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© Winterdove, sxc.hu

Im Codec-Dschungel

03.08.2009
Ob im Mediacenter oder auf dem iPod: Um das verwendete Dateiformat machen Sie sich auf Windows- oder Apple-Computern kaum mehr Gedanken. Linux spielt bestimmte Videos und Audiodateien meist erst nach manuellen Eingriffen.

Landen Video- oder Musikdateien auf Ihrem Desktop, starten ein Doppeklick auf diese in der Regel das passende Abspielprogramm. Unter Ubuntu 9.04 erledigt Totem den Job – und fällt auf einem frisch installierten System sehr wahrscheinlich auf die Nase. Von Hause aus spielt die Distribution ausschließlich freie Dateiformate ab, wie beispielsweise den MP3-Konkurrenten Ogg/Vorbis. Probleme bereiten hingegen vor allem exotische Kollegen aus der Windows-Welt. Haben die Totem-Entwickler hier geschlampt? Im Gegenteil: Im Laufe der Jahre haben viele kluge Köpfe noch mehr unterschiedliche Dateiformate erfunden – mit zum Teil äußerst lustigen Namen. Die haben sie dann meist wenig bis gar nicht gut dokumentiert. Für die Entwickler von Abspielprogrammen wäre es daher eine unglaublich aufwändige Arbeit, jedes Format in ihre Software zu integrieren. Daher bauten die Totem-Macher ihr Programm modular auf.

Lego-Kasten

Was sich Totem nennt, ist eigentlich nur eine grafische Oberfläche für die ebenfalls modular aufgebaute Multimedia-Software Gstreamer. Die lernt die verschiedenen Dateiformate wiederum über Plugins kennen. Jedes Plugin enthält dabei einen so genannten Codec. Wie das Akronym für COdierer / DECodierer schon andeutet, handelt es sich dabei um ein Stück Software, das Video- oder Audiodaten von einem in ein anderes Format umwandelt.

Möchte Totem beispielsweise eine MP3-Datei abspielen, reicht er die Datei an Gstreamer weiter. Dieser kramt im eigenen Fundus nach einem Plugin, das sich um MP3-Musik kümmert. Mit Hilfe des darin enthaltenen Codecs wandelt Gstreamer die Datei in hörbares Material um, das Totem umgehend wieder in Empfang nimmt und über die Lautsprecher ausgibt (Abbildung 1). Um Totem neue Dateiformate beizubringen, müssen Sie also nur die passenden Plugins nachinstallieren (Abbildung 2) – fragt sich bloß welche?

Zwiebelprinzip

Besonders Filmliebhabern stellt sich diese Frage: Denn Dateiformate aus der Windows-Welt, die meist auf .avi, wmv oder asf enden, dienen eigentlich nur als Container für die eigentlichen Video- und Audiodaten. Ob sich darin nun Videos im MPEG4 oder im seligen Indeo-Format verstecken, sehen Sie einer solchen Datei zunächst nicht an. Ähnliches gilt übrigens für Quicktime-Dateien (Endung .mov), wie sie Apple-Computer produzieren.

Sobald Totem auf ein Dateiformat stößt, das er nicht kennt, bietet er jedoch in den meisten Fällen an, selbständig in den Paketquellen nach einem passenden Plugin für Gstreamer zu kramen und die gefundenen Ubuntu-Pakete zu installieren (Abbildung 3). So wollen sowohl Totem als auch Rhythmbox (das auch Gstreamer nutzt) die Pakete gstreamer0.10-plugins-ugly und gstreamer0.10-ffmpegeinspielen, sobald Sie zum ersten Mal eine MP3-Datei abspielen.

Möchten Sie in Zukunft von diesen Rückfragen verschont bleiben, können Sie auch gleich die Plugin-Keule schwingen und über Synaptic das Paket ubuntu-restricted-extras installieren. Ubuntu holt sich dann gleich mehrere, häufig benötigte Plugins auf die Festplatte. Im Schlepptau hat es dabei allerdings auch Hilfsprogramme wie Suns Java oder verschiedene Windows-Schriftarten, die mitunter recht umfangreich ausfallen.

