Eigentlich war ich ja verwöhnt (iRiver iHP120), aber nachdem der alte Player akkumäßig immer kurzatmiger wurde reift der Enschluß einer Neuanschaffung. Das Fazit gleich mal vorweg: ich bin sehr zufrieden mit dem D2 (8GB, kein DAB) von Cowon [2], trotzdem gibt es einige Punkte, die man durchaus auch nicht mögen kann.
Konzeptionell ist der Player mit einem Touchscreen versehen, die drei oberen Drucktasten lassen sich aber mit Funktionen belegen (Vol +/- und Skip fwd, bzw. Start/Stop). Die Tasten sind einigermaßen klein und die mittlere Taste (Skip) ist nicht wirklich leicht zu tasten. Sprich, für die “Blindbedienung” gibt es von mir Minuspunkte. Wer den D2 bedienen will, wird ihn also in der Regel aus der Tasche, dem Rucksack, der Innentasche herausnehmen und Blickkontakt aufnehmen müssen.
Bedienung: die Benutzerführung ist wirklich angenehm selbsterklärend und gibt eigentlich keine Rätsel auf (die Bedeutung einiger weniger unwichtigerer Optionen muß man eben einmal nachschauen). Die Firmware kann man optisch aufpeppen (suche Themes in [1]), man kann auch die Koreanische Firmware 3.55 installieren (die Benutzeroberfläche ist auch dort in allen Sprachen) und den Player mit hübschen Flash-Skins ausstatten (muß man aber nicht und SOLLTE man nicht, wenn man audible-Dateien abspielen möchte, das geht mit der Koreanischen Firmware nicht). SDHC Kartenscan nach Musikbefüllung dauert bei einer größeren Karte schon mal etwas (1-2 Minuten bei 16GB), wenn keine Änderung vorgenommen wurde startet das Gerät in 2-4 Sekunden.
Navigation: entweder mit der Datenbank oder aber über Dateibrowser. Beide Möglichkeiten zu haben ist für mich ein riesiger Vorteil, gerade wenn man die weniger oft genutzten Dateiformate gerne nutzt (OGG, FLAC), denn mit den tags, da hat die Frimware bei OGG noch kleinere Sortierungsprobleme (Tracknummer).
Linux-Tauglichkeit: War für mich, neben der OGG Unterstützung ein mit ausschlaggebender Grund für den D2. Der Player wird als externer Wechseldatenträger einfach erkannt und eingebunden. Das gleiche gilt für die SDHC Speicherkarte. Die Datenübertragungsraten sind gut, bei Amarok kann man den Player und/der die SDHC Karte einbinden und munter Musik verwalten (Firmware 3.55). Unterstützte Formate siehe [3]. Für ein Firmware-Update ist keine Windowsinstallation erforderlich.
Der Klang: ein Lautstärkeproblem hat der kleine D2 nicht. Wer möchte kann sich gepflegt Hammer und Amboß ruinieren. Wem der “natürliche” Klang des D2 nicht paßt der kann mit allerlei Soundverbesserern nachhelfen. Neben einem 5-Band Equalizer, sind auch andere “Effekte” dabei, von denen ich BBE und MPEnhance hervorheben möchte. Diese beiden Effekte kann ich wirklich empfehlen, weil sie eben nicht wie Effekte klingen (wie z.B. SRS WOW, oder 3D Surround, o.ä.), sondern die Soundqualität tatsächlich verbessern. Natürlich gibt es auch Bass-Boost und anderes, aber wer von der Audiophilen “so-wenig-wie-möglich”-Richtung kommt, wird solche Overkilleffekte eigentlich eher meiden. BBE (Stufe 1) und MPEnhance dagegen geben dem Sound des D2 für mich genau den richtigen kleinen Kick in Richtung mehr Transparenz, der mir bei “alles-Null” Einstellung fehlt (und das mit verschiedenen Kopfhörern).
Video: Der Bildschirm ist wirklich klasse (Schärfe, Kontrast), nur bei direktem Sonnenlicht gerät die Lesbarkeit etwas an ihre Grenzen. Ich benutze für die Videoformatkonversion das Program iriverter [4] (eine Konfigurationsdatei für den D2 gibt es im oben erwähnten Forum [1], ebenso Tipps zur Videokonversion mit mencoder oder anderen Programmen).
Photos: bisher habe ich nur die *.jpg’s aus der Digikam benutzt und keinerlei Probleme festgestellt. Allerdings rendert der D2 1-2 Sekunden an einem 5 Megapixel Bild herum. Diashows können auch (mit extra Kabel) über TV angeschaut werden. Nett für Urlaube.
Aufnahmefunktion: nur ins wma-Format (mir völlig unverständlich), Qualität vom internen Mikro ist aber erstaunlich gut (für Alltagsmitschnitte versteht sich).
Radio: Ähm, das ist für mich ein Punkt auf den ich weniger Wert lege. Daher gibt es von mir TROTZ des schlechten Empfangs nur einen kleinen Punktabzug. Ich weiß nicht, ob es am Kopfhörer liegt (der ja die Antenne bereitstellt), aber mit meinen “Reisestöpseln” ist der Empfang unterirdisch. Das bekommen die allermeisten “Werbegeschenke” um Längen besser hin. Aua.
Flash und andere Spielereien: Flash-Version 2.1 ist unterstützt. Ansonsten gibt es ein kleines Notepad zum kritzeln, Taschenrechner, Wecker, Uhr, Sleepfunktion, und mit der Koranischen Firmware auch ein Koreanisch-Englisches sowie ein Englich-Englisches Wörterbuch. Über die Flash-Funktion können auch weitere Programme installiert werden (z.B. ein Texteditor, oder ein Kalenderprogramm).
