Treue Anhänger von Suse Linux erwarten jede neue Version mit großer Spannung. Bei dieser Version sorgt Novell allerdings mit zahlreichen Neuerungen in letzter Minute für zusätzlichen Nervenkitzel. Wir stellen die Neuheiten in Suse Linux 10.1 vor und erklären, wie es zu den Änderungen kam.
von Marcel Hilzinger
Dieser Artikel wurde ursprünglich in LinuxUser Ausgabe 04/2006 veröffentlicht und exklusiv für die Linux-Community ausgewählt. Weitere Beiträge findet ihr auch auf der LinuxUser-Homepage. Wie immer interessiert uns euer Feedback. Schreibt uns hier eure Meinung, sodass wir in Zukunft weitere interessante Artikel aus unseren Heften auswählen können.
Eigentlich wollte Novell das neue Suse Linux bereits Mitte März an der CeBIT einem breiteren Publikum präsentieren. Größere Änderungen an den zentralen Systemkomponenten machten aber einen Strich durch diesen Plan. Das nächste Suse-Release steht deshalb nicht vor Mitte April zum freien Download beziehungsweise als Box in den Geschäften bereit.
Nur noch GPL-Module
Für einiges Aufsehen sorgte Nachricht die Nachricht, dass Novell in Zukunft keine Kernel-Module mehr ausliefert, die nicht Open Source sind. Diese neue Politik betrifft vor allem Kunden, die eine ISDN-Karte oder ein spezielles DSL-Gerät von AVM benutzen. Aber auch einige WLAN-Treiber bleiben in Zukunft wohl draußen.
Novell entspricht damit Forderungen von Kernel-Entwicklern. Sie sehen in den binären Treibern eine Bruch der GPL sowie ihrer Rechte und argumentieren, dass Closed-Source-Treiber die Entwicklung gleichwertiger oder besserer freier Software behindere. Der Kernel von Suse Linux 10.1 erlaubt es aber weiterhin, binäre Kernelmodule zu laden. Novell bietet den Hardware-Herstellern zudem Hilfe beim Umstieg auf die neuen Anforderungen.
Paketmanagement
Suse Linux 10.1 dient Novell als Code-Basis für die kommenden Enterprise-Produkte Suse Linux Enterprise Server 10 und Novell Linux Desktop 10. Aus diesem Grund flossen in diese Versionen zahlreiche Neuerungen ein, die in erster Linie für kommerzielle Anwender wichtig sind und die Zusammenarbeit mit Novells Nicht-Linux-Produkten erleichtern.
Dazu gehört als zentrale Komponente der Paketmanager von Yast2. Obgleich sich an der grafischen Oberfläche nichts verändert hat, haben die Suse-Entwickler den Motor dahinter gegen die Bibliothek Libzypp ausgetauscht. Die neue Library ergänzt die bisherigen Eigenschaften des Paketmanagers um die Fähigkeiten von Red Carpet, das Novell durch den Kauf von Ximian in seine Netware-Produktpalette übernahm.
Im Optimalfall merkt der Privatanwender von dieser Umstellung nichts, Kunden mit einer gemischten Netware und Linux-Umgebung profitieren aber von einem einheitlichen Paketmanagement. Inwieweit es Novell gelingt, diesen Optimalfall für Suse Linux 10.1 zu verwirklichen, bleibt vorerst offen: Die dem Artikel zu Grunde liegende Testversion Beta 5 kämpft nämlich noch mit einigen Problemen.
Update gefällig?
Ebenfalls aus Integrationsbestrebungen ersetzt Novell in Suse Linux 10.1 das für die Benachrichtigung von neuen Online-Updates verantwortliche Panel-Applet Susewatcher. Mit dem Nachfolger Zenworks Updater ergänzt Novell die Palette der Mono-Programme in Suse Linux. Das Tool hinterließ in der Beta5 allerdings keinen ausgereiften Eindruck: Weder waren Quellen für das Online-Update eingerichtet, noch eine Dokumentation vorhanden.
Abbildung 1: Mit diesem GTK-Dialogfenster begrüßt Suse Linux in Beta5 die KDE-Benutzer beim ersten Login.
