AA_PO-21063-Fotolia-Dmitry_Pichugin_Fotolia-Papageien.jpg

© Dmitry Pichugin, Fotolia

Linux und OS X: Ähnlich und doch verschieden

Geschwister

OS X ist das Betriebssystem der Apple-Computer: Die bilden neben Linux- und Windows-PCs einen weiteren separaten Computerkosmos. Als Unix-basiertes System ist OS X aber Linux recht ähnlich. Dieser Grundlagenartikel stellt Gemeinsamkeiten und Unterschiede vor.

Wer schon einmal mit dem Gedanken gespielt hat, sich ein MacBook oder einen iMac von Apple zu kaufen, wird sich auch fragen, was er damit anfangen kann. Die Hardware von Apple ist schick, doch mit OS X läuft darauf ein Betriebssystem, das weder Windows- noch Linux-Programme ausführt – sondern eigene, für OS X entwickelte Anwendungen. OS X läuft aber auf einem Unix-Kern, und dadurch ist viel Software aus der Linux-Welt auch dort (teilweise mit Einschränkungen) verfügbar.

Wir gehen in diesem Artikel nicht auf die Möglichkeit ein, Linux auf einem Mac zu installieren. Das funktioniert zwar, aber die meisten Anwender, die einen Mac kaufen, nutzen auch das darauf vorinstallierte OS X (das früher Mac OS hieß und ab der kommenden Version in "macOS" umbenannt wird). Stattdessen betrachten wir OS X und vergleichen es mit Linux – an der (grafischen) Oberfläche, auf der Shell und "unter der Haube" (also etwas technischer).

Oberflächliches

Während Linux eine Vielzahl an Desktops (KDE, Gnome, Unity, Xfce, LXDE usw.) zur Wahl anbietet (Abbildung 1), gibt es bei OS X eine einzige feste Oberfläche, die sich nicht austauschen lässt (Abbildung 2). Von einer Version zur nächsten ändert sich die Optik des OS-X-Desktops zwar geringfügig, die Bedienung bleibt aber im Wesentlichen gleich. Durch die Einheitlichkeit finden sich OS-X-Anwender auch auf fremden Macs schnell zurecht. Eine Besonderheit bei Macs ist, dass alle OS-X-Programme ihre Menüleiste am oberen Bildschirmrand anzeigen. Das spart Platz, kann bei großen Bildschirmen aber lange Mauswege verursachen.

Abbildung 1: KDE ist nur einer von vielen Desktops für Linux-Systeme, das klassische Layout mit Taskleiste und Startmenü lässt sich recht frei anpassen.
Abbildung 2: OS X verwendet eine zentrale Menüleiste am oberen Rand. Unten enthält das Dock Programmstarter und ausklappbare Menüs zu Dokumenten, Programmen und Downloads.

In beiden Welten sind moderne Features wie etwa mehrere virtuelle Arbeitsflächen zur besseren Aufteilung vieler Programmfenster schon lange etabliert (während Windows diese Funktion erst mit Version 10 eingeführt hat), das Umschalten auf eine andere Arbeitsfläche gelingt unter OS X und Linux über Tastenkombinationen, und Fenster lassen sich auf einen anderen Desktop verschieben. Auch bieten beide Systeme die Möglichkeit, einen Überblick aller geöffneten Fenster auf sämtlichen Desktops zu erhalten und per Klick ein Fenster (und damit den zugehörigen Desktop) zu aktivieren. Neuere OS-X-Versionen sind in der Anordnung der Desktops weniger flexibel als Linux: Sie können nur noch in Reihe (alle nebeneinander) gestellt werden, während es auf Linux-Desktops üblich ist, sie in einem Zeilen- und Spaltenraster anzuordnen. Das prinzipielle Handling von Fenstern (Verschieben, Schließen, Größenänderung) läuft eh bei allen modernen Betriebssystemen gleich ab.

Auch die Dateimanager von OS X und Linux (KDE) sind sich sehr ähnlich; beide bieten schnellen Zugriff auf alle klassischen Dateioperationen und können z. B. über Kontextmenü-Einträge Archive entpacken oder Ordner in ein Archiv komprimieren (Abbildungen 3, 4); in der linken Spalte lassen sich häufig benutzte Verzeichnisse für den Schnellzugriff ablegen.

Abbildung 3: Der Finder ist der Dateimanager von OS X.
Abbildung 4: Dolphin ist der Standard-Dateimanager von KDE (Linux).

Während Linux mit KDE ein Startmenü für die Programmauswahl bietet, starten OS-X-Anwender Programme über den Programme-Eintrag im Dock, hier sind die meisten Einträge nicht hierarchisch, sondern direkt auf der obersten Ebene, so dass OS X sehr viele Programme auf einen Blick anzeigt. Häufig verwendete Anwendungen lassen sich auch direkt als separates Icon im Dock ablegen.

Dateien

Auch am Dateisystem erkennen Sie die Verwandtschaft von Linux und OS X: Beide nutzen ein Unix-Dateisystem mit dessen klassischen Berechtigungen (Lesen, Schreiben und Ausführen für Dateibesitzer, Gruppenmitglieder und sonstige Anwender); es gibt symbolische Links und Gerätedateien. Wer sich auf einem der beiden Betriebssysteme mit Dateiverwaltung auskennt, muss auf dem anderen wenig dazu lernen.

