Textverarbeitung Abiword

Aus LinuxUser 06/2008

Textverarbeitung Abiword

Verbesserungsfähig

Abiword ist auch in neuen Version 2.6 eine kompakte Textverarbeitung mit den wichtigsten Funktionen. Das aktuelle Release erweist sich aber als etwas instabil.

Um das Textverarbeitungsprogramm Abiword [1] ist es in der letzten Zeit recht ruhig geworden. Das Programm zählt zum Umfang von der Gnome-Office-Suite, die einst mit großen Ambitionen gestartet war, inzwischen aber nur noch aus Abiword, Gnumeric [2] und Gnomedb [3] besteht.

Das Projekt “One Laptop Per Child” (OLPC, [4], [5]) hat Abiword als Textverarbeitungsprogramm für die grafische Oberfläche des XO-Laptops ausgewählt. Dort versteckt sich das Programm hinter der Oberfläche “Sugar” [6], die eigens für den XO entwickelt wurde.

Im April erschien Version 2.6 von Abiword, die einige Neuerungen enthält, insbesondere in Hinblick auf Zusammenarbeit und verbesserte Filter. Diesem Text liegt Version 2.6.2 zugrunde, die Sie auf der Heft-DVD finden.

TIPP

Abiword ist nicht nur für Linux, sondern auch für Windows erhältlich. Eine zwischenzeitlich vorhandene OS-X-Version ist mittlerweile eingestellt worden.

Installation

Abiword liegt als Quelltextarchiv auf dem Server des Projekts zum Download bereit. Einige aktuelle Distributionen stellen eine frische Fassung des Programms auch schon in den Software-Repositories bereit.

Möchten Sie das Programm selbst übersetzen, dann entpacken Sie das Quelltextarchiv abiword-2.6.2.tar.gz, das Sie auf der Abiword-Homepage und der Heft-DVD finden, mit dem Befehl tar -xzvf abiword-2.6.2.tar.gz, wechseln in das neu entstandene Verzeichnis abiword-2.6.2 und geben die Befehle ./configure, make und (als Root) make install ein. Nach erfolgreicher Einrichtung lässt sich das Programm dann mit dem Befehl abiword in einer Shell starten (Abbildung 1).

Abbildung 1: Abiword vereint die wichtigsten Funktionen einer Textverarbeitung unter einer übersichtlichen Oberfläche.

Abbildung 1: Abiword vereint die wichtigsten Funktionen einer Textverarbeitung unter einer übersichtlichen Oberfläche.

Falls Sie die Plugins zum Import verschiedener Textverarbeitungsformate benötigen, installieren Sie die Datei abiword-plugins-2.6.2.tar.gz auf die selbe Weise. In der Tabelle “Abiword: Dateiformate” finden Sie eine Übersicht über die Vielzahl der von Abiword unterstützten Dateitypen.

Angenehm ist, dass das Programm auch auf älteren Rechnern flott startet und sich gut benutzen lässt. Auch auf Zwergcomputern wie dem EeePC von Asus macht Abiword eine gute Figur (Abbildung 2). Damit man die Werkzeugleisten auch auf kleinen Bildschirmen gut lesen kann, haben die Entwickler von Abiword die Symbole entsprechend überarbeitet.

Abbildung 2: Auch auf Kleinstrechnern wie dem EeePC lässt sich Abiword gut nutzen.

Abbildung 2: Auch auf Kleinstrechnern wie dem EeePC lässt sich Abiword gut nutzen.

Abiword: Dateiformate

Format Import Export
Applix Word + +
ClarisWorks 5 +
DocBook + +
HancomWord +
HTML + +
LaTeX +
Microsoft Word + +
Microsoft Write +
Office OpenXML +
Open Document (.odt) + +
OpenOffice Writer (.sxw) + +
Palm Document + +
PDF +
Postscript +
RTF + +
T602 +
WordPerfect +

Funktionen

Abiword bietet alles, was man für das Erstellen einfacher Dokumente braucht. Das Programm erleichtert das Gestalten von Texten mit Absatz- und Zeichenformatvorlagen. Ein kleiner Dialog, in Abiword heißt er Stylist, erleichtert die Übersicht über die vorhandenen Formatvorlagen. Grafiken in verschiedenen Formaten lassen sich in Dokumente integrieren. Auch Tabellen beherrscht das Programm problemlos, sie lassen sich weitgehend formatieren und gestalten (Abbildung 3).

Abbildung 3: Abiword erlaubt das komfortable Gestalten von Tabellen.

Abbildung 3: Abiword erlaubt das komfortable Gestalten von Tabellen.

Vertippern im Text kommen Sie mit der integrierten Rechtschreibprüfung auf die Spur. Abiword ermöglicht das Verfolgen von Änderungen an einem Text und stellt auf Wunsch vorherige Versionen eines Dokuments wieder her. In Abbildung 1 sind die aktuellen Änderungen im Text violett gefärbt. Serienbriefe stellen Abiword vor keinerlei Probleme, die Entwickler haben das Einbinden der Adressdatei komfortabel gelöst: Die Serienbrieffelder lassen sich dialoggesteuert in den Text einsetzen.