Auch wirkt die GTK-Oberfläche unter KDE störend (Abbildung 1), und der Eintag zmd.exe in der Ausgaben von ps -ax wirkt auf langjährige Nicht-Windows-Benutzer erstmal ungewohnt. Das zugehörige Kommandozeilen-Tool rug bringt immerhin eine Manpage mit, die Schlüsse auf die zahlreichen Möglichkeiten des Updaters zulässt.
Die Zusammenarbeit mit externen USB- und Firewire-Laufwerken verschlechterte sich seit dem ersten Einsatz der Automount-Funktion von Version zu Version immer weiter und erreichte mit Suse Linux 10.0 in mehreren Belangen einen Tiefpunkt. In 10.1 löst Novell das Problem auf eine Weise, die sich an mehreren Ansprüchen orientiert: Sie basiert vollständig auf Hal und benötigt kein Subfs mehr.
Hal
Hardware Abstraction Layer. Systemkomponente von modernen Linux-Distributionen, die die Kommunikation zwischen Hardware- und Software regelt.
KDE und Gnome benutzen dann jeweils Ihre eigenen Mechanismen für das Automounting. Bei anderen Window-Managern kommt Ivman zum Einsatz, den auch Ubuntu als Standard-Tool verwendet. Das neue System erlaubt es dem Benutzer von KDE zum Beispiel für jedes externe Laufwerk individuell zu bestimmen, ob Suse es automatisch einhängt, welcher Mountpoint unterhalb von /media zum Einsatz kommt und ob es mit oder ohne die Option sync gemountet werden soll.
Eine grafische Oberfläche für diese Einstellungen gab es in Beta 5 nur unter Konqueror. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf ein Laufwerk-Symbol finden Sie den Dialog unter Properties auf dem Reiter Mounting (Abbildung 2). Sowohl in Beta 4 als auch in Beta 5 funktionierte dieses neue Feature sehr zuverlässig und mit abgeschalteter Option sync stimmte auch die Datendurchsatzrate.
Obwohl im Internet zahlreiche offizielle und inoffizielle Videos vom Hardware-beschleunigten X-Server Xgl kursieren, bringt die neue Suse dafür keine Pakete mit. Im Opensuse-Wiki finden Benutzer mit einer unterstützen Grafikkarte aber eine detaillierte Installationsanleitung für den 3D-Desktop.
Die Boot-Zeiten der 10.1 liegen deutlich über den Spitzenresultaten von 10.0. Dies hängt aber möglicherweise damit zusammen, dass Suse zur besseren Fehlersuche in den Beta-Versionen für einige Komponenten den so genannten Debugging-Modus einschaltet.
KDE und Gnome
Mit KDE 3.5.1 (siehe Tabelle “Kernkomponenten”) bringt Suse Linux einen stabilen, ausgereiften KDE-Desktop mit. Gnome ist mit der Version 2.12 vertreten und bekam einen frischen, leicht KDE-ähnlichen Anstrich.
Nachdem es um den Vorzug von Gnome gegenüber KDE einigen Rummel gab, hat sich Novell entschlossen, weiterhin beide Desktops zu unterstützen. Bei der Installation muss sich der Benutzer explizit für KDE, Gnome oder einen anderen Desktop entscheiden. Ein feiner Unterschied gegenüber der Vorgängerversion besteht dennoch: Während in Suse Linux 10.0 KDE noch zu oberst in der Liste stand, nimmt nun die Gnome-Auswahl diesen Platz ein.
Mit Suse Linux 10.1 bringt Novell zum ersten Mal einen Gnome-Desktop mit, der sich in punkto Aussehen und Funktionalität hinter KDE nicht zu verstecken braucht. Trotzdem hat Novell KDE nicht vernachlässigt, sondern zum Beispiel dem neuen Netzwerk-Manager (siehe unten) und dem Beagle-Search-Client zusätzlich zum GTK-Applet ein KDE-Frontend spendiert. Auch die erweiterten Mount-Optionen standen in der Beta 5 nur im Kontextmenü von Konqueror zur Verfügung.
| Kernkomponenten | |
| Komponente | Version |
|---|---|
| Kernel | 2.6.16 |
| Gcc | 4.1 |
| Glibc | 2.3.90 |
| KDE | 3.5.1 |
| Gnome | 2.12 |
| X.org | 6.9 |
| Samba | 3.0.21c |
Network-Manager
Das Leben von Laptop-Benutzern soll der neue Netzwerkmanager mit je einem Panel-Applet für KDE und Gnome erleichtern. Über wenige Mausklicks stellen die Miniprogramme eine Internet-Verbindung her und bieten zum Beispiel bei WLAN-Netzwerken auch das Setup gleich mit an. Yast zu starten, nur um mit einem Access-Point über DHCP eine Verbindung aufzubauen, ist nicht mehr nötig.
