Blackpanther: Linux aus Ungarn

Aus LinuxUser 01/2012

Blackpanther: Linux aus Ungarn

Scharfe Raubkatze

Ungarn gilt vielen Open-Source-Freunden als weißer Fleck auf der Landkarte. Doch auch in der Puszta ist Linux kein Unbekannter mehr, wie Blackpanther OS beweist.

Ende Oktober 2011 ist mit der Version 11.1 “Darkness” ein komplett runderneuertes Release von Blackpanther OS erschienen [1], das innovative Technologien aus dem Basissystem Mandriva übernimmt. Daher dürfte Blackpanther OS allen Anwendern bekannt vorkommen, die bereits mit dieser Distribution oder einem Mandriva-Derivat gearbeitet haben. Doch das System bietet mehr als lediglich einen verbesserten Aufguss des französisch-brasilianischen Systems: Es implementiert eigene Ideen und Konzepte.

Dunkelkammer

Schon die knapp 700 MByte umfassende Live-CD von Blackpanther OS startet für Einsteiger etwas ungewöhnlich. Nach dem Erscheinen des Bootloaders (Legacy Grub) fragt das System zunächst – wie vom früheren Mandriva One her bekannt – Daten zur Lokalisierung ab. Das ungarische Linux-Derivat besteht außerdem darauf, dass Sie auch für den Live-Betrieb einen Nutzer anlegen. Nach dem anschließenden Login präsentiert sich das System in sehr dunklen Farbtönen mit einem ästhetisch sehr ansprechenden KDE-Desktop der Version 4.6.2. Auf diesem befinden sich neben der Panelleiste und zwei Icons bereits ein Wetter- und ein Uhrzeit-Applet in passender Farbgebung.

Als Programmstarter kommt Lancelot zum Einsatz, der mit seiner konventionellen Menüstruktur eine deutlich bessere Bedienbarkeit gewährleistet als der neu gestaltete Desktop des Basissystems Mandriva 2011. Bereits die Live-Variante offeriert alle wichtigen Applikationen, darunter auch LibreOffice 3.3, Gimp 2.7 und Chromium 12. Aus Lancelot heraus lässt sich das Betriebssystem auch mithilfe der Install-Schaltfläche in der rechten Spalte auf die Festplatte packen – zumindest in der Theorie, im Test gelang das nicht. Hier empfiehlt es sich, beim Start des Live-Systems im Bootloader-Menü gleich den Eintrag EasyQuickInstall auszuwählen. Die Installation klappte daraufhin im Test problemlos.

Nach dem Einrichten auf der Festplatte überrascht Blackpanther OS beim ersten Neustart mit einem grafisch ansprechend gestalteten Desktop Selector, der vier verschiedene Desktop-Umgebungen mit Screenshots zur Auswahl stellt (Abbildung 1). Als Standard fungiert KDE 4, für weniger opulent ausgestattete Rechner gibt es Gnome. Für betagtere PCs bietet der Desktop-Wähler zudem die schlanken Desktops und oder Enlightenment E17 an. Das Installieren der drei alternativen Arbeitsumgebungen setzt jedoch eine funktionierende Netzwerkverbindung voraus, da Blackpanther hierzu Dateien aus dem Netz nachlädt.

Abbildung 1: Der <code srcset=

Desktop Selector in Blackpanther OS.” width=”300″ height=”234″ /> Abbildung 1: Der Desktop Selector in Blackpanther OS.

Um die auch in der installierten Variante von Blackpanther sehr düster wirkende Arbeitsumgebung zu modifizieren, klicken Sie auf den Lancelot-Starter unten links in der Panelleiste und wählen dann über Computer | blackPanther Settings den Einstellungsdialog an. Im Menü Colors suchen Sie dann aus gut einem Dutzend vorgegebener Farbkombinationen die für Sie angenehmste aus. Ein Klick auf die Schaltfläche Apply schaltet die Farben sofort um (Abbildung 2).

Abbildung 2: Blackpanther ermöglicht ein einfaches Auswählen des Erscheinungsbilds.

Abbildung 2: Blackpanther ermöglicht ein einfaches Auswählen des Erscheinungsbilds.

