Der Zwei-Panel-Dateimanager Sunflower 0.4 setzt auf Python 3 und GTK3

Aus LinuxUser 11/2020

Der Zwei-Panel-Dateimanager Sunflower 0.4 setzt auf Python 3 und GTK3

© mahirates, 123RF

Doppelblüte

Software-Klassiker wie der Norton Commander sind auch nach Jahrzehnten noch Vorbild für Entwickler. Der Zwei-Panel-Dateimanager Sunflower setzt in der neuen Version mit Python 3 und GTK3 nun auf moderne Komponenten.

Es gibt eine Reihe von Programmen, die stil- und namensprägend für eine ganze Reihe von Alternativen waren. Dazu gehören der Netscape-Webbrowser, Adobe Photoshop und Microsoft Office, aber auch der Dateimanager Norton Commander, der das Kopieren, Verschieben und Bearbeiten von Dateien auf der Kommandozeile von MS-DOS ganz wesentlich vereinfachte. Die in zwei Hälften geteilte Ansicht (daher auch der Überbegriff “Twin-Pane-Filemanager”) erlaubte zum Beispiel dem Nutzer, Dateien in einem als Liste angezeigten Verzeichnis mit [Einfg]+ zu markieren und dann in das in der anderen Hälfte geöffneten Verzeichnis per [F8] zu übertragen.

Damals war dieser Arbeitsablauf eine Offenbarung, zuvor musste man Dateien mit dem COPY-Kommando übertragen. Die auch heute noch üblichen Wildcards (? und *) erleichterten dabei zwar die Tipparbeit, doch die MS-DOS-Shell bot im Vergleich zur modernen Linux-Shell keine Komfortfunktionen, wie etwa das automatische Vervollständigen von Dateinamen und -pfaden oder das Ergänzen von Kommandos und deren Optionen. Die zwei Panels sowie die aus Textbausteinen zusammengesetzte pseudografische Benutzeroberfläche machten den Umgang mit Dateien und Verzeichnissen dagegen zum Kinderspiel.

Das Programm war so erfolgreich, dass binnen kurzer Zeit zahlreiche Klone entstanden. Noch heute gehört der grafische Total Commander [1] zur Standardinstallation vieler Windows-Nutzer, und unter Linux erfreut sich der textbasierte Midnight Commander [2] großer Beliebtheit – bei den meisten Distributionen nennt sich das entsprechende Paket mc. Egal, ob es ein paar Dateien zu verschieben gilt oder eine Datei bearbeitet werden muss: Selbst über SSH lässt sich so sehr bequem auf einem Server über eine Internet-Verbindung arbeiten (Abbildung 1).

Abbildung 1: Zwei-Panel-Dateimanager wie hier der Midnight Commander erleichtern das Hantieren mit großen Datenbeständen.

Abbildung 1: Zwei-Panel-Dateimanager wie hier der Midnight Commander erleichtern das Hantieren mit großen Datenbeständen.

Unter Linux gibt es jedoch nicht nur für das Terminal Twin-Pane-Filemanager, sondern selbstverständlich auch für den Desktop. Dazu zählen zum Beispiel der Gnome Commander [3], der schlanke PcmanFM [4] sowie der auf Qt aufsetzende Krusader [5]. Im Software-Fundus der großen Distributionen finden sich noch diverse andere Vertreter. Zu den Klassikern zählt dabei der Dateimanager Sunflower [6]. Das Programm wird seit vielen Jahren stetig weiterentwickelt. Mit der Version 0.4 stellt sich das Projekt jetzt jedoch komplett neu auf: Durch den Umstieg auf Python 3 und GTK3 leiten die Entwickler einen Umbruch ein, den das Projekt viel Zeit gekostet hat. Zwischen der aktuellen und der letzten Version 0.3 liegen fast vier Jahre Entwicklungszeit.

Installation

Sunflower fehlt in den Paketquellen der meisten gängigen Distributionen. Unter Arch Linux gibt es jedoch mit sunflower und sunflower-git zwei Einträge im von der Community organisierten Arch User Repository (AUR). Mit einem AUR-Helper wie Yay installieren Sie das Programm dementsprechend via yay -S sunflower. Für andere Distributionen bietet das Projekt selbst DEB- und RPM-Pakete zur Installation an, von Debian über Ubuntu bis hin zu CentOS oder Fedora [7]. Im Test funktionierte die Installation unter Ubuntu 20.04 LTS und Fedora 32 ohne Probleme.