Unterschiede gibt es beim konkret eingesetzten Dateisystem und bei den Gerätedateien, über die Sie Festplatten, Sticks, Partitionen und sonstige Laufwerke ansprechen:

  • Linux bietet die größere Auswahl bei den Dateisystemen. Aktuell sind hier Ext4 und Btrfs, aber ein Blick in /proc/filesystems und in den Ordner /lib/modules/$(uname -r)/kernel/fs/ zeigt, dass Linux viele weitere Systeme kennt (darunter noch mehr Unix-artige Systeme aber auch VFAT und NTFS aus der Windows-Welt). Support für die neuste FAT-Variante exFAT gibt es bei Linux nur über ein FUSE-Modul [1]. OS X setzt auf HFS+, das einige spezielle Eigenschaften hat, die früher für die Kompatibilität mit Mac OS 9 und älter interessant waren; davon abgesehen ist es ein klassisches Unix-Dateisystem. Hier gibt es Support für FAT inkl. exFAT, aber NTFS-Medien kann OS X nur lesen und nicht schreiben. Übrigens gibt es auch für OS X eine portierte FUSE-Version (MacFUSE bzw. dessen Weiterentwicklung FUSE for OS X [2])
  • Die Gerätedateien sind verschieden benannt, aber grundsätzlich können Sie damit dieselben Dinge tun (nämlich direkt auf die Datenträger zugreifen – unter Umgehung des Dateisystems). Bei Linux sind die Plattenbezeichnungen /dev/sda, /dev/sdb usw., und Partitionen werden durch Anhängen einer Zahl benannt (z. B. /dev/sda1); bei OS X heißen die Platten /dev/disk0, /dev/disk1 usw., und Partitionen haben zusätzlich ein kleines "s" und die Partitionsnummer im Namen (z. B. /dev/disk0s1).
  • Bei den Partitionstabellen unterstützt Linux die alten MBR-Tabellen und das neue GPT-Format, während OS X schon immer nur GPT nutzt, also keine "primären", "erweiterten" und "logischen" Partitionen kennt. Macs booten wie moderne PCs mit EFI.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Daten sicher teilen
    Beim Datenzugriff auf entfernte Rechner kombinieren SSH-basierte Dateisysteme einfache Konfiguration und sichere Verschlüsselung.
  • Shell-Tipps
    Alte (Unix-) Hasen lieben sie, Linux-Ein- und Aufsteiger stehen ihr oft mindestens skeptisch bis ablehnend gegenüber: der Shell. Wie eine Muschelschale legt sie sich um die Perle (den Linux-Kernel) und regelt alle Kommunikation mit ihm. Dieses für viele unbekannte Wesen wollen wir in unserer neuen Reihe näher beleuchten und versuchen, Vorurteile abzubauen, sowie Ihnen einen Einblick in die Möglichkeiten dieser mächtigen Anwenderschnittstelle geben. fortgeschrittenere Shell-User seien an dieser Stelle aufgefordert, ihre Tipps und Tricks an uns zu schicken, so dass wir sie in dieser Serie weiter verbreiten können.
  • Externe Platte für Linux, Windows und Mac OS
    Wer Linux, Windows und Mac OS verwendet, steht vor einem Problem, wenn es um das Formatieren einer externen Platte geht, die Daten aller drei Betriebssysteme aufnehmen soll. Die Lösung des Problems heißt ExFAT.
  • Reger Austausch
    Egal ob Windows XP oder Windows Vista: Der lesende und schreibende Zugriff auf NTFS-Partitionen gelingt mit Hilfe mehrerer Tools inzwischen reibungslos.
  • IBM veröffentlicht Betriebssystem-Zwitter
    IBM hat den Quellcode von FusedOS freigegeben. Dieses neue Betriebssystem kombiniert ein Linux-System mit dem IBM Computer Node Kernel (CNK), dem Betriebssystem für IBMs Supercomputer IBM Blue Gene/Q.
Kommentare

Infos zur Publikation

EL 11/2017-01/2018: Einstieg in Linux

Digitale Ausgabe: Preis € 9,80
(inkl. 19% MwSt.)

EasyLinux erscheint vierteljährlich und kostet 9,80 Euro. Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 33,30 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!      

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

Lieber Linux oder Windows- Betriebssystem?
Sina Kaul, 13.10.2017 16:17, 3 Antworten
Hallo, bis jetzt hatte ich immer nur mit
IT-Kurse
Alice Trader, 26.09.2017 11:35, 2 Antworten
Hallo liebe Community, ich brauche Hilfe und bin sehr verzweifelt. Ih bin noch sehr neu in eure...
Backup mit KUP unter Suse 42.3
Horst Schwarz, 24.09.2017 13:16, 3 Antworten
Ich möchte auch wieder unter Suse 42.3 mit Kup meine Backup durchführen. Eine Installationsmöglic...
kein foto, etc. upload möglich, wo liegt mein fehler?
kerstin brums, 17.09.2017 22:08, 5 Antworten
moin, zum erstellen einer einfachen wordpress website kann ich keine fotos uploaden. vom rechne...
Arch Linux Netzwerkkonfigurationen
Franziska Schley, 15.09.2017 18:04, 0 Antworten
Moin liebe Linux community, ich habe momentan Probleme mit der Einstellung des Lan/Wlan in Arc...