ESP Ghostscript 7.05.1-1 freigegeben

Neues Ghostscript

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Insider haben es lange erwartet — seit gestern ist es da:das ESP Ghostscript 7.05.1-1

ESP Ghostscript ist eine modifizierte Version des auf UNIX-Systemen allgegenwärtigen PostScript-Software-RIPs (RIP = RasterImage Prozessor). Ein RIP erzeugt aus PostScript u.a. druckfertigeRasterbilder für Übergabe an die Marking Engine eines Druckers).

ESP Ghostscript enthält:

  • …ein verbessertes autoconf-Script (für Selbstkompilierer),
  • …den CUPS „pstoraster“-Filter (Vorstufe für alle möglichen CUPS-Raster-Druckertreiber)
  • …sowie zusätzliche Patches und Treiber von verschiedenen Linux-Distributoren.

ESP Ghostscript wird von Easy Software Products (ESP) betreut. ESP sind auch die Entwickler von CUPS, dem Common UNIX Printing System. ESP Ghostscript basiert auf dem ebenfalls gestern freigegebenen GNU Ghostscript 7.05 und steht unter der GPL.Die Arbeit daran wurde zu einem erheblichen Teil von Epson gesponsort. Ausser durch Michael Sweet (CUPS) wird die Entwicklung dieses Zweiges von 4 weiteren namhaften Leuten aus veschiedenen Projekten und Firmen getragen:

  • Bernhard Rosenkraenzer (bero) (RedHat)
  • Robert Krawitz (Gimp-Print)
  • Eric Sharkey (Debian)
  • Till Kamppeter (Mandrake und Linuxprinting.org)

ESP Ghostscript ist auf http://sourceforge.net/projects/espgs/ zu Hause.

Welches sind die Verbesserungen von ESP Ghostscript?

Die neueste Version (0.34) des IJS-Interfaces ist enthalten. IJS ermöglicht es künftig, zusätzliche Treiber/Filter zu Ghostscript als „Module“ hinzuzufügen. (Bestehende Treiber müssen entsprechend umgeschrieben werden). Dies wird den seither umständlichen Umgang mit Ghostscript für Nutzer, Maintainer und Distributoren in Laufe der Zeit erheblich erleichtern: denn die Notwendigkeit, das komplette GS-Packet neu kompilieren zu müssen, falls ein einzelner Treiber hinzugefügt (oder auchnur gepatcht) werden sollte, entfällt jetzt.

Im neuen HPIJS-Treiberpacket ist IJS-Unterstützung z.B. bereits enthalten. HPIJS wird von HP entwickelt, steht unter einer BSD-artigen Lizenz und unterstützt über 100 Druckermodelle (selbst die bisher unter Linux „schwierigen“ Officejets) — nach der Einstufung durch Linuxprinting.org meistens sogar „perfectly“.

Der Einbau ICC-basierter Farbraum-Unterstützung der icclib für PDF und PostScript aus dem neuesten GNU-Ghostscript wurde übernommen.

Wo liegen die Ursprünge von ESP Ghostscript?

Alle bisherigen Versionen von CUPS, selbst die aktuellste,1.1.14, installieren ihre eigenen Versionen ghostscript-basierten Filter(nämlich „pstoraster“ und „imagetoraster„), unabhängig von einer bereits bestehenden systemweiten Ghostscript-Installation. Das „beisst“ sich auch nicht, denn die Installation verfrachtet die beiden Teile in ein eigenes Verzeichnis, das nur der Beherbergung CUPS-eigener Filter dient. Und andererseits kommt CUPS so prinzipiell auch ohne eine komplette Ghostscript-Installation aus.

Neue Bedingungen

Inzwischen sind die Welten der verschiedenen Drucksoftware-Packete enger zusammengerückt. Mit dem Übergang der Maintainerschaft von AFPL-Ghostscript in die Hände von Raph Levien (der die „doppelte“ Lizenzpolitik — AFPL und GPL — aufheben möchte, sobald diesbezügliche Erblasten aus der Vergangenheit beseitigt sind), wurde hier eine grosse Türe geöffnet. Andererseits haben sich sowohl CUPS als auch Gimp-Print (beide von Michael Sweet von ESP initiiert) durch ihre vorzügliche Software eine Rolle erarbeitet, die es nun ermöglichen, diese neue Initiative zu ergreifen.