Nach dem Start präsentiert Sunflower ein für einen Twin-Pane-Filemanager typisches Anwendungsfenster. Links und rechts erscheinen jeweils die Inhalte des eigenen Home-Verzeichnisses. Per Mausklick navigieren Sie wie gewohnt durch die Ordnerstruktur oder öffnen per Doppelklick Dateien in den entsprechend verknüpften Anwendungen. Um die gewählte Datei mit einem anderen Programm zu starten, wählen Sie aus dem mit der rechten Maustaste geöffneten Kontextmenü die Option Öffnen mit. Im Menü finden Sie auch die üblichen Funktionen zum Anlegen von Ordnern oder Dateien, die Funktionen für Dateioperationen sowie (über Eigenschaften) die Möglichkeit, Dateirechte oder -zugehörigkeiten zu ändern (Abbildung 2).

Abbildung 2: Die neueste Version des Dateimanagers Sunflower nutzt nun moderne Komponenten wie Python 3 und GTK3. Geblieben ist der klassische Aufbau mit zwei Panels, Tabs und einer Werkzeugleiste unten.

Abbildung 2: Die neueste Version des Dateimanagers Sunflower nutzt nun moderne Komponenten wie Python 3 und GTK3. Geblieben ist der klassische Aufbau mit zwei Panels, Tabs und einer Werkzeugleiste unten.

Bedienung

In der Dateiliste navigieren Sie per Mausklick oder mittels Tastatur. Mit den Pfeiltasten nach oben und unten wählen Sie einen Eintrag. Wie bei Commander-Klonen üblich, drehen Sie die Auswahl einer Datei oder eines Ordners mit einem Druck auf [Einfg] um. Alternativ halten Sie die Umschalttaste gedrückt und markieren mit den Pfeiltasten nach oben und unten eine Auswahl.

Mit der Pfeiltaste nach rechts klappen Sie den Inhalt von Ordnern in einer Baumansicht aus; mit der Pfeiltaste nach links entsprechend wieder ein. Mit einem Klick auf Orte springen Sie direkt zum Home-Verzeichnis oder zu eingehängten externen Laufwerken wie USB-Sticks oder Android-Smartphones.

Weitere Möglichkeiten zum Markieren von Dateien oder Ordnern bietet der Eintrag Auswahl aus dem Hamburger-Menü rechts oben im Anwendungsfenster. Dort lassen sich Dateien nach einem Muster oder nach ihrer Dateiendung aus- oder abwählen. Zum Abgleich eines Backup-Verzeichnisses praktisch ist auch die Funktion Verzeichnisse vergleichen: Sie markiert Dateien, die es im jeweils anderen geöffneten Teilfenster nicht gibt. Allerdings ignoriert sie lediglich geänderte Dateien.

Mit [Strg]+[Pfeil-rechts] öffnen Sie das links gewählte Verzeichnis im rechten Fensterbereich, gleichermaßen mit [Strg]+[Pfeil-links] das rechts gewählte Verzeichnis im linken Teilfenster. Mit [Strg]+[T] öffnen Sie einen weiteren Reiter mit dem aktuellen Verzeichnis, mit [Strg]+[Umschalt]+[T] laden Sie den gewählten Ordner in einem neuen Tab (siehe Tabelle “Tastenkürzel”).

Kürzel

Funktion

Dateioperationen

[F2]

Auswahl umbenennen

[F3]

ausgewähltes Element ansehen

[F4]

ausgewähltes Element bearbeiten

[F5]

Auswahl kopieren

[F6]

Auswahl verschieben

[F7]

neues Verzeichnis erstellen

[Entf]+ oder [F8]

Auswahl in Papierkorb verschieben

Aktionen in Dateiliste

[Einfg]

Auswahl umkehren

[Umschalt]+[Pfeil-oben]

auswählen und oberes Element markieren

[Umschalt]+[Pfeil-unten]

auswählen und unteres Element markieren

[Strg]+[Pfeil-rechts]

gewählten Ordner ausklappen

[Strg]+[Pfeil-links]

gewählten Ordner einklappen

Tabs

[Strg]+[T]

aktuellen Ordner in neuem Tab öffnen

[Strg]+[Umschalt]+[T]

gewählten Ordner in neuem Tab öffnen

[Strg]+[Tabulator]

zum nächsten Tab wechseln

[Strg]+[Umschalt]+[Tab]

zum vorherigen Tab wechseln

[Strg]+[W]

aktuellen Tab schließen

Terminal

[Strg]+[Z]

aktuellen Ordner in Terminal öffnen

[Strg]+[Umschalt]+[C]

Markierung im Terminal in Zwischenablage kopieren

[Strg]+[Umschalt]+[V]

Inhalt aus Zwischenablage in Terminal einfügen

Über das Menü Ansicht passen Sie das Anwendungsfenster an Ihre Wünsche an. Die Option Horizontal aufteilen unterteilt den Dateimanager in zwei übereinander angeordnete Bereiche. Mit Dunkles Thema aktivieren Sie das Theme, das die Desktop-Umgebung bei Multimediaanwendungen verwendet (Abbildung 3).