Nach einem Klick auf das Applet, listet der Netzwerk-Manager die gefundenen WLAN-Geräte auf (Abbildung 3) und stellt bei Netzen ohne Verschlüsselung in wenigen Sekunden eine Connection her. Bei verschlüsselten Verbindungen erscheint ein Dialog mit den nötigen Eingabefeldern.
Das Applet merkt sich die Einstellungen für jedes Netzwerk, so dass beim Hin- und Herwechseln zwischen einzelnen Standorten jeweils ein Mausklick die Verbindung wieder neu herstellt. Ob Sie den neuen Netzwerk-Manager benutzen möchten, legen Sie bereits während der Installation fest. Yast schlägt bei Rechnern mit einem einzigen Netzwerkgerät per Default vor, den Netzwerkmanager nicht zu benutzen. Bei Rechnern mit mehreren Netzwerkkarten ist der Manager erstmal aktiviert.
Fazit
Die Nummer 10.1 darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei der nächsten Suse-Version um eine Ausgabe mit verhältnismäßig vielen Neuerungen handelt. Für alle Suse-Fans, die gerne das Neueste vom Neuesten benutzen, ist die 10.1 deshalb eine gute Wahl.
Ob sich das Update auch für Systeme lohnt, die jetzt problemlos funktionieren, lässt sich erst nach einem Test der finalen Version sagen. Hält sich Novell an den Produktionsfahrplan finden Sie dazu im übernächsten LinuxUser einen Testbericht. (agr)









Seit 16. Maerz 2006 gibt es Suse 10.1 Beta 8.
Mit dem torrent client azureus habe ich mir die Suse Linux 10.1 beta 8 heruntergeladen. Diese gibt es nur als CD Version, d.h. 5 iso Dateien. Mit der Beschreibung von Suse habe ich daraus eine DVD gebaut. Es gibt auch ein Script/Programm makeSUSEdvd, aber dafuer muss man noch z.B. autoyast installieren. Das schreit allerdings nach einer hoeheren Version als bei 9.3 vorhanden ist, wie auch bei weitere Komponenten (wer 10.1 beta auf seinem Rechner laufen hat, bei dem geht es). Ich habe noch einiges probiert, habe es dann aber sein lassen und mich fuer die zu Fuss Methode entschieden. Wichtig… Mehr »
Waren die Vorgängerversionen irgendetwas anderes als Testfelder für den SLES? Sollte man in einer späten Beta noch grundlegende Dinge wie den Paketverwalter wechseln (selbst wenn ich der Meinung bin, daß yast im Vergleich zu anderen der schlechteste Paketverwalter ist)? Von mir aus können sie die Version auch gerne weiter verschieben, nur sollten sie irgendwann mal einen Code-Freeze machen und nicht, wie nach meinem Empfinden die letzten Male geschehen, einen vielleicht sogar gut gelungenen aber trotzdem einen Entwicklersnapshot als “Professional” Version veröffentlichen. Ich würde gerne mal wieder mich darauf verlassen können, daß ein eingestecktes USB Gerät einfach funktioniert und nicht entweder… Mehr »
Warum musste man denn unbedingt diese Ximian-Technologie reinnehmen? Wer wollte oder brauchte denn RedCarpet? Paketmanagement, das ist doch wie die Operation am offenen Herzen. Die Zukunft gehört Subdistributionen, dass heisst Paketsammlungen, die überall funktionieren sollten und wo sich das customizing der distributoren in erträglichen Grenzen hält. Der Kernel oder KDE/Gnome sind gewissermassen schon solche Subdistributionen. Probleme gibt es doch vor allem in den Bereichen wo die Distributoren walten und schalten. die einzige Möglichkeit zur Standardisierung, die ich sehe, ist dass einerseits Sachen in den Kernel wandern oder die Desktopumgebungen, also KDE und Gnome Standards gemeinsam setzen, an die sich dann… Mehr »