Torvalds vs. GNOME: Interface-Nazis und Feature-Nutten

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Einen regelrechten Flame War hat Linus Torvalds auf der GNOME-Usability-Mailing-Liste [1] entfesselt. Dabei wirft er den GNOME-Entwicklern vor, die Benutzer als unmündige Idioten zu betrachten, denen man in selbstherrlicher Manier wichtige Konfigurationsmöglichkeiten vorenthalte. „Anscheinend wird GNOME von Interface-Nazis entwickelt“, tobt Linus in seinem Posting [2], und bezieht klar Stellung [3]: „Ich persönlich ermutige die Leute, zu KDE zu wechseln. Ratet anderen auch, KDE zu nutzen.“

Auslöser des ebenso überraschenden wie heftigen Zornesausbruchs war ein scheinbar harmloses Posting [4] von Till Kamppeter, dem Projektleiter und Maintainer von linuxprinting.org [5] und Foomatic [6]. Er hatte sich Anfang Dezember auf dem OSDL Desktop Architects Meeting danach erkundigt, warum GNOMEs Drucker-Dialog die in der PPD-Datei gespeicherten Fähigkeiten des Druckers nicht völlständig auswerte und als Optionen anbiete. Auch die Vorverarbeitungs- und Scheduling-Fähigkeiten von CUPS fänden sich zwar als Optionen im entsprechenden KDE-Dialog wieder, nicht aber bei GNOME. Das sei volle Absicht, lautete die Erklärung seitens der GNOME-Entwickler: Solche Optionen würden lediglich das Interface unnötig aufblähen und die Anwender verwirren, hätte das GNOME-Usability-Team beschlossen. Das habe man ihm zumindest mitgeteilt, schrieb Kamppeter.

Diese vermeintliche Bevormundung der Anwender muss es wohl gewesen sein, die Linus‘ Hutschnur zum Platzen brachte. Dabei geriet er derart in Rage, dass er sogar sachlich falsche Behauptungen aufstellte – etwa, dass man in den GNOME-Datei-Dialogen nur Icons klicken, jedoch keine Dateinamen direkt angeben könne. „Deswegen benutze ich GNOME nicht: Jeden anderen Window-Manager, den ich kenne, kann man machtvoll erweitern, etwa indem man Aktionen auf verschiedene Maustasten legt. Und bei welchem geht das nicht, weil es angeblich die armen Benutzer verwirrt? Ratet doch mal – Tipp: Es ist jedenfalls weder der schlankste noch der schnellste.“ nörgelte Torvalds.

Wie das bei den meisten Flame Wars der Fall ist, hat sich übrigens auch dieser offensichtlich aus einem Missverständnis heraus entwickelt: Wie etliche Folge-Postings [7] der von dem rüden Schlagabtausch verblüfften GNOME-Entwickler zeigen, resultiert das Fehlen der von Kamppeter vermissten Druck-Optionen aus mangelnder Manpower für die Implementierung. Was die angebliche Bevormundung der Benutzer angehe – da habe Kamppeter wohl eine Auskunft in den falschen Hals bekommen.

Einer der wenigen sachlichen Beiträge [8] zu der Affäre kam von Nat Friedman, dem Ximian-Mitgründer und derzeitigen Vize von Novells Linux-Produktentwicklung: Es könne ja sein, dass es sich bei einigen GNOME-Entwicklern um Kontrollfreaks und Antifeature-Nazis handle, und wahrscheinlich seien auch einige KDE-Entwickler auf Ankreuz-Felder fixierte Feature-Nutten. Auf jeden Fall müsse man über das Problem in vernünftiger Art diskutieren, anstatt sich lediglich Verbalinjurien an den Kopf zu werfen.