Abbildung 3: In den Einstellungen lässt sich Sunflower umfangreich anpassen: Per Mausklick ordnen Sie die Panels horizontal an oder aktivieren ein dunkles Theme.

Abbildung 3: In den Einstellungen lässt sich Sunflower umfangreich anpassen: Per Mausklick ordnen Sie die Panels horizontal an oder aktivieren ein dunkles Theme.

Eine der Stärken von Sunflower liegt im direkt in der Oberfläche integrierten Terminal. Sie erreichen es über einen Klick auf das Terminal-Icon in der Schalterleiste über den beiden Dateilisten oder alternativ über die Tastenkombination [Strg]+[Z] (Abbildung 4). In der Standardeinstellung nutzt Sunflower die VTE-Terminalbibliothek, auf die auch andere Terminalapplikationen wie etwa das Gnome-Terminal oder Terminator aufsetzen.

Abbildung 4: Bei Bedarf blenden Sie mit der Tastenkombination <span class="key-combo">[Strg]+[Z]</span> in die gerade aktive H&auml;lfte des Dateimanagers ein Terminalfenster ein.

Abbildung 4: Bei Bedarf blenden Sie mit der Tastenkombination [Strg]+[Z] in die gerade aktive Hälfte des Dateimanagers ein Terminalfenster ein.

Die Schriftgröße und andere Details passen Sie über das Hamburger-Menü und Einstellungen | Terminal an. Optional startet Sunflower auch ein externes Terminalprogramm. Ein Kontextmenü bietet das interne Terminal allerdings nicht. Zum Einfügen von Pfadnamen müssen Sie daher zum Beispiel auf das Icon Terminalmenü tippen und Einfügen wählen.

Für Text- und Quellcodedateien enthält Sunflower eine integrierte Vorschaufunktion (Abbildung 5). Dazu wählen Sie die fragliche Datei aus und klicken in der unteren Menüleiste auf Vorschau oder drücken alternativ [F3]. Die Vorschau hebt Variablen und Anweisungen im Quelltext automatisch hervor. Bei Bedarf lässt sich die Auszeichnung allerdings auch mit einem Klick auf Text in der Kopfzeile des Vorschaufensters deaktivieren.

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Abbildung 5: Dateien mit Texten oder Quellcode öffnen Sunflower in eine Vorschau. Variablen oder Befehle hebt die Preview-Funktion dabei automatisch hervor.

Zum Ändern einer Datei wählen Sie Bearbeiten oder drücken [F4]. Sunflower öffnet die gewählte Datei dann im Standardeditor der Desktop-Umgebung. Optional wählen Sie in den Einstellungen unter Ansehen**&**Bearbeiten einen anderen Editor aus oder tragen einen externen Befehl ein.

Fazit und Ausblick

Mit dem Umstieg auf Python 3 und GTK3 stellt Sunflower die Weichen in Richtung Zukunft. Auf Basis des aktuellen Toolkits lässt sich die Entwicklung der Anwendung nun wesentlich leichter vorantreiben und der Funktionsumfang ausbauen. In der von uns getesteten Version 0.4 finden sich allerdings noch ein paar Baustellen: So quittieren die über Plugins implementierten Werkzeuge Dateien suchen und Erweiterte Umbenennung den Aufruf noch mit der Fehlermeldung, dass das entsprechende Plugin zu aktivieren sei – Plugins mit dem genannten Namen gibt es allerdings nicht.

Auch in Sachen Netzwerkunterstützung gibt es noch ein wenig Aufholarbeit. Während andere Dateimanager wie etwa Gnomes Dateien (früher Nautilus) oder KDEs Dolphin Netzwerkfreigaben direkt über eine URL wie etwa smb://User@Server oder ssh://User@Server einbinden, fehlt Sunflower eine solche Funktion komplett. Netzwerklaufwerke lassen sich nur dann ansprechen, wenn Sie zuvor fest in die Ordnerstruktur gemountet oder in Nautilus eingebunden wurden. Danach lassen sich die Inhalte über den entsprechenden Einhängepunkt oder, im Fall von Gnomes virtuellem Dateisystem GVFS, unter /run/user/UID/gvfs einsehen. 

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