift (fore "black") mit dem Namen times.ttf hat die Größe 2 (size 2). Übrigens bezieht sich die Größe auf die Bildhöhe, damit entspricht Größe 2 zwei Prozent der Bildhöhe. Im Hintergrund (bgrad) wird ein Farbverlauf von Links nach Rechts mit einem Viertel Blau und Dreiviertel Weiß gewünscht.

Für die zweite Zeile (%default 2) nageln wir den Text auf Schriftgröße 7 (size 7) mit zwei Leerzeichen am Zeilenanfang (prefix "  ") in allen Folien fest. Die beiden Leerzeichen am Anfang jeder Zeile werden bei allen nachfolgenden Zeilen mit übernommen. Ab Zeile Drei (%default 3) ändert sich die Schrift nochmal auf Größe 5 (size 5).

Bei der Gestaltung der Folien müssen diese Definitionen beachtet werden. Die Zeile 1 sollten Sie frei lassen, damit ein Abstand zur oberen Bildkante entsteht. Überschriften platzieren Sie immer in der zweiten Zeile, um sie über die Größe gegen den restlichen Text abzuheben. Ab der dritten Zeile folgt der ganz normale Inhalt.

Die drei %tab-Anweisungen sind nützlich, um Aufzählungen gut strukturiert auf die Folie zu bekommen. Wird im Quelltext am Zeilenanfang einmal die Tabulatortaste gedrückt, so wird für diese Zeile die erste %tab-Anweisung wirksam.

Während der Präsentation erscheint dann ein Text, den Sie mit einem Tabulator eingerückt haben, in der Größe 5, eingeleitet mit der entsprechenden Anzahl Leerzeichen und einem roten Viereck (dem "Anstrich"). Je nach Anzahl der eingegebenen Tabulatoren (1--3 sind hier definiert) ändert sich die Anzahl der Leerzeichen, das Symbol und die Schriftgröße.

Wie Sie sich aus dem Gesagten sicher schon zurecht gereimt haben, wird jeder Text am Zeilenanfang, der mit % beginnt, als MagicPoint-Kommando gewertet. Mehrere Kommandos dürfen, durch Komma getrennt, auf einer Zeile stehen, Text und Kommandos hingegen nie. MagicPoint macht Sie durch Abbruch und Fehlermeldung darauf aufmerksam.

Zwei %%-Zeichen leiten einen Kommentar im Quelltext ein. Kommentare werden nicht dargestellt und haben im Programm auch sonst keine Wirkung.

Jeder Text ohne vorangestellte Prozentzeichen landet erbarmungslos auf der Folie. Auch leere Zeilen werden als solche dargestellt. Sollten Sie zum Beispiel in einer Leerzeile aus Versehen die Tab-Taste gedrückt haben, so schmückt ein Viereck Ihre Folie, und Sie dürfen jetzt dreimal raten, warum.

Zur Übung werfen Sie doch einmal einen Blick in Listing 3, und vergleichen Sie den Quelltext mit den Folien in Abbildung 1 und 2. Tabelle 2 gibt die wichtigsten Kommandos wieder, eine ausführliche Auflisting lesen Sie in der Datei SYNTAX.

Listing 3

und

im Klartext

%include "default.mgp"
%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%
%page
Wie komme ich zur nächsten Seite?
Mit der
        Leertaste
        Taste n
        Taste j
        Taste Pfeil-unten
Durch das
        Drücken der linken Maustaste
%fore "yellow"
Bitte gehen Sie zur nächsten Seite!
%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%
%page
zusätzliche Notizen
        Taste x drücken und der Mauszeiger wird zum Stift
        linke Maustaste drücken und mit der Maus zeichnen
        X wechselt die Stiftfarbe
Die x Taste nochmal drücken und der Stift wird zum Mauszeiger.
Löschen können Sie mit
        Taste l (el nicht 1)
%fore "yellow"
Weiter zur nächsten Seite!

