Mit dem Boom der Netbooks blüht auch die Idee des Web-OS auf. Nach Jolicloud nimmt das Xenon-Projekt Fahrt auf, verfolgt aber einen etwas radikaleren Ansatz.
Als Grundlage von Xenon dient ein, auf das gerade Notwendigste zusammengestrichene Linux-System, das innerhalb von 5 Sekunden einen Internet-Browser bootet. Dieser lädt anschließend ein paar lokal gespeicherte Seiten nach, die zusammen eine Benutzeroberfläche realisieren. Über sie aktiviert der Benutzer wiederum Web-Anwendungen und administriert seine Arbeitsumgebung.
Wie diese angeblich „neuartige“ Benutzeroberfläche aussehen wird, zeigen die Entwickler von Xenon auf ihrer Homepage. Mehr als eine erste, rudimentäre Demonstration darf man allerdings noch nicht erwarten, sämtliche Menüpunkte führen noch ins Leere.
In Xenon läuft zwar noch der Linux-Kernel im Hintergrund, im Gegensatz zum Jolicloud OS (LinuxCommunity berichtete) werden sich Linux-Programme aber wohl nicht mehr ausführen lassen. Der Fokus liegt voll auf den, teilweise speziell für Xenon entwickelten Web-Anwendungen. Das Xenon-Projekt plant zudem einen eigenen App-Store, über den man weitere Anwendungen nachladen beziehungsweise aktivieren kann. Unklar ist bislang, ob Xenon auch proprietäre Techniken wie Adobes AIR oder Flash unterstützt. Immerhin versprechen die Entwickler einen wesentlich geringeren Energieverbrauch gegenüber herkömmlichen Betriebssystemen.
Neben Netbooks soll Xenon auch im Internet laufen. Auf diese Weise kann der Benutzer aus jedem beliebigen Browser heraus auf seine gewohnte Arbeitsumgebung zugreifen. Erklärtes Ziel ist es auch hier, die Grenzen zwischen Internet und lokalem System zu verwischen: Anwender merken im Idealfall nicht mehr, ob sie online oder offline arbeiten, Entwickler von Web-Anwendungen können ohne umzulernen direkt lokale Anwendungen schreiben. Darüber hinaus lassen sich die Einstellungen und Dokumente leichter zwischen verschiedenen Geräte austauschen, eine Neuinstallation des Betriebssystems entfällt. Auch Programmupdates lassen sich einfacher verteilen. Wie dies alles genau aussehen, beziehungsweise funktionieren soll, erfährt man allerdings noch nicht. Sehr wahrscheinlich verfolgen die Macher hier einen Ansatz aus dem Cloud Computing.
Xenon ist die Reaktion des Studenten Dan Dart auf den Blogeintrag 5 Things I Wish Linux Had. Zusammen mit Kumail Hunaid und einigen weiteren Mitstreitern soll ein neuartiges Betriebssystem mit einer einfachen, einzigartigen Benutzeroberfläche entstehen. Außer diesen vollmundigen Ankündigungen und den ersten Demonstrationsversuchen ist allerdings noch nicht viel auf der Homepage zu sehen. Ob das Projekt erfolgreich wird, hängt nicht zuletzt auch von den verfügbaren Web-Anwendungen ab. Derzeit sucht die Entwicklermannschaft jedenfalls händeringend nach weiteren Web-Programmierern.