Softwarefundus

Die in Lancelot links im Fenster angeordneten Hauptgruppen tragen den Bedürfnissen der meisten Nutzer Rechnung: Neben den Einträgen Applications für die gängigen Programm-Untergruppen und Computer für die Systemverwaltung finden sich hier noch die zwei Icons Documents und Contacts.

In der Gruppe Documents finden Sie neben den LibreOffice-Programmen Calc, Writer und Impress (Version 3.3.0.4) auch Gimp 2.7.3. Damit steht ein ausgewachsener Bildeditor zur Verfügung, der in der neuesten Mandriva-Variante dem Streichkonzert der Entwickler zum Opfer fiel. In der Gruppe Contacts residiert lediglich der Akonadi-Server, der in KDE als Unterbau für verschiedenste Kommunikationsdienste fungiert. Auf ihn setzen die gängigen KDE-Messenger und Mailprogramme auf.

In der Gruppe Applications sticht der Software-Manager ins Auge, der andernorts zu den Systemprogrammen zählt. Hinter diesem Eintrag verbirgt sich der KPackageKit-Manager zur grafischen Software-Installation. Seine Oberfläche ähnelt jener von Synaptic, gruppiert jedoch im Hauptfenster die verfügbaren Applikationen nach Einsatzschwerpunkten. Wie bei KDE üblich, finden Sie im linken kleinen Fenster von KPackageKit die Konfigurationsoptionen. Hier stellen Sie beispielsweise automatische Software-Updates ein und passen Repositories an. Blackpanther OS stellt selbst zehn umfangreiche Repos zur Verfügung, die selbst ausgefallene Software-Wünsche befriedigen.

Beim Stöbern in den Software-Untergruppen finden sich denn auch viele exotische Programme: Unter Sound & Video präsentiert sich neben dem schlanken Amarok-Klon Clementine auch der wieselflinke Videoplayer Loopy 0.5.3, als Soundrekorder dient QARecord. Mit dem Autorensystem RecordMyDesktop lassen sich relativ unkompliziert vertonte Schulungsvideos anfertigen.

Die Gruppe Internet umfasst mehrere IRC- und Messenger-Clients sowie Verknüpfungen zu Cloud-Diensten, sodass der umfänglichen Nutzung des Internets nichts im Wege steht. Als Webbrowser nutzt Blackpanther OS Chromium 12.0.712.0, das ein erheblich schnelleres Arbeitstempo zeigt als der via Repository nachinstallierbare Firefox 7.0.1.

Spielhölle

Spielernaturen bedient Blackpanther OS über den einzigen Eintrag im Menü Games, den Spiele-Manager DJL. Beim dessen Aufruf zeigt sich eine noch stellenweise vorhandene generelle Schwäche der ungarischen Distribution besonders deutlich: Die Lokalisierung lässt bei vielen kleineren Programmen zu wünschen übrig. So begrüßt der Konfigurationsdialog von DJL den deutschen Anwender mit einem verwirrenden Mischmasch aus deutschen, englischen und französischen Einstelloptionen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Sprachenwirrwarr erschwert bei DJL die Bedienung.

Abbildung 3: Sprachenwirrwarr erschwert bei DJL die Bedienung.

DJL bietet im Programmfenster unter dem Reiter Repositum eine stattliche Anzahl von Spielen, die Sie durch einen Klick auf die Schaltfläche Installieren unten links im Fenster aus dem Internet nachladen und installieren. Hier wählen Sie auch bestimmte Spielgenres an, die in einer Auswahlliste unter dem Hinweis Genre auswählen: erscheinen. Die installierten Spiele legt DJL jedoch nicht als Eintrag im Menü Games ab, sondern in seinem eigenen Programmfenster im Reiter Spiele. Somit müssen Sie zum Start des jeweiligen Spiels zunächst DJL aktivieren. Der Vorteil dieses Prozederes: Auch Online-Spiele lassen sich auf diese Art und Weise starten (Abbildung 4).

Abbildung 4: Spiele zuhauf liefert der Games-Manager DJL.

Abbildung 4: Spiele zuhauf liefert der Games-Manager DJL.

