Der Jahresbericht des Bundesrechnungshofes ist keine leichte Lektüre: Auf 274 Seiten schildert die Kontrollinstanz, welche Behörde Geld verschwendet oder – das gibts auch – Geld spart (meist aufgrund der Anregungen des Rechnungshofes). Auch die IT-Ausgaben nimmt der gestern veröffentlichte Bericht aufs Korn.
So kritisiert die Behörde auf Seite 233 des PDF-Dokuments, dass die etwa 300.000 Rechner der Bundesverwaltung in den letzten Jahren regelmäßig auf neue Versionen “des etablierten Herstellers mit einem Marktanteil von 90%” [Anm. d. Red.: meint vermutlich Microsoft] aktualisiert wurden, “Alternativen […] wurden nur in Einzelfällen in Erwägung gezogen”. Wenn überhaupt, seien bei Aktualisierungen die etablierten Hersteller herangezogen worden, ohne Open-Source-Alternativen zu prüfen, obwohl Open-Source-Software “beliebig und ohne Zahlungsverpflichtungen gegenüber einem Lizenzgeber kopiert, verbreitet, verändert und genutzt werden darf.”
Auf Anregung des Rechnungshofes habe die Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnologie (KBSt) zumindest einige Empfehlungendes Bundesrechnungshofes aufgegriffen, etwa in puncto Standardisierung von Software und Bewertung von Alternativen im Rahmen der Wirtschaftlichkeitsprüfung. Die Fachkompetenzen zum Thema Open-Source seien gestärkt worden, ein Competence Center zum Thema “Open Source” befände sich im Aufbau.
Die Behörde kritisierte die KBSt zugleich. Ihr Material sei nicht auf dem neuesten technischen Stand und gehe nicht auf die Bedürfnisse in der Praxis ein – so etwa der Migrationsleitfaden. Beratungs- und Unterstützungskompetenzen müsste die Behörde weiter ausbauen. Zudem seien vorhandene Pilotprojekte in der Open-Source-Migration zu wenig herangezogen worden.
Wie groß die Auswirkungen dieser Vorschläge sein werden, bleibt offen: Die Behörde stellt den Bericht dem Parlament und der Regierung vor, auch in der Presse findet der Bericht meist Beachtung. Bindend sind die Vorschläge allerdings nicht.




