XMMS

Aus LinuxUser 09/2001

XMMS

Sound-Maschine

Mit Musik geht nicht nur im Leben, sondern auch am Computer alles besser. So präsentieren wir Ihnen mit XMMS, dem “X Multimedia System”, eine virtuelle Sound-Maschine, die mit allen Wassern gewaschen ist.

Auch wenn es manche Linux-Apologeten anders sehen: Nicht alles unter Windows ist mies. Zu den besseren Stücken Software gehört ganz sicherlich der MP3-Player WinAmp, mit dem das Abspielen diverser Musikstücke wirklich Spaß macht. Ist es daher nicht schön, dass es mit xmms mittlerweile einen grafisch und funktional nahezu identischen Krachmacher gibt, der sich sogar die sogenannten Skins des Windows-Players überziehen lässt?

Lange suchen muss man nach ihm nicht, denn xmms wird bei aktuellen Distributionen oft sogar in der Standardinstallation mit aufgespielt. Sollte sich das Paket wider Erwarten nicht schon auf Ihrer Festplatte befinden, erhalten Sie die neueste Version auf der Homepage des Projekts unter http://www.xmms.org/.

XMMS spielt dank einer flexiblen Modulbauweise die Audioformate MP3, Ogg Vorbis, Waves u.a. ab und wird in den neueren Versionen sogar mit MPEG-Videos fertig. Ausgegeben werden die entsprechenden Daten wahlweise über das Open Sound System (OSS), den Enlightened Sound Daemonesd oder als Wave-Datei. Die Audiodaten können dabei durch eine Vielzahl von Darstellungsmodulen am Bildschirm visualisiert werden.

Möchten Sie in den vollen Funktionsumfang dieser multimedialen Allzweckwaffe kommen, sollten Sie neben dem normalen rpm-Paket auch die angebotenen Plugins herunterladen. Wer vorhat, Plugins zu installieren, die selbst kompiliert werden müssen, packt zudem das xmms-Developer-Paket ins Download-Körbchen. Einige dieser Erweiterungen stellen wir Ihnen ab Seite 34 näher vor.

Wir machen Musik

Leider verankern die unterschiedlichen Distributionen xmms an verschiedenen Stellen in den diversen Desktop-Umgebungen, so dass es schwer ist, einen allgemeingültigen Weg zum passenden Menüpunkt zu beschreiben. In der Regel dürften Sie den Eintrag jedoch im Dunstkreis des jeweiligen Multimedia-Eintrags im Startmenü finden. Wer auf Nummer Sicher gehen will, startet XMMS einfach durch die Eingabe des Befehls xmms & in einer Terminal-Emulation seiner Wahl. Danach sagt der Player wie in Abbildung 1 höflich guten Tag.

Abbildung 1: Ein vertrauter Anblick

Abbildung 1: Ein vertrauter Anblick

Habe ich zuviel versprochen? Dieser Anblick sollte allen WinAmp-Veteranen recht bekannt vorkommen. In der Titelzeile rechts finden Sie drei Buttons: Der linke minimiert xmms, der mittlere reduziert das Programm auf seine Titelzeile, und mit dem rechten drehen Sie der Software den Saft ab.

Am unteren Rand finden Sie Elemente, die Sie von jedem herkömmlichen CD-Player kennen: Play-, Stopp-, Spul-Tasten etc. Klicken Sie auf den Eject-Button, öffnet sich eine Art Datei-Manager wie in Abbildung 2, in dem Sie bequem per Mausklick auswählen können, welche MP3-Datei XMMS als Nächstes abspielen soll. Wer gerne die Klaviatur der Tastatur benutzt, wird dabei zu schätzen wissen, dass sich der Player vollständig über’s Keyboard bedienen lässt. Tabelle 1 gibt die wichtigsten Shortcuts wieder.

Tabelle 1: Xmms-Shortcuts

z springt zum letzten Song
x abspielen
c Pause
v Stopp
b nächster Song
l öffnet die Dateiauswahl
j springt zu einem anderen Song über eine Auswahl
r Song wiederholen
s Zufallsauswahl
Abbildung 2: Was möchten Sie als Nächstes hören?

