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© (c) Michael Vogt

Apt-get Michael Vogt

Ubuntus Michael Vogt im Interview

24.10.2010
Schon lange vor Canonical war Michael Vogt Entwickler, damals für Debian. Was ihn zu Canonical brachte, was er dort tut und wie er zu Debian steht, verrät der Herr der Pakete im Interview.

Ubuntu-User: Wo genau wohnst Du eigentlich in Deutschland?

Michael Vogt: In einem kleinen Ort in der Nähe von Trier (Bullay).

UU: Wie lange arbeitest Du schon für Canonical und wie bist Du dort gelandet?

MV: Für das Projekt engagiere ich mich bereits seit der Gründung (also seit ca. Anfang/Mitte 2004). Ich war damals gerade mit der Arbeit am Synaptic Package Manager für Debian beschäftigt und Ubuntu brauchte ebenfalls eine solche GUI, daher wurde ich direkt angesprochen ob ich nicht mitmachen will. Seitdem ist sind grafische Oberflächen und Paketmanagement mein Thema.

UU: Warum Ubuntu und nicht OpenSuse, Debian oder Gentoo?

MV: Meine erste Heimat war Debian. Dort war ich von 1999 bis ca. 2004 ausschließlich als Entwickler dabei und habe an Synaptic (und an anderer Software) gearbeitet. Ich mag Debian immer noch sehr gern, und bin ein Debian-Entwickler. Aber mein Hauptfokus liegt heute auf Ubuntu und Projekten, die beide Distributionen gleichermaßen nutzen (wie apt und python-apt). Ubuntu hat mehrere sehr gute Ideen, die mich von Anfang an faszinierten: Time based Releases, Code of Conduct und die Philosophie des "it should just work" (dt. "es sollte einfach funktionieren").

UU: Wie sieht Dein Tagesablauf aus?

MV: Ich habe einen ziemlich geregelten Tagesablauf. Ich setzte mich eigentlich immer so gegen 9.00 Uhr an den Rechner, lese E-Mails und trinke ein paar Tassen Grünen Tee. Dann schreibe ich Code oder versuche Bugs zu reproduzieren und zu fixen. Danach gibt's Mittagessen und dann geht es mit mehr Tee und Code weiter. So gegen 18.00 Uhr gibt's dann Abendessen und je nach Laune (also fast immer) noch mal Code (aber keinen Tee mehr).

UU: Dein Hauptprojekt sind – laut Launchpad – die Paketmanager (Synaptic, Software-Center) und apt?

MV: Das ist richtig, ich habe meine Finger in vielen Projekten, die das Paketmanagement betreffen. Ursprünglich Synaptic, später kamen apt, python-apt, update-notifier, Update-manager, gdebi, language-selector hinzu. Das aktuelle Projekt ist das Software-Center, hier wird einiges getan, um die grafische Oberfläche schön zu gestalten und sie auch während der Installation bedienbar zu machen.

UU: Das Software-Center wird zu Ubuntus zentraler Paketverwaltung. Soll es Synaptic komplett ersetzen?

MV: Langfristig schon, wobei ich persönlich denke, dass beide ihre Berechtigung haben. Software-Center legt einen stärkeren Fokus darauf, zum Stöbern einzuladen (gute Kategorisierung) und ist stärker auf Anwendungen zentriert.

Synaptic eignet sich dagegen für eine umfassendere Sicht auf die Pakete und darauf, Operationen auf viele Pakete anzuwenden. So ist es z. B. mit Synaptic einfacher, alle Pakete mit dem Status "stammt aus dem PPA XY" zu finden und zu löschen. Für meine Mutter (die übrigens Ubuntu nutzt) ist das Software-Center definitiv die bessere Wahl. Ich nutze – je nach Einsatzzweck – beides.

UU: Ihr habt jetzt einen Reiter für Bezahlsoftware im Software-Center. Was für kommerzielle Anwendungen erwarten uns beim Release?

MV: Es wird wohl zunächst eine kleine Auswahl geben: Fluendos DVD-Player, eventuell mehr Multimedia sowie ein paar Spiele.

