Apache gegen Oracle in Sachen TCK

Java-Zoff

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Die Apache-Foundation ist fast einstimmig für weitere drei Jahre in den Vorstand der Java-Community gewählt worden und nutzt diesen Rückhalt, um Oracle zu einer anderen Lizenzpolitik zu bewegen.

Anlässlich der Anfang November abgeschlossenen Vorstandswahlen zum Executive Committee des Java-Community-Prozesses (JCP), bei denen die Apache Foundation mit 95 Prozent der Stimmen wiedergewählt wurde, geht die Foundation jetzt aufs Ganze. Sie will, heißt es in einem im Apache-Blog veröffentlichten Statement, aus dem offiziellen Java-Entwicklungsgremium ganz aussteigen, wenn Oracle nicht die Lizenz der Testsuite Java Compatibility Kit (TCK) ändert. Sie ruft das Executive Committee des Java-Community-Prozesses explizit auf, zu ihren Gunsten Stellung zu beziehen: Das Komitee möge ein klares Votum für das Anliegen der Apache Foundation abgeben und damit beweisen, dass seine Maßgaben überhaupt Relevanz besitzen.

Oracle hatte bereits Vorkehrungen getroffen, für die Apache Foundation nicht mehr verwundbar zu sein: Kürzlich gab es eine Einigung mit IBM, anstatt Apaches freier Java-Implementierung Harmony lieber Open JDK weiterzuentwickeln. Mit dem Wiederaufgreifen des seit Jahren bestehenden Rechtsstreits um das Java-Test-Kit nach den Komitee-Wahlen wirft die Apache Foundation als womöglich letzten Versuch jetzt ihren Rückhalt in der Java-Community in die Waagschale: Die Drohung, aus dem offiziellen Java-Entwicklungsprozess ganz auszusteigen, besitzt eine neue Qualität.

Die Aufforderung zur Stellungnahme des Komitees von Seiten Apaches stützt sich übrigens darauf, dass das Komitee nach Apaches Meinung ansonsten sinnlos sei. Denn wenn Sun beziehungsweise Oracle sich nicht an die Vereinbarungen im Rahmen des Community-Prozesses halte, seien der Community-Prozess und dessen Komitee überflüssig.

Hintergrund: Im Jahr 2002 hatte die Apache Foundation mit dem damaligen Java-Eigentümer Sun Microsystems die Vereinbarung abgeschlossen, dass die Foundation das obligatorische Java-Testkit TCK auch für ihre Open-Source-Projekte benutzen darf. Der alte (und nicht widerlegte) Vorwurf lautet, dass sich der Java-Eigentümer Sun beziehungsweise heute Oracle sich nicht an diese Vereinbarung halte: Beispielsweise im Jahr 2007 warf die Foundation Sun vor, ihr noch keine entsprechende TCK-Lizenz zur Verfügung gestellt zu haben, sondern sie weiterhin mit nicht-Open-Source-kompatiblen Bedingungen belaste. Als das Apache-Projekt Harmony zwei Jahre später mit fehlender Java-Kompatibilität abgestraft wurde, kämpfte die Foundation erneut für ihre Ansprüche.

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