Zwei davon eignen sich hervorragend für Vorträge, mit denen Sie anderen Mitmenschen das Unix-System nahe bringen wollen. An den Kommandos %system und %filter werden Sie dann nämlich nicht vorbei kommen. Ersteres bettet Programme mit grafischer Benutzeroberfläche in Ihre Folie ein, und Letzteres nimmt die Standard-Ausgabe eines Unix-Kommandos live als Eintrag in die Folie auf. Leichter bekommen Sie keine Beispiele in Ihren Vortrag.

Tabelle 2: MagicPoint-Kommandos, kurz erklärt Anweisung Bedeutung

%size Wert Schriftgröße von 1--10 ändern (zum Beispiel %size 5)
%fore "Farbe" Vordergrundfarbe ändern (zum Beispiel %fore "red", also englisch, klein und mit Hochstrichen)
%back "Farbe" Hintergrundfarbe ändern (zum Beispiel %back "black")
%center Darstellung zentrieren
%left Darstellung nach Links ausrichten
%leftfill Wie %left, aber mit sauberem Zeilenumbruch (vergleichbar dem von \item in LaTeX)
%right Darstellung nach Rechts ausrichten
%lcutin Animierter Text, fliegt von Links ins Bild
%rcutin Wie %lcutin, aber von Rechts
%cont, Anweisung Geänderte Darstellung ohne Zeilenumbruch fortsetzen, die Anweisungen werden durch Komma getrennt (zum Beispiel %cont, size 10, fore "red")
%nodefault Ausschalten der Default-Anweisungen aus der Präambel für diese Seite
%tfont "Schriftname" TrueType-Schrift ändern (zum Beispiel %tfont "times.ttf")
%font "symbolischer_Name" Eine in der Präambel definierte Schrift verwenden (zum Beispiel %font "standard")
%bar "Farbe" Höhe Startposition Länge Darstellen einer horizontalen Line (zum Beispiel %bar "red" 10 0 100), die Argumente haben nacheinander folgende Bedeutung: Farbe der Linie, Höhe der Linie (wird mit 1/1000 der Bildhöhe angegeben, Standard ist 10), Startposition in Prozent bezogen auf die Bildbreite (Standard ist 0) und Länge in Prozent bezogen auf die Bildbreite (Standard ist 100).
%image "Datei" Farbtiefe x-zoom y-zoom zoom-flag gif- oder jpg-Bild einfügen (zum Beispiel %image "beispiel.gif" 128 50 50 0), die Argumente bedeuten hintereinander: Dateiname, Anzahl der Farben, Breite des Bilds in Prozent bezogen auf den Bildschirm oder die originale Bildgröße und Höhe des Bilds in Prozent bezogen auf den Bildschirm oder die originale Bildgröße. Das zoom-flag kann folgende Werte annehmen: 0 (Größe bezieht sich auf den Bildschirm) und 1 (Größe bezieht sich auf die originale Bildgröße).
%prefix "Zeichenkette" Fügt die aus Leerzeichen bestehende Zeichenkette vor Beginn der Zeile ein. (zum Beispiel %prefix " ")
%icon Symbol Farbe Größe Darstellung eines Symbols am Beginn von Aufzählungen (zum Beispiel %icon box black 40). Als Symbol sind box, arc, delta1delta4 oder dia möglich, die Farbe wird in Englisch, aber ohne Hochstriche angeben, und die Größe des Symbols bezieht sich auf die aktuelle Schrift.
%bimage "Datei" Bildgröße Hintergrundbild verwenden (zum Beispiel %default 1 bimage "bild.jpg" 800x600)
%default Zeilen-Nr. Anweisung Darf nur in der Präambel verwendet werden. Die als Argumente folgenden Anweisungen gelten für alle Folien und werden durch Komma getrennt. Die Zeilennummer bestimmt, ab wo die folgenden Anweisungen gelten.
%tab x Legt das Aussehen bei Verwendung von x Tabulatoren fest und ist nur in der Präambel zu verwenden. Die Anweisung gilt für alle Folien.
%page Darstellung einer neuen Folie beginnt
%vgap Wert Vertikaler Abstand, lässt sich durch die Formel Abstand = Schriftgröße * vgap / 100 berechnen
%hgap Wert Horizontaler Abstand, Abstand = Schriftgröße * hgap / 100
%pause Stoppt die Darstellung an dieser Stelle, ein Tastendruck setzt sie fort.
%system "X-Programm" Startet ein Programm mit grafischer (X-)Oberfläche und stellt es in der Folie dar. Das Umblättern auf andere Folien beendet das Programm.
%filter "Kommando" Die Standard-Ausgabe des Kommandos wird in der Folie dargestellt. Die Anweisung %endfilter auf einer neuen Zeile begrenzt die Anweisung, zum Beispiel %filter "date" %endfilter
%tfdir Verzeichnis Legt fest, wo die TrueType-Schriften zu finden sind. Das Kommando wird in der ~/.mgprc ohne %-Zeichen verwendet.
%deffont Darf nur in der Präambel verwendet werden. Definiert einen symbolischen Schriftnamen für eine X- oder TrueType-Schrift.
%noop Keine Änderung
%pcache Flag Modus Effekt Wert Spezielle Effekte zum Anzeigen der nächsten Folie (zum Beispiel %pcache 1 1 2 100 ). Flag kann die Werte 0 (Auschalten des Vorspeicherns der nächsten Seite) und 1 (Vorspeichern der nächsten Seite einschalten) annehmen, Modus 0 (Speichern der nächsten Seite nach zwei Sekunden ohne Aktivität) und 1 (nächste Seite wird sofort mit gespeichert), Effekt 0 (kein Effekt), 1 (nächste Seite kommt von Rechts über die alte Seite) und 2 (alte Seite geht nach Rechts, die darunter liegende Seite wird sichtbar). Wert legt die Geschwindigkeit fest, 1 ist die höchste.

