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Ubuntu One Music Store

Zwei Kilo Musik, bitte!

Apples iTunes zeigt, dass Anwender durchaus bereit sind, für Musik auch Geld auszugeben. Dazu muss ihnen aber jemand ein Angebot machen, das sie nicht ablehnen können. Tut das Ubuntus neuer Music Store?

Mit Shops lässt sich Geld verdienen, das macht Apple seit geraumer Zeit vor. Nun springt auch Ubuntu auf den Zug auf und integriert einen Online-Shop für Musik in seine Audioplayer. Über Rhythmbox und Banshee kaufen Sie nun auf Wunsch Songs und Alben in Form von MP3s ein.

Zwar verkauft Magnatune [1] bereits seit geraumer Zeit Musik über die freien Audioplayer, aber die Kooperation von Canonical und 7digital.com [2] geht deutlich mehr in Richtung Kommerzialisierung. Das sieht man bereits daran, dass der Shop die Songs bisher nur im MP3-Format anbietet (in verschiedenen Bitraten) – OGG- oder FLAC-Dateien suchen Sie vergebens. Die angebotenen Songs sind dafür Chart-tauglich, die Plattform bietet zumindest in Deutschland Musik von bekannten Künstlern und den vier großen Labels an.

Die angebotenen Songs lassen sich nur auszugsweise vorhören, was bei Magnatune anders aussieht: die Plattform konzentriert sich auf eine Nische und lehnt sich auch politisch an Open-Source-Konzepten an. Sie hören auf Wunsch alle Songs in voller Länge vor.

Ubuntu verknüpft nun den Online-Shop mit seinem existierenden Cloud-Dienst Ubuntu One [3]. Das macht Sinn: Einerseits brauchen die Anwender dann nicht für jede Transaktionen irgendwo einen neuen Account, andererseits landen die gekauften MP3s "in der Wolke", also auf den Servern von Canonical. Auf diese Online-Ressource greifen Sie dann mit beliebigen Rechnern zu. Da es sich um DRM-freie Musik handelt, laden Sie einmal gekaufte Songs auf beliebig viele Geräte herunter und hören sie, wann Sie wollen.

Das Registrieren bei Ubuntu One kostet nichts. Sie erhalten automatisch zwei GByte freien Speicherplatz, in dem Sie die Songs ablegen, aber auch Dateien, Notizen und Kontakte. Brauchen Sie als fleißiger Musikkonsument irgendwann mehr Speicherplatz, stocken Sie diesen gegen ein monatliches Entgelt von 10 US-Dollar auf 50 GByte auf. Apropos Geld: Als Bezahlmöglichkeit kommen zur Zeit nur Visa und Mastercard zum Einsatz. Besitzen Sie keine Kreditkarte, kommen Sie im U1MS – so wird der Shop inzwischen gern abgekürzt-- nicht weiter.

Auf zum Shoppen

Neben dem unter Ubuntu vorinstallierten Rhythmbox unterstützt noch der Audioplayer Banshee den U1MS. Dafür installieren Sie eine Erweiterung mit dem kurzen Namen banshee-extension-ubuntuonemusicstore, der Paketmanager spielt dann auch Banshee und alle abhängigen Pakete auf die Festplatte. Dann wählen Sie in Banshee BearbeitenEinstellungen und aktivieren den Shop über das Register Erweiterungen.

Hauptschauplatz für den Store dürfte aber Ubuntus Standardplayer Rhythmbox sein. In ihm klicken Sie in der Seitenleiste links auf Ubuntu One. Zunächst fordert der Player Sie auf, den MP3-Support zu installieren. Klicken Sie einfach auf den angebotenen Button, um das zu erledigen. Da der nun auftauchende Installer hier gleich mehrere Pakete einspielt, dauert der Vorgang eventuell ein Weilchen. Im Anschluss erscheint aber gleich der Shop im Rhythmbox-Fenster (Abbildung 1).

Abbildung 1: Große Auswahl: Der Ubuntu One Music Store in Ubuntus Audioplayer Rhythmbox.

Über die Suchleiste im Shop fahnden Sie nach Songs und Künstlern, über den Knopf Download packen Sie diese in den virtuellen Einkaufswagen. Haben Sie genug Musik eingesammelt, gehts Zur Kasse. Nun öffnet sich ein Browser-Fenster, über das Sie sich bei Ubuntu One anmelden. Fehlen Ihnen Anmeldedaten, registrieren Sie sich zunächst online bei dem Dienst. Nach dem Anmelden klicken Sie auf Yes, sign me in (Abbildung 2) und im nächsten Fenster auf Add this computer.