UU: Sind bereits Hersteller auf Euch zugekommen, die ihre Software unbedingt unterbringen wollen?

MV: Ja, es gibt ein paar interessante Kandidaten. Leider darf ich noch nicht alle nennen.

UU: Was für Probleme tauchen bei der Implementierung dieser Funktion auf?

MV: Die Implementierung lief recht gut an, die Interaktion mit Systemen, die Kreditkartendaten verarbeiten, verlangt natürlich immer besondere Sorgfalt. Sich auf die zu erwartende Datenmenge bei den Serveranfragen einzustellen, ist auch eine Herausforderung.

UU: Viele Kommandozeilenanwendungen erreicht man jetzt nur noch über den unscheinbaren Link View technical items. Wird das in der finalen Version auch noch so sein?

MV: Ja, zunächst einmal schon. Aber wenn sich in den User-Tests zeigt, dass hier einfach zu oft die falschen Dinge versteckt werden, werden wir entweder über Alternativen nachdenken. Andernfalls machen wir die entsprechende Einstellung dauerhaft.

UU: Ihr listet nun im Software-Center auch PPAs mitsamt der darin enthaltenen Software auf – eine gute Idee. Wird es in Zukunft eine Möglichkeit geben, die komplette PPA-Software zu deinstallieren und das PPA zu entfernen (ppa-purge)?

MV: Das ist derzeit nicht vorgesehen, aber eine gute Idee. Das Software-Center unterstützt Plug-ins. Es wäre also möglich dass ppa-purge als ersten Schritt ein entsprechendes Plug-in liefert, um z. B. per Rechtsklick auf ein PPA, die Option anzubieten, die Pakete restlos zu entfernen.

UU: Lässt sich die Integration der Schlüssel für PPAs in der grafischen Oberfläche einfacher gestalten?

MV: Ja, auch das ist ein gutes Thema für den nächsten Ubuntu Developer Summit [2]. Es ist ein schmaler Grat: Das Hinzufügen von PPAs sollte nicht zu einfach sein, da in den PPAs keine oder kaum Code Reviews stattfinden. Damit besteht die Gefahr, das bestehende System zu destabilisierten. Hat der User aber erst einmal das PPA hinzugefügt, dann soll natürlich auch der Schlüssel funktionieren.

Wir haben in einer der letzten Versionen mit der Kurzform ppa:username/ppaname beim Hinzufügen schon eine gewisse Vereinfachung ermöglichst. Mal sehen, was die Zukunft noch bringt. Vielleicht ein Button Downloade die fehlenden Schlüssel!.

UU: Wie sehen die konkreten nächsten Schritte in der Entwicklung des Software-Centers aus?

MV: Mein wichtigstes Anliegen ist das Hinzufügen von Ratings und Reviews (Bewertungen und Kommentaren; Anm. d. Red.) Wir wollen also, dass der User die Möglichkeit hat, die Programme zu bewerten. Selbstverständlich wird es verschiedene Sprachen unterstützen und es wird eine Moderationsfunktion geben.

Eine andere neue Idee ist die Integration des Zeitgeist-Projekt [3]. Damit können wir Dinge anzeigen wie Dieses Programm wurde 41 mal benutzt. Oder auch: Sie arbeiten viel mit JPG-Dokumenten. Möchten Sie vielleicht einmal Gimp ausprobieren?.

Glossar

Time based Releases

Das System, regelmäßig und zu festen Terminen stabile Releases herauszugeben.

Code of Conduct

Ubuntus Code of Conduct (Verhaltenskodex) [1] ist so etwas wie die Netiquette für die Entwickler des Ubuntu-Projekts. Er fordert von seinen Unterzeichnern eine höfliche und respektvolle Zusammenarbeit.

Infos

[1] Code of Conduct: http://www.ubuntu.com/community/conduct

[2] Ubuntu Developer Summit: http://summit.ubuntu.com/uds-n/

[3] Zeitgeist-Projekt: http://live.gnome.org/Zeitgeist

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Ubuntu User ist bis Ausgabe 02/2013 vierteljährlich erschienen, aktuelle Artikel zu Ubuntu finden sich ab Ausgabe 04/2013 im LinuxUser.

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