Magie im Hintergrund

Freunde von Farbverläufen im Hintergrund haben die Qual der Wahl: Eingeleitet wird eine Veränderung des Farbverlaufs mit der Anweisung %bgrad. Ohne weitere Argumente stellt MagicPoint den Standardverlauf ein. Dabei wird der Hintergrund von Oben nach Unten von Blau nach Schwarz ganz fein abgestuft.

Abbildung 3: Blau-weiß-weiß-rot vertikal

Abbildung 3 zeigt eine mögliche Gestaltungsmöglichkeit samt zugehörigem Kommando: Sechs Argumente gehören im Beispiel zu %bgrad. Die letzten vier geben eine Farbliste an, die von Links abgearbeitet wird. Ein Viertel Blau, die Hälfte Weiß und ein Viertel Rot fließen hier ineinander. Anzahl und Anteil der Farben können natürlich beliebig variieren.

Davor steht das Zoomflag auf 1, also ausgeschaltet. Seine Veränderung bringt nur Punkte, wenn die ersten beiden Argumente verändert werden. Argument 4 gibt die Richtung der Farbabstufung in Grad an. 0 heißt von Oben nach Unten. 90 (Grad) ändert die Richtung in "von Links nach Rechts" und so weiter. In Abbildung 4 sehen Sie das Ergebnis von 45 Grad.

Abbildung 4: Jalousie

Der sogenannte "Ostereieffekt" stellt sich bei einem negativen Winkel ein. Ein negativer Winkel ungleich einem viertel Pi (45 Grad) erzeugt ein wirkliches Ei (Abbildung 5).

Abbildung 5: Der Ostereieffekt

128 Farben stehen laut Argument Nummer 3 zur Verfügung. Der Standardwert liegt bei 256. Je geringer das Farbvolumen ist, desto weniger schön sieht das Ergebnis aus. In Abbildung 4 wird die Veränderung der ersten beiden Argumente sichtbar. In y-Richtung ist die Abstufung nur noch auf 10 Prozent der Bildhöhe wirksam. Das auf 0 gesetzte Zoomflag schaltet die fortlaufende Wiederholung des Bildhintergrunds ein. Das erste Argument schränkt den Verlauf entsprechend in x-Richtung ein. Eine Veränderung der ersten beiden Argumente ist nur dann sinnvoll, wenn der Farbverlauf in der entsprechenden Richtung geändert wird. In Bild 3 wäre die Änderung des ersten Parameters unsinnig.

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