Als Manko des DJL-Installers stellte sich im Test die Unfähigkeit heraus, Abhängigkeiten automatisch aufzulösen. Das Programm zeigt im Falle eines Falles lediglich eine Fehlermeldung an mit dem Namen der fehlenden Bibliothek, die es dann manuell nachzuziehen gilt. Es empfiehlt sich außerdem, in KPackageKit einen Blick in die Rubrik Spiele zu werfen, wo es direkt installierbare Programme gibt.

Als weiterer Schwachpunkt der Software-Zusammenstellung erweisen sich die teilweise unübersichtlichen Menü-Einträge: So lagern einige Programme, die eigentlich in die Gruppe Computer gehören und der Systemverwaltung dienen, stattdessen in verschachtelten Menüstrukturen in der Hauptgruppe Applications. Dieses Manko beheben Sie mithilfe der Konfigurationsmöglichkeiten von Lancelot, indem Sie die betroffenen Programme einfach umgruppieren. Die Modifikation der Menüstruktur nehmen Sie im KDE-Menü-Editor vor, den Sie mit einem Rechtsklick auf den Lancelot-Starter in der Panelleiste unten links erreichen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Menüs lassen sich in Blackpanther OS einfach anpassen.

Abbildung 5: Menüs lassen sich in Blackpanther OS einfach anpassen.

Wechselspiel

Herausragendes Merkmal von Blackpanther OS ist der bereits erwähnte Desktop Selector, der es auch bei einem bereits auf die Platte gepackten System gestattet, eine andere Arbeitsumgebung zu installieren. Wem die standardseitig angebotenen vier Alternativen nicht genügen (KDE, Gnome, LXDE und Enlightenment E17), der erhält nach einem Klick auf die Schaltfläche Two more ultra easy desktops alternatives (click here…) mit Openbox und Windowmaker zwei weitere Umgebungen angeboten. Die alternativen Desktops lädt Blackpanther nach der Auswahl automatisch aus den Repositories und konfiguriert sie. Wenn Sie sich anschließend ab- und wieder anmelden, können Sie im Login-Screen die gewünschte Arbeitsumgebung einstellen.

Im Test zeigte sich allerdings, dass Openbox und Windowmaker nicht zum produktiven Arbeiten unter Blackpanther OS taugen: Bei Openbox wurden bislang die Menüeinträge nicht angepasst, sodass sich Software nicht aus den Menüs heraus starten lässt, bei Windowmaker wurden erst gar keine Applikationen installiert. Enlightenment E17 benötigte beim erstmaligen Start noch Konfigurationseinstellungen, während sich bei LXDE das System aus dem Stand problemlos auch für produktive Zwecke nutzen ließ.

Fazit

Blackpanther OS beseitigt einige der Defizite, die das Basissystem Mandriva 2011 in unserem Intensivtest [2] aufwies: Die Grafikkarten werden deutlich besser erkannt und angesteuert, KDE 4.6.2 reagiert auch im Live-Modus noch zügig und lässt sich installiert sogar auf leistungsschwächeren Rechnern nutzen. Der Desktop Selector zeigt zudem auch für den Boliden Mandriva eine einfache und gut benutzbare Möglichkeit auf, unterschiedliche Arbeitsumgebungen nahtlos in das Betriebssystem zu integrieren. Die Nutzung von Lancelot als Programmstarter vereinfacht die Bedienung des Systems.

Für weniger Freude sorgen die noch etwas unübersichtliche Menüstruktur sowie die in einigen Bereichen fehlende deutsche Lokalisierung. Zudem macht Blackpanther OS seinem Codenamen “Darkness” alle Ehre – in der Standardeinstellung erschwert die extrem dunkel gehaltenen Oberfläche die Bedienung, was sich jedoch über andere Themes und Hintergründe schnell ändern lässt.

Insgesamt betrachtet empfiehlt sich das System für Nutzer, die auf manche Annehmlichkeiten von Mandriva nicht verzichten wollen, jedoch nicht dessen große Software-Repositories benötigen und ihren PC lediglich für Standardaufgaben verwenden. 

Infos

[1] Blackpanther OS: http://eu.blackpanther.hu

[2] Test Mandriva 2011: Erik Bärwaldt, “Problemkandidat”, LinuxUser 11/2011, S. 68, https://www.linux-community.de/24540

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