Wer in aller Welt ist so dumm, 50 Euro für einen Linux-Desktop zu bezahlen, um dann nach einem Jahr keine Updates mehr zu erhalten… ?
SLED ist die Abkürzung für Suse Linux Enterprise Desktop, das Kauflinux von Novell für den Desktop. Eine SLED10-Lizenz kostet offiziell 47 Euro pro Jahr, danach gibt es keine Updates mehr, außer man verlängert das Abo gegen eine Gebühr. SLED 10 setzt auf Kernel 2.6.16 und bringt trotz Service Pack 2 immer noch Firefox 2 als Standardbrowser mit. Als Desktop kommt Gnome 2.12 zum Einsatz.
Heute teste ich nun das Lenovo S10e mit vorinstalliertem Enterprise Desktop von Novell. Mal abgesehen davon, dass der komplette Desktop in Englisch ist: wer auf der Welt kann so dumm sein, ein Netbook mit SLED zu verkaufen? Das System überfordert sogar den Linux-Normalnutzer, von Windows-Umsteigern ganz zu schweigen. In den ersten fünf Minuten kam ich drei Mal an eine kritische Schwelle.
- Zunächst hörte ich fast keinen Sound, bis ich bemerkte, dass man im Gnome-Mischpult noch den Kanal Front einschalten muss, der war nämlich fast auf Null.
- Als ich danach die Sprache auf Deutsch umschalten wollte, sagte mir der Paketmanager, dass ich die DVD 1 einlegen soll (Netbook, DVD-Laufwerk??)
- Nachdem ich ein paar Mal auf Skip gelickt hatte und der Desktop nach einem Logout/Login endlich deutsch sprach, hatte mir SCIM freundlicherweise den Zeichensatz auf irgendeine asiatische Sprache umgestellt.
Spätestens bei Punkt 3 hätte ich als Windows-Nutzer den SLED gelöscht und mein geliebtes XP installiert. Als Linux-Nutzer brachte mich das natürlich nicht aus dem Konzept – bis ich bemerkte, dass auch die Pipe-Taste nicht funktionierte. Zeit, OpenSuse 11.1 zu installieren. Hier geht die Pipe-Taste.
Wenn Microsoft den OEMs Windows XP für 10 Dollar oder weniger nachwirft, kann ich als Linux-Distributor natürlich auch meinen 3 Jahre alten Desktop noch zu verkaufen versuchen. Aber Windows XP war vor drei Jahren schon besser als SLED, weil es die Nutzer besser kennen. Wenn Linux auf dem Netbook-Markt erfolgreich sein soll, dann brauchen wir keinen Windows-Klon, sondern innovative Distributionen mit speziell auf Netbooks angepassten Oberflächen und vor allem brauchen wir “It just works”.
Nach dieser erneuten negativen Erfahrung mit SLED erstaunt es mich nicht, dass Lenovo für Endnutzer keine Rechner mehr mit Linux anbietet und MSI dem Linux-Netbookmarkt ebenfalls vorerst den Rücken zuwendet. Besser kein Linux als SLED, kann ich da nur sagen. Auch begrüße ich den Entscheid von HP, sein neues Netbook anstelle von SLED mit einem stark angepassten Ubuntu auszuliefern. Das gibt es zwar in Europa nur mit Windows XP zum Kauf, allerdings lässt sich die HP Mediacenter-Edition (MIE) mit einem kleinen Trick auf jedem Atom-Rechner installieren (ich schreibe bereits am Artikel dazu :-). Linux muss besser als Windows sein, damit es sich durchsetzt und zum Glück ist es das in vielen Bereichen schon.
Auch SLED10 ist nicht schlecht. Aber der Suse Linux Enterprise Desktop hat auf einem Heimrechner nichts verloren. Ich weiß nicht, wer das nicht kapiert hat, Novell oder die OEMs.