„Usability ist wichtig, und dass Linus seine Maustasten auf was-auch-immer binden kann, wahrscheinlich auch. Aber das ist es doch nicht, was Linux vom Erfolg auf dem Desktop-Markt abhält.“ argumentiert Friedman. „Was fehlt also? Anwendungen, Hardware-Unterstützung. Entwickler-Zeit ebenso. Liegt’s etwa am Druck-Dialog? Ich weiß ja nicht …“

[1] http://mail.gnome.org/archives/usability/
[2] http://mail.gnome.org/archives/usability/2005-December/msg00022.html
[3] http://mail.gnome.org/archives/usability/2005-December/msg00021.html
[4] http://mail.gnome.org/archives/usability/2005-December/msg00019.html
[5] http://www.linuxprinting.org
[6] http://www.linuxprinting.org/foomatic.html
[7] http://mail.gnome.org/archives/usability/2005-December/msg00024.html
[8] http://mail.gnome.org/archives/usability/2005-December/msg00025.html

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5 Kommentare auf "Torvalds vs. GNOME: Interface-Nazis und Feature-Nutten"

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Lest doch mal den Originalbeitrag Euch durch. Das wird hier zu einer Geschichte aufgeblasen. Wenn man jeden Forumskommentar von hier mit dieser Wichtigkeit wiedergeben würde… Das war eine knappe pointierte Meinung, die viele Leute teilen und schon anderswo geäußert haben. Hier wiedergegeben klingt das aber wie eine pöbelnde Anmache mit dem Wunsch zum Flamewar. Fakt ist doch: – Gnome-Akteure haben häufiger unfair in Richtung KDE gegrätscht. Allen voran Miguel und Nat. – GTK integriert sich absichtlich schlecht in den KDE Desktop, den die Gnome-Leute gerne mit QT verheiratet sehen wollen, während sie alles andere assimilieren. An den Hausaufgaben auf KDE… Mehr »
Hi Christian, in ein paar Punkten hast du auf jeden Fall Recht. Vor allem Miguel und Nat haben oft noch härter gegen KDE gewettert, als Linus das nun gegen Gnome tut. Aber von Linus ist man das einfach nicht gewöhnt, das hat dann richtig geschockt. Orientierungslosigkeit, kein stringentes Gesamtprojekt, Sammelsurium von zum Teil unausgereiftem Kram Das trifft IMHO eher auf KDE zu als auf Gnome. Denn dort werden immer mehr Programme aufgenommen, ich bin z.B. von KDE auf Gnome gewechselt, weil mir KDE einfach viel zu überladen war. Und Abstürze hatte ich bei KDE öfters als jetzt mit Gnome. Was… Mehr »

Ich kenne Linus nun seit gut 12 Jahren und habe ihn noch nie so erlebt. Wenn er sich so ausdrückt, dann geht ihm wirklich was auf die Nerven (wahlweise andere wichtige Körperteile), oder es liegt ihm extrem viel dran. Sich pointiert ausdrücken ist sicherlich keine seiner Schwächen, auch wenn er sich immer darum gedrückt hat, einen Zeitschriftenartikel zu schreiben (v.a. in der Anfangszeit), aber das ist schon extrem für ihn.

Andererseits muss ich Christian recht geben – man sollte das nicht überbewerten, zumal Miguel’s Schnauze nun wirklich auch nicht von Pappe ist.

Oh Gott. Ein Genitiv-Apostroph. Und das mir. Asche auf mein Haupt.

Sturm im Wasserglas? Ich habe den Thread mit Amüsement gelesen und bin eigentlich eher verwundert, wieso das so breit ausgewalzt wird. Linus äußert sich wie ein ganz normaler User, als mehr sollte man das nicht werten. Man kann die Ansicht teilen oder es lassen. Und jeder der sagt: „Linus, an seiner exponierten Position sollte besser darauf achten, was er sagt“ hat eben nicht begriffen, daß sich Linus nicht als irgendwas besonderes begreift und demzufolge auch einfach mal die Hutschnur Hutschnur sein läßt. Wenn sich dann am Ende alles als drei Viertel eines Misverständnisses herausstellt, dann kann ich nur sagen: Willkommen… Mehr »