Auch mit Fuß- und Endnoten kommt das Programm klar und generiert auf Wunsch automatisch ein Inhaltsverzeichnis des Dokuments. Angenehm fällt auf, dass Abiword das Drucken mehrere Seiten auf einen Bogen Papier schon aus der Anwendung heraus erlaubt. So lassen sich Broschüren auch dann erstellen, wenn der Druckertreiber diese Funktion nicht unterstützt (Abbildung 4).

Abbildung 4: Abiword glänzt mit einer ebenso komfortablen wie vielseitigen Druckfunktion.

Abbildung 4: Abiword glänzt mit einer ebenso komfortablen wie vielseitigen Druckfunktion.

Plugins – eine ganze Reihe davon bringt Abiword bereits mit – bieten eine Möglichkeit, den Funktionsumfang des Programms zu ergänzen. Es gibt beispielsweise Erweiterungen zum Im- und Export von Texten, zum Nachschlagen markierter Begriffe in Wikipedia und ein Babelfish-Plugin zum Übersetzen einzelner Wörter.

Neuheiten

Viele Neuheiten von Abiword 2.6 stecken unter der Haube und stechen daher nicht auf den ersten Blick ins Auge. In der aktuellen Version widmeten sich die Entwickler besonders der Verbesserung der Import- und Exportfilter. Das Einbinden von Dateien aus OpenOffice Writer klappt nun sicher.

Abiword enthält in der aktuellen Version zudem ein Gnome-Office-Plugin, das es erlaubt, Charts aus Gnumeric in Abiword-Dokumente einzubinden. Grafiken lassen sich per Drag & Drop in Dokumente hineinziehen und wieder daraus entfernen, die Bildvorschau im Import-Dialog zeigt jetzt auch große Grafiken flott an.

Die größte Neuerung stellt das Integration-Plugin dar, das es mehreren Benutzern ermöglicht, gleichzeitig an einem Text zu arbeiten. Dieses Plugin entstand speziell für den XO-PC des OLPC-Projekts, auf anderen Plattformen wurde es noch nicht ausreichend getestet und gilt daher als experimentell. Die Zusammenarbeit verschiedener Benutzer funktioniert über XMPP[7], das auch Instant-Messaging-Programme verwenden, oder alternativ über reines TCP/IP.

Schwächen

Auch nach einigen Jahren der Entwicklung zeigt Abiword immer noch einige ärgerliche Schwächen bei grundlegenden Funktionen. So führt etwa das Bearbeiten von Kopf- und Fußzeilen in Dokumenten, die länger als zwanzig Seiten, regelmäßig zum Absturz des Programms. Auch das Einstellen von Seitenrändern bei derart großen Texten bringt die Anwendung häufig ins Taumeln. Probleme treten auch beim Ausdruck von Dokumenten auf, die Grafiken enthalten: Gelegentlich verändern sich hier die Position oder die Größe von Bildern, sodass diese Textpassagen verdecken oder die Grafiken im Ausdruck am Seitenrand abgeschnitten werden.

Fazit

Abiword eignet sich gut für die schriftliche Korrespondenz, für kürzere Dokumente oder zum Erstellen von Referaten und Hausarbeiten in Schulen. Für das Erstellen längerer wissenschaftliche Arbeiten oder dergleichen reicht sein Funktionsumfang aber nicht. Die Programmoberfläche wirkt aufgeräumt, die Dialoge sind leicht zu überschauen und zu bedienen.

Auch in der aktuellen Version 2.6 gibt sich die Textverarbeitung kompakt und geht recht flink zu Werke. Die Entwickler steckten viel Arbeit in die Importfilter, was sich vor allem beim Einlesen von OpenOffice-Writer-Dateien positiv bemerkbar macht. Die zahlreichen unterstützten Dateiformate stellen denn auch einen Vorteil des Programms dar.

Leider trüben Programmabstürze das ansonsten positive Bild. In größeren Dokumenten kommt es häufig zu spontanen Crashes. Das einzig Positive daran: Die Texte überstehen die Abstürze unbeschadet und lassen sich nach einem Neustart sofort wieder bearbeiten.

Glossar

XMPP

Extensible Messaging and Presence Protocol (RFC 3920 bis 3923). Dieser Internetstandard für XML-Routing entstand ursprünglich aus dem Jabber-Protokoll.

Infos

[1] Abiword: http://www.abisource.com

[2] Gnumeric: http://www.gnome.org/projects/gnumeric/

[3] Gnomedb: http://www.gnome-db.org/

[4] One Laptop Per Child: http://www.laptop.org

[5] OLPC aus Benutzersicht: C. Hagemeyer et al., “Schnell geklickt”, LinuxUser 02/2008, S. 80, http://www.linux-user.de/ausgabe/2008/02/080/

[6] XO-Betriebssystem: Frank Wieduwilt, “Sugar für alle”, LinuxUser 04/2008, S. 24, http://www.linux-user.de/ausgabe/2008/04/024/

[7] XMPP: http://www.xmpp.org

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