Bericht: Wann kommt Debian 4.0?

Bericht: Wann kommt Debian 4.0?

Die Zuversicht weicht der Skepsis: Ursprünglich wollte das Debian-Projekt die Features seiner nächsten Version 4.0 (Codename “Etch”) zum jetzigen Zeitpunkt schon eingefroren haben. Doch die hohe Anzahl an RC-Bugs (Release-Critical, also Bugs, die ein Release verhindern) ist seit August nur sehr langsam gesunken und liegt momentan bei etwa 250 – deutlich über der für einen Freeze anvisierten 80.

Daher kündigte Release-Manager Andreas Barth gestern an, das Paketarchiv einige Tage später einzufrieren. Er visiert Ende Oktober oder Anfang November als neuen Termin an. Am Ziel, Debian 4.0 im Dezember 2006 zu veröffentlichen, hält Barth allerdings weiterhin fest; es besteht also noch Hoffnung, dieses Jahr mit einer frischen Debian-Version rechnen zu können.

Unter der Ägide von Projektleiter Anthony Towns sowie den Release-Managern Andreas Barth und Steve Langasek wurde erstmals Anfang des Jahres festgelegt, Debian 4.0 im Dezember 2006 zu veröffentlichen. Towns schaffte dazu zunächst die Postition eines Assistenten des Projektleiters. Doch mit der Zeit legten sich diesem Ziel mehr und mehr Steine in den Weg.

Gleich zweimal kündigten sich massive Probleme an, die der gleichen Grundlage entwachsen: Der Entwickler des Brennprogramms Cdrecord, Jörg Schilling, bemängelte, dass Debian mit der Praxis, Patches auszuliefern, gegen die Cdrecord-Lizenz verstoße. Die Patches sollen vor allem den Umgang mit SCSI-Laufwerken unter Kernel 2.6 regeln. Nach einem langen und ausdauernden Streit forkten die Debian-Entwickler Cdrecord und gründeten das neue Paket Cdrkit. Damit war dieses Problem erstmal gelöst.

Doch im September kündigte sich gleich das nächste an. Zum wiederholten Male meldete sich der Mozilla-Repräsentant Mike Conner beim Debian-Projekt und reklamierte ebenfalls die Patch-Praxis. Debian verstoße gegen die Firefox-Lizenz, weil die Entwickler eine “veränderte” Version von Firefox unter dem offiziellen Namen vertrieben. Dass jede andere Distribution diese Praxis ebenfalls verfolgt, scheint Connor egal zu sein.

Ob Firefox im Dezember mit Debian 4.0 ausgeliefert wird, steht momentan in den Sternen. Es gibt also noch viel zu tun für die Entwickler. In dieser Release legt sich Debian nicht, wie früher, selbst Steine in den Weg, sondern bekommt sie von diversen anderen Projekten vor die Füße geworfen. Es bleibt zu hoffen, dass Debian zukünftig stärker als die wichtigste Linux-Distribution überhaupt wahrgenommen wird. Sie dient als Basis für etliche Weiterentwicklungen und ist für die Community unentbehrlich.

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Felix Schwarz
19 Jahre her

Debian verstoße gegen die Firefox-Lizenz, weil die Entwickler eine “veränderte” Version von Firefox unter dem offiziellen Namen vertrieben. Dass jede andere Distribution diese Praxis ebenfalls verfolgt, scheint Connor egal zu sein. “Jede andere Distribution” ist schon mal ziemlich polemisch. Es gibt bestimmt irgendwelche, die einen Vanilla-Firefox mitliefern. Zum anderen haben die anderen großen Distributionen sich ihre Patches von der Mozilla Foundation absegnen lassen (z.B. darf Fedora Pango-Patches in Firefox integrieren). Debian hat ein solches Vorgehen abgelehnt und gleichzeitig das Branding verändert (z.B. das Firefox-Logo an einigen Stellen ersetzt). Dann ist die Konsequenz aus dem Markenrecht, dass dieses Programm in Debian… Mehr »

Kevin Krammer
19 Jahre her
Reply to  Felix Schwarz

Soweit ich das verstanden habe ging es bei den Patches im Wesentlichen um die Möglichkeit, im Falle einer Sicherheitslücke eine entsprechend korrigierte Version paketieren zu können ohne zuvor auf ein OK der Mozilla Foundation warten zu müssen.

Es ist zwar nicht so, daß die Mozilla Foundation weniger schnell reagieren würde, aber es scheint dort üblich zu sein, lieber eine neue Version ohne Lücke auszuliefern, anstatt eine alte Version zu patchen.

Das ist aber logischerweise für Debian im Falle eines Stable Paketes keine Option.

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