Abbildung 2: Was möchten Sie als Nächstes hören?

Optional

Ein wenig versteckt ist der Button, mit dem Sie ins XMMS-Hauptmenü (Abbildung 3) gelangen. Sie finden ihn verschämt in der linken oberen Ecke kleben. Wem das Aufspüren der Schaltfläche auf diese Art zu mühsam ist, kann stattdessen die rechte Maustaste einsetzen (einfach mit der rechten Maustaste auf den Player klicken).

Abbildung 3: Gut versteckt

Abbildung 3: Gut versteckt

Besonders interessant ist, was sich dort hinter dem Menüpunkt Options (Abbildung 4) versteckt. Wem etwa das Player-Fensterchen arg klein erscheint, kann beispielsweise den Menüpunkt double size ausprobieren, um xmms wahre Größe zu verleihen.

Abbildung 4: Alle Optionen offen

Abbildung 4: Alle Optionen offen

Mit der Tastenkombination [Alt-S] oder einem Mausklick auf Options / Skin Browser starten Sie den Skin-Selector (Abbildung 5). Als Skins bezeichnet man eine Anzahl (bei XMMS genau zehn) Bilder im BMP-Format, die das Aussehen Ihres Players bestimmen.

Beim ersten Programmstart bekommen Sie automatisch ein neues Verzeichnis ~/.xmms/Skins/ angelegt. Da hinein können Sie jederzeit weitere “Häute” packen.

Wer mag, aktiviert das Feld Select random skin on play, damit XMMS bei jedem neuen Klick des Play-Buttons sein Outfit wechselt. Sofern Sie auf demselben Rechner unter Windows WinAmp-Skins installiert haben, bietet es sich an, die SKINSDIR-Variable auf das entsprechende Verzeichnis auf der Windows-Partition zu setzen. In der Bash erreichen Sie das mit folgendem Eintrag:

export SKINSDIR=/Pfad/zu/den/Skins

tcsh-User kommen mit

setenv SKINSDIR /Pfad/zu/den/Skins

zum selben Ergebnis.

Abbildung 5: Ein neuer Look muss her

Abbildung 5: Ein neuer Look muss her

Ein großer Vorteil ist, dass XMMS auch mit in diesem Verzeichnis abgelegten Zip-Archiven umzugehen weiß, so dass Sie Skin-Archive nicht in ihre Bestandteile entpacken müssen, sondern das Download-Format (skinwieauchimmer.zip) ins Verzeichnis stecken und sofort verwenden können. Skins aller Couleur finden Sie z. B. auf der Seite http://www.winamp.com/skins/. Einmal im Skin-Verzeichnis abgelegt, wählen Sie diese nun mit Hilfe Ihres Skin-Browsers aus – Abbildung 6 zeigt beispielsweise XMMS im Aqua-Look.

Abbildung 6: Des Kaisers neue Kleider

Abbildung 6: Des Kaisers neue Kleider

Neben grafischen Raffinessen offeriert Ihnen das Hauptmenü aber auch Möglichkeiten zum noch komfortableren Abspielen Ihrer Audio-Dateien, und zwar unter dem Punkt Playback. Sie haben hier neben Vorwärts- und Rückwärtsspringen auch die Wahl, zu einer bestimmten Zeitstelle zu gehen (Jump to Time) oder fünf Sekunden zurückzuspulen, um das Lieblingssolo noch einmal zu hören.

Listenreich

Einer besonderen Erwähnung bedarf der sogenannte Playlist-Editor (Abbildung 7). Dieser ermöglicht es, MP3-Dateien aus verschiedenen Verzeichnissen zu einer Abspielliste zusammenzufassen und für den späteren Gebrauch abzuspeichern.

Geöffnet wird der Editor entweder über den Punkt Playlist Editor im mittlerweile altbekannten XMMS-Menü, mit dem Tastenkürzel [Alt-E] oder über den Button PL (rechts außen) im Hauptfenster. Mit dem Button +FILE fügen Sie eine Datei hinzu, mit -FILE entfernen Sie Dateien, LOAD LIST lädt eine Playliste Ihrer Wahl.