Sonstige Ausstattung: eher mager, keine Kabelfernbedienung (liegt am Konzept), keine Adapterkabel für ext. Mikrofon, Line-In Aufnahme oder TV-Ausgang. Ladegerät und Zeigestiftchen sind dabei (Fingerbedienung ist aber kein Problem).
Batterielebensdauer: die 52h sind ein grenzirreführender Idealwert. Ich höre überwiegend OGG -q8 (ca 296 kbit/s), da muß der D2 eben pro Minute Musik mehr Daten lesen, ich höre auch nicht auf Vol. 10 sondern meist zwischen 15 und 20 (von 50), ich tippe auch öfter mal den Touchscreen an. In der Praxis komme ich so auf ca. 22-26 Stunden (rum-)Spielzeit. Ich lade das Ding bei meinen Hörgewohnheiten vielleicht alle drei bis vier Wochen einmal ganz auf (der D2 “tankt” allerdings auch bei der Dateiverwaltung immer ein bischen am USB Port auf). Die Kapazität nimmt am Anfang mit den ersten paar Ladezyklen auch noch etwas zu.
Fazit: Alles in allem hängt der D2 die Apfelkonkurrenz in der Soundqualität reichlich ab, unterstützt auch audiophilere Formate, braucht kein Sonderprogrämmchen, um ihn zu betanken, zeigt klaglos auch die großen Fotos von der Digikam am, spielt die (konvertierten) Diaschows munter ab, ist ein haptisches Vergnügen und Dank SDHC Kartenerweiterung auch im Prinzip unendlich groß (eine 16 GB Karte habe ich drin und 4GB Karten kosten fast nix mehr). Natürlich ist er nicht so sexy wie ein iPod Touch, allerdings finde ich ihn vom Gebrauchswert, eben gerade wegen der Unabhängigkeit von Formaten und Betriebssystem (oder Musikverwaltungsprogramm), bedeutend besser. Und das Wichtigste ist eh der Klang, und da punktet der D2 mächtig.
Bezugsquellen: z.B. Amazon und [5]
[1] http://iaudiophile.net/forums/forumdisplay.php?f=53
[2] http://www.cowon-germany.com/
[3] http://www.cowon-germany.com/?page=product&id=1&tab=techdata
[4] http://iriverter.sourceforge.net/index.shtml
[5] http://www.mp3-player.de/





Hallo Benjamin, danke für den ausführlichen Bericht! Ich liebäugele seit geraumer Zeit mit einem Player, und hätte da noch ein paar Fragen. Liest der Player überhaupt die Vorbis-Tags, oder interpretiert er nur die Dateinamen? Ich hatte in der letzten Zeit einige Software-Player (für Windows) ausprobiert, von denen die meisten massive Probleme mit den Tags hatten; erstaunlich, so schwer kann das doch nicht sein… Vermutlich ist das eher ein Indikator dafür, wie (wenig) ernst Ogg genommen wird. Hast Du auch mal andere Bitraten ausprobiert, und klingen die auch gut? Wie schnell ist denn die Datenanbindung über USB (interner und SDHC)? Nur… Mehr »
Hi, der Player liest tatsächlich die Vorbis-Tags auch, allerdings hat Cowon es bis dato noch nicht hinbekommen, daß die Sortierung nach Tracknummer korrekt funktioniert (Reihenfolge zum Beispiel 1, 10, 11, 2, 3, 4, …), was man aber offenbar irgendwie umgehen kann wenn man den Tag zusätzlich die Inro mitgibt das wieveilte Stück von wievielen es ist (also 1/11, 2/11, 3/11, 4/11); was meiner Meinung nach ja Murks ist und Vorbis-Tags ausreichend gut dokumentiert sind um eine genauso saubere Implementation wie dei ID3 hinzubekommen. Allerdings funktioniert das Sortieren im Datei-Browser-Modus (Artist – %tracknumber_with_leading_zero – Titel). In der vorgenannten Dateinamensform habe ich… Mehr »
Also ich habe früher mal einen mit 229€ höllisch teuren iRiver-Player iFP-890 nach kurzer Zeit zurückgegeben, weil er diverse Macken hatte: Bei ogg vorbis sollte es keine Bitraten-Beschränkung geben ogg vorbis- und mp3-Tags sollten mit beliebig vielen Zeichen funktionieren ogg vorbis und mp3 sollten gapless wiedergegeben werden Nicht-Audio-Dateien und nicht erkannte MP3-Dateien sollten die Firmware nicht in endlose Absturz-Neustart-Schleifen versetzen Es sollte kein lautes Einschaltknacken im Ohr geben Ein Gerät sollte nicht bei Lautstärke 0 -10 mit lautem Rauschen auffallen Einem Gerät sollte es nicht an USB-Massenspeicher-Funktion mangeln Von dieser Mängelliste des iRiver-Players abgesehen sollte ein Player heutzutage folgende Features… Mehr »
+ OGG bis ~q10 + Vorbistags: bisher habe ich kein Stück gefunden, daß der Player nicht korrekt anzeigt – kein Gapless + andere Dateien: kein Problem, unbekannte Dateien werden im “Datei”-Browser nicht angezeigt. + kein Einschaltknacken + kein Rauschen (weder im leisen Bereich und auch nicht bei sehr “lauter Stille”) + USB Massenspeicherfunktion ist OK (mit europ. Firmware 2.xx geht auch MTP für DRM-lala … wer’s braucht) – verlöteter Akku, lt. [1] gibt es allerdings einen Austauschservice (was der taugt und was er kostet und ob es ihn noch gibt, wenn der Akku nach 4 Jahren wirklich die Grätsche macht… Mehr »