Die Nachfrage nach einem einheitlichen, alle Verbesserungen umfassenden Distributions- und CUPS-Ghostscript kam aus veschiedenen Ecken. Letztlich hat Epson mit einer entsprechenden finanziellen Unterstützung die tatsächliche Entwicklung ermöglicht, da sie auch direkt der Unterstützung ihrer eigenen Hardware auf allen Unix-Plattformen zugute kommt.

Entwicklungsperspektiven

Die Freigabe von ESP Ghostscript ist auch im Vorgriff auf den neuen Entwicklungszyklus für CUPS 1.2.x zu sehen. Erste Alpha- oder Beta-Versionen dafür sind bei Einhaltung des Entwicklungsplanes schon abJuli zu haben.

CUPS 1.2.x wird an vielen Stellen erhebliche Verbesserungen (und auch Veränderungen) erfahren. Am auffälligsten: die „pstoraster“ und die „imagetoraster“ Filter werden nicht mehr integrierter Bestandteil der jeweiligen CUPS-Release sein, sondern können optional auch von ESP Ghostscript zur Verfügung gestellt werden. Auf diese Weise können Anwender bei Bedarf die „bleeding edge“-Versionen Ghostscript bei sich installieren, und diese auch für CUPS nutzen, oder Verbesserungen aus der globalen Ghostscript-Entwicklung direkt auf ihre Platte bringen. Linux-Distributoren und -Packet-Maintainer werden sich ebenfalls über einen leichteren Job freuen. „Code Duplication“ fällt weg.

CUPS, ESP Ghostscript und Mac OS X

Im weiteren werden auch Mac OS X Anwender von dem neuen Setup profitieren. Bekanntlich hat Apple CUPS zum Zwecke der Nutzung in seinen Betriebssystemen Darwin und Mac OS X lizenziert.

Die CUPS-Integration durch Apple in seine neue Mac OS X Version 10.2 beinhaltet allerdings selbst keinen Ghostscript-basierenden Code. Apple wird hier seine eigene PDF-RIP-Technologie implantieren. Diese ist ohnehin bereits Grundlage für die „Aqua“-Benutzeroberfläche auf dem Bildschirm wie auch für gedruckten Output. Die CUPS-Integration bei Apple wird deshalb wahrscheinlich in einer Weise erfolgen, die eine nachträgliche Ghostscript-Installation durch die Anwender selbst möglichst leicht macht.(Dies ist legal und befreit Apple ausserdem von der Pflicht, eine ungeliebte GPL einhalten zu müssen) Apple-User dürften auf diese Weise allerdings in den problemlosen und „billigen“ Genuss der mehr als tausend durch Ghostscript, Foomatic/Linuxprinting.org, OMNI, HPIJS, TurboPrint oder Gimp-Print unterstützten Druckermodelle kommen.

Quellcode und verschiedene Binärpackete

ESP Ghostscript ist derzeit nur im Quellcode erhältlich. Fertige Binär-Packete im „portablen“ *tar.gz-Format, als Debian- und als RPM- Packung sind noch in Vorbereitung. Die Kompilier-Anleitung in den ensprechenden READMEs ist leicht nachvollziehbar.

Kurt Pfeifle
(Autor der CUPS-FAQ.)

Links:

CUPS-FAQ: http://www.danka.de/printpro/cups.html
CUPS: http://www.cups.org/
ESP: http://www.easysw.com/
ESP Ghostscript: http://sourceforge.net/projects/espgs/
Gimp-Print: http://gimp-print.sourcforge.net/

[1] http://www.danka.de/printpro/cups.html
[2] http://www.cups.org/
[3] http://www.easysw.com
[4] http://sourceforge.net/projects/espgs/
[5] http://gimp-print.sourcforge.net/

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6 Kommentare auf "ESP Ghostscript 7.05.1-1 freigegeben"

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GNU Ghostscript 7.05 wurde soeben glaichfalls released…

Hallo,

leider habe ich es nicht ganz verstanden. Ich setze bei mir CUPS ein zusammen mit den Turboprint treibern. Kann sich durch den pstoraster in dem neuen ESP Ghostscript die Qualitaet meiner Ausdrucke verbessern?