Wohl dem, der seine mp3-Dateien in einem eigenen Verzeichnis verwaltet. Ein weiterer Klick auf +FILE verschafft Ihnen nämlich Zugriff auf die Schaltfläche +DIR. Einmal angewählt, und schon wird der Inhalt des Verzeichnisses in den Playlist-Editor geladen.

Abbildung 7: Der Reihe nach abgespielt

Abbildung 7: Der Reihe nach abgespielt

Der Equalizer

Neben dem Skin-Browser oder dem Playlist-Editor hat XMMS selbstverständlich auch einen Equalizer an Bord, mit dem Sie das Klangverhalten Ihres PCs den persönlichen Präferenzen anpassen können. Öffnen Sie ihn durch ein Klick auf den Button EQ im Hauptfenster, und aktivieren Sie ihn mit einem Klick auf ON (Abbildung 8).

Die von Ihnen hier vorgenommenen Einstellungen werden übrigens in der Datei ~/.xmms/config gespeichert, wenn Sie xmms beenden. Über die Schaltfläche Preset laden Sie verschiedene Einstellungen, auch das WinAmp-Format wird hier unterstützt.

Abbildung 8: Der XMMS-Equalizer

Abbildung 8: Der XMMS-Equalizer

Eingebettet

Ein besonderes Feature des XMMS ist seine Erweiterungsfähigkeit durch die Integration diverser Plugins. Um sich erstmals mit dem Prinzip der Plugins vertraut zu machen, müssen Sie noch nicht einmal weitere Programme installieren, denn XMMS bringt bereits in der Standard-Installation eine Reihe Erweiterungen mit, die Sie über den Menüpunkt Options / Preferences oder die Tastenkombination [Strg-P] erreichen.

Dieser “Voreinstellungsbereich” gliedert sich in die vier Punkte Audio I/O Plugins, Effect/General Plugins, Visualization Plugins und Options (Abbildung 9). Die selbsterklärenden Reiter Fonts und Title vernachlässigen wir an dieser Stelle.

Abbildung 9: Mehr Funktionalität durch Plugins

Abbildung 9: Mehr Funktionalität durch Plugins

Audio-Plugins helfen Ihnen dabei, unterschiedliche Medien und Formate im XMMS abzuspielen. Sie können verschiedene Input Plugins wählen und konfigurieren (Abbildung 9). Möchten Sie eines der Plugins außer Betrieb nehmen, wählen Sie es mit der Maus an und deaktivieren den Punkt Enable plugin. Das betroffene Plugin bekommt dann ein (disabled) angehängt.

Auch die Output-Plugins sind interessant. Diese versorgen Ihre Sound-Karten mit den nötigen Audio-Daten. Hier gilt: Sie müssen sich auf ein einziges Ausgabe-Plugin zur Zeit beschränken. Das Abspielen von mp3-Dateien und ihre zeitgleiche Umwandlung ins wav-Format ist somit ein Ding der Unmöglichkeit.

Mit den Effekt-Plugins des Tabs Effect/General Plugins verändern Sie das Klangverhalten der Sound-Ausgabe, während General Plugins Ihnen dabei helfen, XMMS mit einem Joystick oder einer Fernbedienung zu steuern. Dass Sie das Verhalten mittels des Configure-Button jeweils völlig Ihren Wünschen anpassen können, versteht sich dabei von selbst (Abbildung 10).

Abbildung 10: Remote Control

Abbildung 10: Remote Control

Unter dem Dach der Visualization plugins lassen sich wiederum Helferlein finden, die Ihre Songs auch grafisch richtig zur Geltung zu bringen. Eine Auswahl Plugins stellen wir Ihnen auf den folgenden Seiten vor.

Alles, was Sie sonst noch immer schon an Ihrem MP3-Player de luxe verändern wollten, finden Sie unter dem Tab Options versteckt. Ob es nun um das Zusammenspiel zwischen einer Wheel-Maus und dem XMMS geht oder ob Sie die Länge einer Pause zwischen zwei Songs festlegen möchten: Hier stellen Sie es ein.

Glossar

Plugins

Ein Programmfragment, das sich als Erweiterung in ein größeres Programm “einstecken” (engl.: “plug in”) lässt. Prominente Software mit Plugin-Technik ist Gimp und XMMS.

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