Der erst bei MySQL und später bei MariaDB beschäftigte Henrik Ingo hat eine Betrachtung zu den Erfolgsstrategien Open-Source-Projekte und -Firmen verfasst.
Henrik Ingo kündigte vor kurzem bei der hinter MariaDB stehenden Firma Monty Program, weil ihm die Firmenstrategie missfiel. Unabhängig davon hat er nun in seinem Blog einen Beitrag veröffentlicht, in dem er die neun mit Abstand größten Open-Source-Projekte betrachtet, zu denen er Linux, KDE, Apache, Eclipse, Perl samt CPAN, Mozilla und Addons sowie Gnome, Drupal und GNU zählt. Er rechnet diese Projekte zur Kategorie “XtraLarge” und stellt gleichzeitig in seiner Betrachtung fest, dass diese Top-Neun durchgehend von Non-Profit-Organisationen beziehungsweise Stiftungen geleitet werden. Kein von einer einzelnen Firma initiiertes Projekt habe auch nur annähernd die Masse der XL-Projekte erreicht, schreibt Ingo. Dieses klare 9:0-Ergebnis lässt ihn folgern, dass es eine Art unsichtbare Obergrenze für Firmen-abhängige Großprojekte gibt, zu denen er MySQL, Qt, Open Office, Mono und JBoss zählt. Ingo kommt zu Schluss, dass die Organisationsform der Stiftung ein klarer Vorteil ist. Die so geführten XL-Projekte haben mehr als 1000 Entwickler und mehr als 100 Commits pro Tag und seien rund zehnmal so groß wie die nachfolgenden.
Die Investitionen in freie Projekte beleuchtet Henrik Ingo anhand von Red Hat und Novell und misst deren Beiträge zum Kernel und den daraus gezogenen Nutzen in Form von Marktanteilen. Die schlichte Rechnung lautet dann, dass Red Hat etwa 12 Prozent zur Entwicklung zum Linux-Kernel beiträgt, was die US-Firma zum größten Mitentwickler des Kernels macht. Aus diesem Engagement ziehe Red Hat rund 62 Prozent Marktanteil im Linux-Distributionsgeschäft, was etwa dem Faktor vier entspreche. Novell komme mit einem Beitrag von rund 8 Prozent zu Linux auf 29 Prozent.
Die Gegenrechnung: Wäre Red Hat der einzige Hersteller, der den Kernel entwickelt, läge die Entwicklungsleistung nur etwa bei zehn Prozent des derzeitigen Status, den die ganze Community erreicht. Damit sieht Ingo wiederum seine erste Beobachtung belegt, dass selbst große Firmen-geführte Projekte ihre Grenze bei einem Zehntel der XL-Projekte finden.
Klare Empfehlung für Firmen: Beteilige dich an einem freien Projekt mit einer Non-Profit-Organisationsform oder gründe selbst die Stiftung. Über den Daumen gepeilt kann das Projekt damit um den Faktor zehn wachsen und damit auch der Markt für die Software sowie der eigene Marktanteil.
Die Ausnahme zur Foundation-Erfolgsregel könnte OpenJDK werden, das nach dem Einstieg von IBM (das dafür Apache Harmony aufgegeben hat), den Beiträgen von Red Hat und dem Engagement von Oracle als Hausherr das Potenzial zum Xtra-Large-Projekt besitze. Aber: Java sei als proprietäres Produkt zur jetzt erreichten Popularität aufgestiegen und damit nicht eins zu eins mit freien Projekten vergleichbar.