Wenn, dann moechte ich auch nur das CUPS verbessern. Muss ich mehr tun, als nur den neuen pstoraster in das CUPS Installationsverzeichnis kopieren? Wird dies von der Installationsroutine automatisch erledigt?

Danke Christoph

> Ich setze bei mir CUPS ein zusammen mit den Turboprint > treibern. Kann sich durch den pstoraster in dem neuen > ESP Ghostscript die Qualitaet meiner Ausdrucke verbessern? Das kannst aktuell nur Du selbst entscheiden durch Ausprobieren. [TurboPrint *ist* ja schon ziemlich gut.] Jedenfalls ist der neue (wie der alte) „pstoraster“ Teil der CUPS-TurboPrint-Filterkette: pstops –> pstoraster –> rastertoturboprint –> tpprint –> –> cups-backend –> drucker. Ich würde mal spekulieren, das er keinesfalls *schlechter* ist als der seitherige. Langfristig wird es noch viele weitere Verbesserungen geben: ColorManagement, Farbprofile… [Aber langfristig ist es der einzige, den es für CUPS geben… Mehr »
Danke für die ausführliche Antwort. Leider funktioniert es nicht so wie oben angegeben bricht die Kompilation mit folgendem Text ab: ./obj/echogs -e .dev -a- ./obj/cups -lib cupsimage -lib cups ./obj/echogs -e .dev -w- -l-dev2 -b -s -l-include -l./obj/page -l-obj ./obj/cups ./obj/gdevcups.o make: *** Keine Regel vorhanden, um das Target »obj/no.dev«, benötigt von »obj/ld.tr«, zu erstellen. Schluss. Da habe ich mir gedacht, vielleicht sollte gs doch gebaut werden, also habe ich –without-gs entfernt, so dass es tatsächlich bis zum Ende gebaut wurde. Leider kommt beim make install nun der folgende Fehler: /bin/sh -c ‚for f in ./lib/*.ppd ./lib/*.rpd ./lib/*.upp ./lib/*.xbm ./lib/*.xpm;… Mehr »

Du hast recht. Das Packet hat derzeit noch ’ne ziemliche Macke.

Nachdem bei mir eine Vorab-Version noch einwandfrei durchlief, kriege ich jetzt ebenfalls bei der „Vollkompilierung“ dieselbe Fehlermeldung: „No rule to make target `lib/../doc/News.htm‘, needed by `install-doc‘. Stop.“

Mike Sweet hat es bereits bestaetigt, dass da ein Missgeschick passiert ist.

Sorry.

Inzwischen gibt es das Packet als „7.05.1-2“. Bei mir lief die Vollkompilierung durch. Dadurch wurde der „neue“ CUPS-‚pstoraster‘ nach /usr/lib/cups/filters/ kopiert. Er ist jetzt ein Shellscript, das den „eigentlichen“ Filtervorgang durch Ghostscript aufruft. Es setzt zuerst die Pfad zum Auffinden der CUPS-Fonts (wie in cupsd.conf eingestellt), übergibt einige erforderliche Aufruf-Parameter an „gs“ und verwendet dann per „-sDEVICE=“ das neue device „cups“ aus dem ESP Ghostscript: GS_FONTPATH=“$CUPS_FONTPATH“ export GS_FONTPATH # Options we use with Ghostscript… gsopts=“-dQUIET -dDEBUG -dPARANOIDSAFER -dNOPAUSE -dBATCH “ gsopts=“$gsopts -dNOMEDIAATTRS -sDEVICE=cups -sstdout=%stderr“ [….] # Now run Ghostscript… $bindir/gs $gsopts -sOUTPUTFILE=“%stdout“ $profile $6 ESP Ghostscript ist jetzt auch auf… Mehr »