Nun stecken Sie zwar in der Wolke, die Anmeldung von Rhythmbox in unserem Musikgeschäft scheiterte jedoch. Erst ein Neustart von Rhythmbox brachte uns im Test bis an die Kasse – allerdings mussten wir unsere Bestellung dafür nochmal aufgeben. Sie sollten sich also erst bei Ubuntu One anmelden und dann den Shop aufrufen, andernfalls verlieren Sie eventuell Ihre kompletten Bestellungen. Der Fehler wird hoffentlich im Rahmen eines der kommenden Updates repariert.

Abbildung 2: Nach dem Anmelden in Ubuntus Cloud, kehren Sie zum Online-Shop zurück, um einzukaufen. Ein Fehler sorgt aber momentan dafür, dass Sie Rhythmbox neu starten müssen.

Fazit

Der Eindruck des Music Store ist noch durchwachsen. Zu lange dauert es, bis man die Kasse erreicht. Die Ubuntu-One-Oberfläche ist nicht in Rhythmbox selbst integriert. Der daraus resultierende Wechsel zu Firefox und das nachträgliche Anmelden sind nicht nur umständlich, sondern scheinen auch technische Probleme zu verursachen. Das Aufrufen des Dienstes dauert etwas zu lange und der fehlende OGG- und FLAC-Support dürfte einigen Linux-Nutzern sauer aufstoßen.

An diesen Details wird Ubuntu aber sicher noch feilen, um mehr Anwender zum Einkauf zu bewegen. Praktisch ist sicherlich die Verbindung von Ubuntus Wolke und dem Musikladen. So haben Sie überall Zugriff auf die gekaufte Musik. Die Musikauswahl ist wirklich beeindruckend. Viele Ubuntu-Anwender werden ihr Geld lieber in den Ubuntu-Shop tragen, als zu Amazon oder iTunes. Die Tatsache, dass das Ubuntu-Projekt von den Einkäufen profitiert, dürfte für überzeugte Anhänger ein zusätzlicher Ansporn sein, den Laden zu besuchen.

Nebenbei profitiert von dem Store auch noch jemand komplett anderes: Der iberische Luchs (Iberian Lynx). Da dieser vom Aussterben bedroht ist, gehen 50 Prozent der Gewinne, die Canonical mit den Songs macht, an die Tierschutzorganisation SOS Lynx [4] – jedenfalls bis zu einem Gesamtbetrag von 1004 US-Dollar [5].

Infos

[1] Magnatune-Shop: http://magnatune.com/

[2] 7digital: http://de.7digital.com/

[3] Ubuntu One: https://one.ubuntu.com/

[4] SOS Lynx hilft Luchsen: http://www.soslynx.org

[5] Canonical-Ankündigung: http://www.ubuntu.com/getubuntu/music-store-lynx

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Kommentare
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Hans Dampf (unangemeldet), Dienstag, 18. Mai 2010 09:31:52
Ein/Ausklappen

Also dieses andauernde Rumgereite auf dem fehlenden Support für OGG und FLAC ist einfach nur nervig. Lieber Redakteur schauen Sie sich noch einmal genau die Partner und schauen Sie sich auch den Musikkatalog von 7digital an und kombinieren Sie dies dann mit der Tatsache, dass 7digital neben iTunes und Napster zu den weltweit größten Musikanbietern gehört und dann lassen Sie noch einmal die Größe und weltweite Bedeutung von Ubuntu Revue passieren. Was ist dann der logischen Schluss?
Richtig. Kein Support für OGG und FLAC. Ob und wann diese Formate von 7digital mal angeboten werden, weiß nur 7digital allein. Ubuntu hat mit der Partnerschaft die Möglichkeit erhalten, seinen Usern Zugriff auf über 10 Millionen Songs zu bieten. Dagegen können Nischenanbieter wie Jamendo und Co. wohl antreten.
Also lassen in dem Fall doch bitte diese Phrasendrescherei. Danke.


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Infos zur Publikation

Ubuntu User ist bis Ausgabe 02/2013 vierteljährlich erschienen, aktuelle Artikel zu Ubuntu finden sich ab Ausgabe 04/2013 im LinuxUser.

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