Wenn Sie noch einmal einen Blick auf Abbildung 3 werfen, so entdecken Sie dort ein Paket namens gstreamer0.10-plugins-ugly. Das ugly (hässlich) kommt nicht von ungefähr: Auf vielen Dateiformaten lasten Patente und Lizenzen (mehr zu dieser Problematik im Kasten "Gefährliche Liebschaften"). Um solche rechtlich zweifelhaften Plugins zu kennzeichnen, bezeichnen die Entwickler sie mit dem Prädikat ugly. Bietet Ihnen Totem also ein solches Pakete zur Installation an, müssen Sie selbst entscheiden, ob Sie es einspielen und sich somit in diese rechtliche Grauzone begeben wollen.

Gefährliche Liebschaften

Möchten Sie unter Linux kommerzielle DVDs anschauen, so benötigen Sie derzeit meist eine spezielle Bibliothek (die libdvdcss2), die den verwendeten Abspielschutz CSS (Content Scrambling System) aushebelt. In Deutschland und einigen weiteren Ländern ist ihr Einsatz vermutlich illegal, da sie einen "wirksamen Kopierschutzmechanismus" umgeht und somit gegen geltendes Urheberrecht verstößt [2]. Die einzig legale Abspielmöglichkeit für CSS-Scheiben bietet im Moment die knapp 40 Euro teure Software LinDVD aus dem Hause Corel [1].

Zu diesen Kopierschutzquerelen gesellen sich noch offene Patentfragen. Betroffen sind hiervon in erster Linie Kompressionsverfahren, wie MPEG2 oder das bei Musikfreunden beliebte MP3. Die entsprechenden Abspielprogramme und Bibliotheken wurden ohne den Segen der Patent- beziehungsweise Lizenzinhaber entwickelt und bewegen sich somit in einer rechtlichen Grauzone. Aus genau diesen Gründen müssen Sie die entsprechenden Pakete per Hand und auf eigene Verantwortung einspielen.

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Kommentare
LinDVD / Fluendo DVD Player
ma rch, Donnerstag, 15. April 2010 13:02:22
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Es gibt als günstigere Alternative zu LinDVD den Fluendo DVD Player s. auch http://wiki.ubuntuusers.de/Fluendo_DVD_Player


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Geht doch?
Trurl (unangemeldet), Freitag, 21. August 2009 13:15:58
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Also ich verstehe die Aufregung nicht.

Einfach die Paketquellen von medibuntu.org in Synaptic integrieren. Wie man das macht steht hier:
https://help.ubuntu.com/community/Medibuntu

Und danach einfach das Paket "non-free-codecs". Dann lassen sich alle Videoformate mit Totem abspielen. Wenn man Totem-Xine benutzen will, deinstalliert man das Paket "Totem" (nur dieses!) und installiert "Totem-Xine", dann ist Totem-Xine der Standardplayer und auch über das Menü zu erreichen.

Also alles ganz einfach. Sich unter Windows die ganzen Codecs zusammenzusuchen finde ich deutlich mühsamer.


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tzz.......
S.Haberäcker (unangemeldet), Montag, 03. August 2009 19:22:06
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Wisst ihr was ich nach wie vor ne Sauerei finde?
Das sich die Linux- Gemainschaft immer noch so schwer tun muss, "Kopiergeschütze DVD 's " unterstützen zu dürfen !

Wo bleibt da mal wieder die Gerechtigkeit der Betriebssysteme auf dem Mark?


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Infos zur Publikation

Ubuntu User ist bis Ausgabe 02/2013 vierteljährlich erschienen, aktuelle Artikel zu Ubuntu finden sich ab Ausgabe 04/2013 im LinuxUser.

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